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Pflege (1):
Die neuen Chancen

Welche Angebote es für Patienten mit Demenz und ihre Angehörigen gibt. Was die Pflegereform bringt

Pflegefall: Seniorin in Pflege - die pflegebedürftige Frau muss gefüttert werden

Immer da sein für Pflegebedürftige – keine leichte Aufgabe

"Ja, den Schnee-, Schnee-, Schneewalzer tanzen wir", schreibt Christel L. mit dickem Filzer links oben auf die blaue Zeichenpappe vor ihr. "Du mit mir, ich mit dir", setzt sie den Refrain in der rechten unteren Ecke fort. Ihr Mann Hans (Name von der Redaktion geändert) schneidet derweil fein säuberlich Bilder und bunte Anzeigen aus einem Stapel abgegriffener Magazine und schiebt sie seiner Frau zur Rechten zu. Christel L. klebt die Schnipsel zwischen die Zeilen des Walzers. Schließlich hält sie das fertige Werk hoch.  

Es zeigt winterliche Motive. Auf einem Foto ragen zwei Paar Ski aus dem Schnee. "Weißt du noch, wie ich beim Langlaufen hingefallen bin und du mir aufhelfen wolltest?“, fragt Christel L.. Mehr als zehn Jahre ist das her. Hans L. weiß es und amüsiert sich: "Da lag ich dann mit dir im Schnee." Daran, dass die beiden erst gestern den "Schneewalzer" in einer Gaststätte gehört haben, erinnert er sich nicht mehr.

 


Das Ehepaar zehrt viel von der Vergangenheit, seitdem vor vier Jahren bei Hans L. die Diagnose Alzheimer gestellt wurde. An diesem Morgen sitzen die beiden mit drei anderen Paaren im Werkraum des Alzheimer-Therapiezentrums im bayerischen Bad Aibling. Die Collage aus Texten und Bildern ist als Gemeinschaftsarbeit gedacht. "Suchen Sie sich ein Thema, das Ihnen beiden gefällt. Erzählen Sie eine Geschichte", lautete der Auftrag von Kunsttherapeutin Micheline Zébière. "So etwas verbindet."

Zébière nutzt die Stunde für kleine Beobachtungen. Wie gehen die Paare miteinander um? Wo gibt es Spannungen? Denn das, was beim Arzt und in Ratgeberbüchern oft nur am Rande Thema ist, steht in Bad Aibling im Mittelpunkt: die Beziehung zwischen Alzheimer-Patienten und ihren pflegenden Angehörigen. "Man kann Demenzkranke gar nicht ohne ihre Familie denken", sagt Dr. Barbara Romero, wissenschaftliche Leiterin des Zentrums. "Die Partner sind Krankenschwester, Manager und Animateur. Sie tragen einen Großteil der Krankheit", erklärt die Psychologin, "und den Hauptteil der Betreuung."

Romero weiß nur zu gut, dass sich viele an dieser Aufgabe aufreiben. Bei etlichen Angehörigen stellen die Ärzte in Bad Aibling eine verkannte Depression fest. "Wir müssen beide hocharbeiten, Patienten und Angehörige."



Kai Klindt, Senioren Ratgeber / GesundheitPro; 25.08.2008, aktualisiert am 25.08.2008
Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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