„In ihrer anfänglichen Euphorie übertreiben es viele“, bestätigt Sporttherapeut Kinkel
Wer trotz Schmerzen in die Pedale tritt, fördert eher den Knorpelabrieb und seine Folgen. Wer unter Arthrose leidet, sollte seinen Bewegungsapparat mobilisieren, ohne ihn zu sehr zu belasten. Abrupte Gelenkbewegungen wie beim Tennis oder Bergwandern sind deswegen für Adelheid Maul tabu. Aber auch bei schonenderen Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken kann sich die Patientin rasch überfordern: „Sie muss genau auf ihre persönliche Belastungsgrenze achten“, rät Kinkel.
So wie Ursula Rühl aus Müllheim, für die heute „medizinische Trainingstherapie“ auf dem Programm steht. Die 59-Jährige bewegt sich auf Laufband, Ergometer und „Hüftstrecker“ genau nach Plan. Der Sporttherapeut hat auf einem Behandlungsplan exakt notiert, welches Tempo für Ursula Rühl richtig ist. „Arthrosekranke schonen meist ihre Gelenke, dadurch verkümmert die gelenkumgebende Muskulatur“, erklärt Kinkel. Derart geschwächt, bietet sie dem Gelenk weniger Halt, der Verschleiß schreitet fort. Ursula Rühl weiß, was das bedeutet: „Viele Schmerzmittel, aber ich will das nicht mehr.“
Knirscht es in den Gelenken, spielt die Psyche erwiesenermaßen eine große Rolle: Ob Muskelverspannungen bei Stress oder Schonhaltungen aus Angst – körperliches und seelisches Befinden hängen eng zusammen. „Das gilt vor allem für das Erlernen und Verarbeiten von Schmerz“, erläutert Prof. Grifka aus Regensburg. Er weiß: Viele Patienten drücken ihre Pein gern mit Medikamenten weg, „deshalb ist es wichtig, dass sie mit anderen Behandlungswegen wie etwa Bewegung oder Entspannung gute Erfahrungen machen. So bleiben sie der Therapie treu.“
Das Team in Bad Krozingen weiß um diesen Schlüssel zum Erfolg – ebenso um die Hemmschwellen ihrer Patienten. „Viele haben Angst vor Veränderungen“, gibt Daniel Wilk zu bedenken. Ob Bandscheibenprobleme oder Kniearthrose, Heilung gelingt für den Psychologen nur dann gut, wenn ein Mensch sich wohlfühlt: „Krankheiten spiegeln sich in der Seele.“ Das ist einleuchtend, findet Adelheid Maul zwar, aber oft schwer im Alltag umzusetzen. Wie soll sie fröhlich und stabil bleiben, wenn alle etwas von ihr wollen? „Ich musste als Krankenschwester immer schwer arbeiten. Und meine Tochter habe ich alleine großgezogen. Das war alles kein Kinderspiel!“
www.senioren-ratgeber.de;
15.10.2007, aktualisiert am 09.04.2010
W&B/ Bostelmann
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