So deuten Sie Bauchschmerzen richtig

Vollegefühl, Sodbrennen oder Blähungen: Das kommt häufig vom Essen – aber nicht immer. Wie man die Ursache von Bauchweh erkennt und richtig handelt

von Heidi Loidl, aktualisiert am 23.02.2016

Unangenehmes Volksleiden: Bauchschmerzen

fotolia/Michael Heim

Es drückt oder zwickt, brennt oder sticht, rumort oder krampft. Der Bauch leidet oft und auf vielerlei Arten: "Verdauungsprobleme sind nach Erkältungen und Schmerzen der dritthäufigste Grund, warum Apothekenkunden rezeptfreie Medikamente kaufen", sagt Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung der Apothekerverbände. Der Ursache des Bauchgrimmens auf die Spur zu kommen ist meist mühsam. Öfter als gedacht ist Essen der Auslöser. Nicht nur was man zu sich nimmt, "auch Zeitpunkt und Umgebung bestimmen, wie bekömmlich es ist", weiß Professor Thomas Frieling, Magen-Darm-Spezialist aus Krefeld. Zu viel, zu fett, das Falsche? Wer bei Ernährungsfehlern nicht fündig wird, sollte den Arzt um Rat fragen. "Der Weg zur Diagnose ist mitunter lang, die Therapie aber meist gut möglich", sagt Frieling. Wichtig: Bei Beschwerden, die plötzlich oder immer wieder auftreten oder nach einer Woche nicht weg sind, Blut im Stuhl, Fieber, starken Schmerzen oder Krämpfen sowie Gewichtsverlust sofort zum Doktor!


8 mögliche Gründe, warum das Essen schuld sein kann

1. Zu viel: An Weihnachten greift man gern einmal zu oft zu. Das körperliche Signal "Es reicht" ist Völlegefühl. Ein Schnaps wird es richten? Falsch! Alkohol bremst sogar die Magenentleerung. Und ein Espresso macht lediglich wach. Besser: eine Runde spazieren gehen.

2. Zu fett: Der Magen durchmischt das Essen und verdaut es vor, um es dann portionsweise an den Darm abzugeben. Fett bremst ihn dabei: Pommes liegen daher buchstäblich schwer im Magen, Pellkartoffeln passieren zügig.

3. Zu blähend: Bakterien im Dickdarm verwerten Unverdauliches, dabei entstehen Gase, das ist ganz normal. Unangenehm wird es, wenn nach Speisen übermäßig Gas gebildet wird. Nach Zwiebel, Lauch, Kohl oder Eiern entstehen sogar schwefelhaltige, unangenehm riechende Gase. Da hilft nur weglassen.


Aufgegessen: Schnelles Essen fördert Bauchweh

Getty Images/Jasmin Awad / EyeEm

4. Zu schnell: Wer zu hastig isst, übersieht den Zeitpunkt, wann es genug ist. Denn der Körper signalisiert erst nach 15 bis 20 Minuten, dass er satt ist. Also: In Ruhe genießen und auf das Sättigungsgefühl achten!

5. Zu spät am Abend: Auch Magen und Darm folgen einem tageszeitlichen Rhythmus und "ruhen" nachts. Experten raten, nicht später als drei Stunden vor dem Schlafengehen zu essen.

6. Unregelmäßig: Zum Frühstück einen Kaffee und die Zeitung, zwischendurch ein belegtes Brötchen aus der Hand, das Abendessen bei laufendem Fernseher. "Nebenbei und in Hektik zu essen bekommt dem Menschen nicht ", sagt Professor Thomas Frieling. "Sich Zeit zu nehmen und es in netter Gesellschaft zu tun ist viel bekömmlicher."

7. Unter Stress: Bei Belastung schüttet der Körper Adrenalin aus. Jetzt herrscht Alarm im Körper, Blutdruck und Puls steigen an, die Muskulatur wird besser durchblutet. Heruntergefahren wird dagegen die Aktivität von Magen und Darm. Unter Druck zu essen tut nicht gut.

8. Ungewohnt: Verdauung ist nicht allein Sache von Magen und Darm, Milliarden von Darmkeimen helfen dabei mit. Bei Fleischessern sind andere Bakterien aktiv als bei Vegetariern. Wer plötzlich viel Gemüse isst, muss mit Blähungen rechnen. Mit der Zeit passt sich die Darmflora aber an.


