Ein Gespräch mit dem 80-jährigen Musiker
James Last im Tonstudio
Was tun Sie für Ihre Gesundheit, außer auf Kur, Pardon: auf Tour zu gehen?
Ich schwimme täglich in 16 Grad warmem Wasser, mache zweimal die Woche Kraftübungen mit einem Trainer und spiele Golf, mein Handicap liegt bei 18.
Sie haben Platten eingespielt mit der Musik von ABBA über Jazz, Operette bis Bach. Gibt es eine Musikrichtung, an der Ihr Herz besonders hängt?
Gibt es nicht, nein. Wo sollen denn die Grenzen verlaufen zwischen Jazz und Pop oder Klassik und guter Popmusik? Das verwischt doch immer mehr. Ich bin Musiker, ich spiele die Musik, die mir gefällt. Ob die nun von Ravel oder Justin Timberlake ist. Glücklicherweise gefällt das, was mir gefällt, auch sehr vielen anderen. Ich will mich nicht belügen und mir das Leben schwer machen, indem ich etwas spiele, was ich nicht mag.
Sie haben ja auch mal gesagt, es sei sehr wichtig, sich selbst treu zu bleiben …
Auf jeden Fall. Anfangs habe ich Lieder für andere Künstler arrangiert und geschrieben. Doch als mir dann eine lebenslange Anstellung beim NDR zugesagt wurde, bin ich noch am selben Tag zu meiner Plattenfirma gefahren und habe gefragt, ob ich nicht etwas unter eigenem Namen veröffentlichen könnte. Dabei kam dann „Nonstop Dancing“ heraus. Selbstbestimmt zu arbeiten, etwas für mich zu machen und nicht für andere Künstler – das war ein völlig anderes Lebensgefühl. Dabei ist es geblieben.
Haben Sie dieses Gut-drauf-Sein schon vom Elternhaus mitbekommen?
Ich glaube ja. Mein Vater war sehr positiv, der hat hart gearbeitet, aber auch immer Spaß gehabt. Der hat am Wochenende Musik gemacht für drei, vier Mark die ganze Nacht. Ist um vier nach Hause gekommen, um sechs zur Arbeit gegangen. Davon habe ich eine Portion mitgekriegt.
Als Ihre Frau nach 42 Ehejahren starb, konnte Ihnen Ihre positive Grundeinstellung auch darüber hinweghelfen?
Zunächst grübelt man. Ich hatte das Gefühl, dass wir zu wenig zusammen unternommen hatten, dass ich nicht genug Zeit hatte. Aber nach und nach fällt einem dann ein, was alles gewesen ist, was alles schön war. Und dass das doch sehr viel war. Das hat mir geholfen und hilft mir auch in meiner jetzigen Ehe. Ich gebe schon mal eher nach und sage: Dies und jenes muss nicht sein. Besinnen auf das Schöne, das ist wichtig.
Haben Sie sich mehr Anerkennung von den Kritikern gewünscht?
Ich bin nun mal James Last, ich kann nicht anders. Es hat alles einen Stil, eine Richtung gehabt, deswegen war es ein Erfolg. Warum hätte ich mich für eine Handvoll Kritiker ändern sollen, wenn Millionen Menschen die Platten kaufen? Ich mache das, was mir gefällt. Wir haben die legendäre Royal Albert Hall in London insgesamt 85-mal gefüllt, das ist Weltrekord. Wir waren die Ersten, die in der Oper von Sydney Pop gespielt haben. Da gibt es vieles, auf das ich mit Freude und Befriedigung zurückschauen kann.
Gibt es einen Titel, den Sie nicht mehr spielen und hören können?
„Biscaya“, meinen erfolgreichsten.
Was stört Sie so daran?
Der ist, glaube ich, 49-mal auf verschiedenen Platten erschienen. Deswegen habe ich mich schon mit der Plattenfirma angelegt. Ich finde, die Leute werden betrogen, wenn immer wieder dieselbe Kiste aufgemacht wird.
Sie tragen den Ehering im Ohr. Warum?
Ich habe früher Bass gespielt, da konnte ich keinen Ring am Finger tragen. Und später wollte ich mich nicht mehr umstellen.
Sie haben schon mit 14 Jahren angefangen, Musik zu studieren ...
Ja, an der Heeresmusikschule in Bückeburg. Alle nicht-militärischen Musikschulen waren damals geschlossen. Meine älteren Brüder sagten: Sieh zu, dass du nicht an die Front musst, studier Musik. Tatsächlich wurden die Jungs, die vor dem 1. April 1945 ihren 16. Geburtstag hatten, eingezogen. Dass mein Geburtstag erst am 17. April ist, hat mir vielleicht das Leben gerettet.
Thomas Röbke, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
30.04.2009
Ullstein Bild/Wallocha
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