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Das "Seniorendorf" von Meppen

Im Emsland entsteht eines der ersten „Seniorendörfer“ Deutschlands. Geplant sind 44 barrierefreie Bungalows plus Laden, Sozialstation und „Kümmerin“

Seniorenpark Heideweg

Baustelle im Grünen: Zwischen Wald und Kanal entsteht das Seniorendorf

Poch, poch, poch. Energisch schlägt Johannes Tenbusch einen weiteren Nagel in die noch blütenweiße Wand. Der Geruch frischer Farbe erfüllt den Raum, in dem der 74-Jährige seine „Lebens- und Leidenszeiten“ aufhängt, wie er augenzwinkernd erklärt: ein Hochzeitsfoto, Bilder seiner Frau und seiner sechs Söhne, eine Erinnerungsplakette an die Hauerprüfung als Bergmann und ein Wappen der Bundeswehr, für die er jahrzehntelang als Ingenieur gearbeitet hat.


Der Wandschmuck gehört zu den wenigen Dingen, die im neuen Heim der Tenbuschs schon ihren Platz haben. Denn das Ehepaar wohnt erst seit ein paar Tagen im „Seniorenwohnpark“ am Rand von Meppen. Und so wie bei den beiden noch manches Regal darauf wartet, mit dem Inhalt der herumstehenden Kisten gefüllt zu werden, wartet auch das Gelände am Heideweg noch auf weitere Bungalows und Bewohner, die die Siedlung beleben. Bagger und Kräne zeugen von regem Baugeschehen, einige Wege sind schon gepflastert, hier und da gedeiht hellgrüner Rasen. Wenn in zwei Jahren alles fertig ist, sollen hier 44 Häuser stehen, ein Laden, eine Sozialstation und eine Haltestelle für den Bus zur etwa 1500 Meter entfernten Innenstadt.


Seniorenpark Heideweg

Die ersten Häuser stehen schon im "Seniorenwohnpark"

Die Tenbuschs dürften dann mit anderen aus ihrer Generation unter sich sein: Mindestens um die 60 sollte sein, wer auf dem Terrain entlang des Dortmund-Ems-Kanals Quartier bezieht, so sieht es der private Bauträger vor.


Eine Siedlung nur für Senioren. Auch andere Gemeinden und Bauunternehmen im Bundesgebiet finden an der Idee Gefallen – meist dort, wo der Freizeitwert hoch und die Grundstückspreise eher niedrig sind. In Bargteheide bei Hamburg soll nahe der City ein „Seniorendorf“ mit rund 100 Wohnungen und Reihenhäusern entstehen, in Wilhelmshaven hat ein gemeinnütziger Bauverein begonnen, Wohnblocks in Senioren-Appartment-Häuser umzurüsten, im nordwestlichen Mecklenburg denken Investoren gar daran, eine kleine Stadt für 2000 Senioren aus dem Boden zu stampfen.


Von einem neuen Trend mag Dr. Manfred Fuhrich noch nicht sprechen. „Es sind aber wichtige Nischenangebote, die die Palette an Wohnformen für Ältere bereichern“, kommentiert der Referatsleiter Stadtentwicklung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Bonn. „Die Projekte beruhen darauf, dass die Bewohner ähnliche Grundbedürfnisse haben: zum Beispiel eine ruhige, sichere Nachbarschaft, gut erreichbare Läden oder barrierefreie Wege und Gebäude.“


Solche Pluspunkte haben auch bei Tenbuschs den Ausschlag gegeben, als sie per Annonce von dem Siedlungsprojekt erfuhren. „Wir hatten in der Nähe ein Reihenhaus, aber ich kann wegen meiner Arthrose keine Treppen mehr steigen“, erklärt Marie-Elisabeth Tenbusch.



Barbara Erbe / Senioren Ratgeber; 09.02.2010
W&B/Fritz Stockmeier

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