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Demenz: Sicheres Wohnen im vertrauten Umfeld

Wie Veränderungen in den eigenen vier Wänden die Orientierung für Demenz-Patienten erleichtern, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen


In einer vertrauten Umgebung fühlen sich Demenzkranke oft wohler

Das Familienfoto an der Wand. Da der alte Schaukelstuhl in der Ecke. Dort im Schlafzimmer der bunte Bettüberwurf aus der Aussteuer. „Solche Gegenstände stiften Identität. Sie erinnern einen daran, wer man ist“, erklärt Petra Bank.

Die Wohnberaterin vom Verein für Gemeinwesen und Sozialarbeit Kreuzviertel in Dortmund hat einen geschulten Blick für solche Erinnerungsstützen. Häufig besucht sie demenzkranke Menschen in deren Wohnung und weiß, wie wichtig solche Orientierungshilfen sind, wenn einen das Gedächtnis im Stich lässt.


Für rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland ist diese bittere Erfahrung Alltag. Zwei Drittel der Demenzkranken leben zu Hause. „Die eigenen vier Wände bieten ihnen Zuflucht in eine Welt, in der sie sich noch lange auskennen“, erklärt die Wohnberaterin. Aber in Küche, Bad oder Flur lauern auch Gefahren.

Was passiert, wenn der zunehmend Verwirrte die Herdplatten nicht ausschaltet, sich am Wasserkessel verbrüht oder vor seinem Spiegelbild erschrickt? „Manchmal sind Veränderungen in der Wohnung wichtig, damit sich der Kranke und seine Mitbewohner wieder sicher und wohlfühlen“, sagt Bank.

Beim Umgestalten der Wohnung aber müssen die Angehörigen sensibel abwägen. „Manchmal verwirrt das Entfernen eines rutschigen Teppichs einen demenzkranken Menschen mehr, als dass die Maßnahme ihm hilft“, erklärt die Wohnexpertin. Andere Alzheimer-Patienten akzeptieren problemlos ein vollständig umgebautes Bad.

Das zeigt: Jede Veränderung im häuslichen Umfeld gilt es individuell anzugehen. „Je besser man sich in die Gedankenwelt seines Angehörigen einfühlt, umso besser lassen sich Veränderungen auf ihn abstimmen“, ist Petra Bank überzeugt.


Wohnen mit Demenzkranken

  • Flur für Demenzkranke

    Eingang und Flur

    Damit Ihr Angehöriger nicht unbemerkt das Haus verlässt: Lenken Sie das Interesse von der Haustür auf interessantere Wohnungsbereiche. Ein dunkler Türbereich oder ein Vorhang können als „Weglaufsperre“ dienen. (Aber Vorsicht: Wohnungen „ohne Wohnungstür“ können Demenzkranke in Panik bringen.) Sensormatten vor der Eingangstür oder ein Klangspiel im Türrahmen „melden“, wenn der Erkrankte die Wohnung verlässt.

    Farbige Symbole an Türen, das Offenlassen oder Aushängen der Türen können bei der Orientierung helfen. Markieren Sie Glastüren.

    Bringen Sie farbige Symbole an den Türen im Flur an, lassen Sie diese offen, oder hängen Sie sie aus. Glastüren gut sichtbar markieren.

    Leuchten Sie dunkle Ecken gut aus. Die Lampen sollten weder blenden noch Schatten werfen, das kann schnell Panik auslösen.

    Bringen Sie im Flur Nachtlichter an. Sind Bewegungsmelder mit Licht gekoppelt, programmieren Sie sie so, dass der nächtliche „Wanderer“ nicht plötzlich allein im Dunkeln steht.

    Wenn sich der Demenzkranke vor Spiegeln fürchtet: Entfernen Sie sie, oder legen Sie ein Tuch darüber.

    Eine Treppe sollte beidläufig ein Geländer besitzen. Dichten Sie bei offenen Stufen die Zwischenräume mit Pappe oder Stoff ab.

    Eine helle, freundliche Wandfarbe beruhigt. Die Wand sollte nicht gemustert sein. Ein reflektierender Fußbodenbelag verwirrt schnell.

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  • Küche für Demenzkranke

    Küche

    Reduzieren Sie die Ausstattung auf das Nötigste. Gebrauchsgegenstände sollten gut sichtbar und erreichbar sein, zum Beispiel hinter Glastüren oder in Schränken ohne Türen.

    Bewahren Sie scharfe Geräte oder gefährliche Substanzen (Putzmittel, Medikamente) außer Reichweite auf.

    Wer mit modernen Ceran- oder Induktionsfeldern oder Gasherden nicht zurechtkommt, braucht vielleicht wieder die guten alten Kochplatten. Für Elektroherde können Herdsicherungen sinnvoll sein. Für Gasherde gibt es sie nicht, zur Not Zufuhr abschalten und den Herd durch Kochplatten ersetzen.

