Wann ist die Fahrtüchtigkeit in Gefahr?

Manche Krankheiten schränken die Fahrtüchtigkeit ein. Welche Pflichten Ärzte haben und wie ältere Menschen erkennen, ob sie noch fit am Steuer sind
von Silke Becker, aktualisiert am 27.06.2016

Senioren am Steuer? Sind Sie fit, steht dem nichts im Wege

iStock/laflor

Frau Dr. Hoffmann-Born: Bluthochdruck, Epilepsie, Demenz – viele Krankheiten können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Auch multiple Sklerose, Depressionen, Diabetes, Schlaganfall und andere neurologische Leiden zählen zu den kritischen Erkrankungen.

Das heißt aber nicht, dass bei jedem Betroffenen verkehrsrelevante Probleme auftreten.

Was bedeutet das konkret?

Eine chronische Erkrankung beeinträchtigt nicht automatisch die Fahrfitness. Das hängt vom Schweregrad, Verlauf und von einer guten medikamentösen Einstellung ab. Wichtig ist, dass Arzt und Patient dies im Blick behalten und die Leistungsfähigkeit in gewissen Abständen überprüfen, um Unfälle zu vermeiden.

Dr. Hannelore Hoffmann-Born, Verkehrsmedizinisches Competenz-Centrum, Frankfurt am Main

W&B/Privat

Muss der Arzt seinen Patienten darauf hinweisen?

Der Arzt hat die Pflicht, Patienten über dieses Risiko aufzuklären. Wenn nötig, sollte auch ein gemeinsames Gespräch mit den Angehörigen stattfinden. Der Arzt kann aber kein Fahrverbot erteilen, sondern nur an die Vernunft appellieren.

Auch besorgte Kinder wenden sich oft an den Arzt, um ein Fahrverbot für kranke Eltern zu erwirken ...

Der Arzt ist nicht die Fahrerlaubnisbehörde. Seine Aufgabe ist, aufzuklären und Patienten zu beraten. Ist im Ausnahmefall tatsächlich Gefahr im Verzug, kann der Arzt der Behörde Meldung machen.

Was halten Sie von routinemäßigen Gesundheitschecks für Autofahrer über 60?

Es fehlen Daten, die belegen, dass solche Checks Unfälle verhüten. Ich setze deshalb lieber auf Freiwilligkeit. Außerdem sollten Hausärzte in der verkehrsmedizinischen Bewertung ihrer Patienten besser geschult werden.

Bin ich noch fit fürs Steuer?

  • Wann ist es Zeit, die Autoschlüssel aus der Hand zu legen? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er noch fahren kann und will.
  • Einen ersten Anhaltspunkt bietet der anonyme Selbsttest des Deutschen Verkehrssicherheitsrates im Internet unter www.dvr.de/aktionen/aktion-schulterblick_selbsttest.htm
  • Beim Fahr-Fitness-Check, der um die 60 Euro kostet, begleitet ein Fahrlehrer den Senior 45 Minuten im eigenen Auto und gibt individuelle Tipps zur Verbesserung des eigenen Fahrverhaltens. Mehr Informationen beim ADAC oder beim Fahrlehrerverband.
  • Viele Fahrschulen, praktisch alle Automobilclubs sowie die Deutsche Verkehrswacht bieten Auffrischungskurse und Fahrsicherheitstrainings an, damit man brenzlige Situationen besser meistert. Oft gibt es sogar spezielle Angebote für Senioren – einfach mal nachfragen.

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