Vom intensiven Miteinander profitieren beide Seiten: Omas und Enkelkinder. Und das mehr denn je
Der Fotograf muss heute kommen. Morgen ist Beate Sandrock wieder weg. Zu Hause im pfälzischen Frankenthal warten schließlich Haus und Garten. Und freitags spielt die 68-Jährige Tennis. „Ich bin gerne hier“, sagt die Oma von Johanna (6) und Leopold (4). „Sonst kriege ich ja von den Enkeln nichts mit. Aber auch als Rentnerin bin ich nicht immer abrufbereit.“
Drei, vier Mal im Jahr kommen Beate Sandrock und ihr Mann Gerhard für ein paar Tage nach München. Dann holen sie die Kleinen vom Kindergarten ab, gehen mit ihnen auf den Spielplatz oder in den Zoo.
Distanzierte Altvordere, die kaum die Kraft hatten, beim Lebenstempo der Enkel mitzuhalten, waren gestern. Heute nehmen viele junge Alte ihre Großelternrolle engagierter wahr als Generationen vor ihnen. Die mobilen Ruheständler verbringen viel Zeit mit den Enkeln, holen nach, was sie bei den eigenen Kinder mangels Zeit und Muße versäumt haben, und genießen den Luxus dieser Beziehung, ohne die ganze Last der Verantwortung zu tragen. Manche stehen immer noch voll im Beruf, wenn der ersehnte Nachwuchs sich ankündigt.
„Gerade in Bezug auf Frauenleben hat sich im 20. Jahrhundert viel verändert“, erklärt Psychologin Prof. Insa Fooken von der Uni Siegen. Aufgrund steigender Lebenserwartung ist die gemeinsame Lebenszeit der Ältesten und Jüngsten einer Familie zudem deutlich angestiegen, obwohl Frauen in Deutschland immer später Kinder bekommen: 1967 waren Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt 24, 2005 knapp 30 Jahre alt.
„Das Großelternbild ist immer noch traditionell geprägt“, weiß Soziologe François Höpflinger von der Uni Zürich, der den gesellschaftlichen Stellenwert der Großelternschaft erforscht. „Aber erhöhte Mobilität, bessere Gesundheitsverfassung und mehr soziale Kontakte ermöglichen neue, aktivere Verhaltensweisen.“ Natürlich gehen auch viele Großväter mit ihren Enkeln zum Rolling-Stones-Konzert oder auf den Bolzplatz. Dennoch bestimmen vor allem die Frauen das soziale Miteinander der Generationen.
Senioren Ratgeber; 24.09.2007, aktualisiert am 26.08.2009
Anzeige