    Alzheimer-Patienten ist der Umgang mit einem Wasserkessel oft vertrauter als das Hantieren mit einem modernen Wasserkocher. Vorsicht: Hier besteht die Gefahr, sich zu verbrühen. Ein Wasserkocher sollte kabellos sein.

    Wägen Sie ab, ob ein Rauchmelder sinnvoll ist. Aber Vorsicht: Es besteht Gefahr, dass der Demenzkranke bei Fehlalarm schnell in Panik gerät.

    Elektrogeräte sollten eine Abschaltautomatik, die Spülmaschine einen Aqua-Stopp besitzen.

    Viele Demenzkranke genießen einen gemütlichen Sitzplatz, der es ihnen ermöglicht, bei der Küchenarbeit mitzuhelfen oder „einfach nur dabei zu sein“.

    „Antike“ Küchenmöbel wie eine alte Eckbank erinnern an früher.

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  • Bad und Toilette für Demenzkranke

    Badezimmer

    Findet Ihr Mitbewohner das „Örtchen“ nicht mehr? Erleichtern Sie ihm die Orientierung, und kennzeichnen Sie die Tür mit ihm vertrauten Zeichen oder Schriften (zum Beispiel Sütterlin-Schrift). Den individuellen Sprachgebrauch des Kranken berücksichtigen.

    Auch im Bad gilt: Falls sich der Demenzkranke vor seinem Spiegelbild erschrickt, ein Tuch über den Spiegel legen oder diesen ganz entfernen.

    Die Badezimmertür sollte nach außen aufgehen und sich im Notfall auch von außen öffnen lassen, oder Sie entfernen den Schlüssel ganz.

    Mit einem Stand-WC kommen Demenzkranke im Vergleich zu einer hängenden Toilette erfahrungsgemäß besser zurecht. Weiß der Kranke nicht mehr mit der Toilettenspülung umzugehen, stellen Sie neben das WC einen Eimer mit Wasser, oder bringen Sie zum Abziehen eine Zugkordel an. Ist der Demenzkranke nicht mehr gut auf den Beinen, ist eine Sitzerhöhung für die Toilette hilfreich.

    Im Fachhandel erhalten Sie spezielle Vorrichtungen, damit das Wasser nicht zu heiß wird und sich der Kranke nicht am Wasser oder an erhitzten Armaturen verbrüht.

    Füllstandsmelder für die Badewanne und Nässesensoren geben Alarm, wenn im Bad Überschwemmungen drohen.

    Sorgen Sie für rutschfeste Beläge und farbige Haltegriffe.

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  • Wohnzimmer für Demenzkranke

    Wohnzimmer

    Lassen Sie die Möbel und Gegenstände in der gewohnten Weise stehen.

    Probieren Sie trotzdem einmal aus, ob es Ihrem Angehörigen gefällt, wenn sein Lieblingssessel vor dem Fenster steht und er nach „draußen“ schauen kann.

    Geht ein vertrautes technisches Gerät kaputt, lassen Sie es reparieren oder durch ein ähnliches Modell ersetzen. Andere Möglichkeit: alte Geräte (zum Beispiel ein Röhrenradio) und Möbel aufstellen, die Ihrem Schützling aus früheren Zeiten vertraut sind.

    Verwirren Fernsehbilder oder die Geräusche aus dem Radio den Bewohner, sollten Sie die Geräte aus dem Wohnzimmer verbannen.

    Beseitigen Sie Stolperfallen wie Teppiche oder Kabel, und sorgen Sie für rutschfeste Unterlagen.

    Hält sich Ihr Angehöriger viel im Wohnzimmer auf, schaffen Sie dort „Beschäftigungsecken“, in denen er vertrauten Tätigkeiten nachgehen kann. Den Ort gut ausleuchten.

    Richten Sie „Erinnerungsecken“ ein, wo Ihr Angehöriger zum Beispiel ein altes Fotoalbum vorfindet, sein Teddybär aus Kindheitstagen sitzt oder seine Lieblingstasse steht.

    Spezialgeräte wie ein Telefon mit großen Tasten oder ein Fototastentelefon anschaffen.

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  • Schlafzimmer für Demenzkranke

    Schlafzimmer

    Beziehen Sie die Betten mit schwer entflammbarer Bettwäsche. Heizdecken wegen der Brandgefahr besser entfernen.

    Stellen Sie die Liegestatt so auf, dass sie von beiden Seiten zugänglich ist.

    Der Kranke sollte auch im Liegen gut an den Lichtschalter kommen.

    Falls der Kranke nachts die Toilette nicht findet: Stellen Sie gut sichtbar einen Nachtstuhl oder Nachttopf direkt neben seinem Bett auf.

    Installieren Sie Nachtlichter und Bewegungsmelder.

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Raphaela Birkelbach und Elke Schurr / Senioren Ratgeber; 16.02.2012, aktualisiert am 16.03.2012
Bildnachweis: plainpicture/Bobo Olsson, plainpicture/Etsa, plainpicture/Georg Lenz, plainpicture/Ingo Kukatz, plainpicture/Johner, Mauritius Images/Alamy

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