Hilfe aus der Apotheke

Diese Mittel gibt es rezeptfrei:

  • Atherische Öle in Anis, Angelikawurzel, Kümmel, Fenchel, Kamille, Koriander und Pfefferminze wirken krampflösend und verdauungsfördernd.
  • Bitterstoffe aus Bitterklee, Enzianwurzel, Tausendgüldenkraut, Pomeranzenschale, Bitterer Schleifenblume und Wermut regen die Magensaftproduktion an.
  • Mittel mit Gelbwurz oder Artischocke fördern die Fettverdauung und mindern so das Völlegefühl.
  • Enzymkombinationen unterstützen die Bauchspeicheldrüse bei der Verdauung und verhindern die Bildung von Gasen.
  • Entschäumer (mit Simethicon oder Dimeticon) entgasen den Darm, Butylscopolamin lindert Krämpfe.
  • Bei Sodbrennen neutralisieren Antazida die Magensäure, Protonenpumpenhemmer bremsen deren Produktion. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als zwei Wochen nehmen!

Krankheiten als Auslöser für Bauchschmerzen

Reizmagen/Reizdarm: Die häufigste Ursache chronischer Beschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen, Schmerzen. Experten vermuten dahinter unter anderem eine Überempfindlichkeit der Magen- und Darmwand. Für die Diagnose müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Refluxkrankheit: An dem Brennen hinter dem Brustbein ist ein Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre schuld. Dann Säurelocker wie Scharfes, Kaffee und Alkohol weglassen. Gegenmittel sind Säurehemmer. Wer länger unter Sodbrennen leidet, sollte zum Arzt. Erstmalige heftige Symptome können auch auf einen Herzinfarkt hinweisen – sofort den Notarzt holen!

Divertikulitis: Die Ausbuchtungen im Darm sind eine Alterserscheinung: Ab 70 hat jeder Zweite Divertikel. Eine Komplikation ist die Entzündung der Divertikel mit oft heftigem Schmerz, vor allem im linken Unterbauch, und Fieber. Bei diesen Symptomen sofort einen Arzt aufsuchen.


Milchunverträglichkeit: Möglicher Auslöser für Bauchweh

Fotex Medien Agentur GmbH/R. Zorin

Gastritis: Der "verdorbene Magen" nach zu viel Alkohol oder schlechtem Essen ist eine akute Entzündung der Magenschleimhaut. Häufiger, aber oft relativ symptomlos, ist die chronische Form (jeder Zweite ab 50). Auslöser ist meist ein Bakterium, zudem bestimmte Arzneien. Eine Magenspiegelung schafft Klarheit.

Unverträglichkeiten: Wer Milch- oder Fruchtzucker nicht verträgt, bekommt bald nach dem Essen Blähungen oder Durchfall. Nach der Diagnose hilft eine Ernährungsberaterin, die gerade noch verträgliche Dosis zu finden. Bei der seltenen Zöliakie führt das Klebereiweiß Gluten (in Weizen, Roggen, Gerste) zu Symptomen wie Durchfall und Blähbauch.

Gallenprobleme: Zu wenig Gallenflüssigkeit kann die Fettverdauung erschweren. Zudem hat jeder Sechste Gallensteine, aber nur bei jedem Vierten verstopfen sie den Gallengang und lösen Oberbauchbeschwerden bis hin zu Koliken aus. Dann wird meist die Gallenblase entfernt.

Darmentzündungen: Anfallsweises Bauchweh und eventuell blutige oder schleimige Durchfälle können auf eine Darmentzündung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) hinweisen. Die Diagnose erfolgt mittels Spiegelung. Meist ist eine lebenslange Therapie nötig.


Wie der Arzt Bauchschmerzen untersucht

  • Arzt-Patienten-Gespraech
    Jupiter Images GmbH/BrandX

    Anamnese

    Der Patient schildert seine Beschwerden, der Arzt fragt – auch nach einer familiären Vorbelastung.

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  • Untersuchung: Arzt tastet Bauch ab
    PhotoDisc/RYF

    Körperliche Untersuchung

    Anschauen, Abtasten, Beklopfen und Abhören des Bauchraums. Tut etwas weh? Ist die Leber vergrößert, sind die Darmgeräusche normal?

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  • Blutprobe
    Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

    Blutabnahme

    Je nach Verdacht werden Leberwerte, Pankreasenzyme, Entzündungsmarker und andere Werte bestimmt.

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  • Ultraschalluntersuchung
    Thinkstock/Hemera

    Ultraschall

    Der Arzt untersucht die Bauchorgane. Frauen sollten auch zum Gynäkologen gehen.

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  • Spirometrie
    Mauritius/

    Atemtest

    Bei Verdacht auf bestimmte Unverträglichkeiten – etwa eine Laktoseintoleranz – kann ein Atemtest sinnvoll sein.

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  • Endoskopie
    Your Photo Today/A1Pix

    Magen-/Darmspiegelung

    Eine Minikamera an einem Schlauch spürt krankhafte Veränderungen wie ein Magengeschwür oder Entzündungen der Darmwand auf.

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Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, Mauritius/, Jupiter Images GmbH/BrandX, Getty Images/Jasmin Awad / EyeEm, Your Photo Today/A1Pix, fotolia/Michael Heim, Thinkstock/Hemera, Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC, Fotex Medien Agentur GmbH/R. Zorin

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