Ein Rollstuhl ist heutzutage viel mehr als nur ein Stuhl mit vier Rädern. Es gibt inzwischen viele unterschiedliche Modelle. Je nach Krankheitsbild und Bedarf können moderne Rollstühle zentimetergenau auf ihre Benutzer angepasst werden. „In den letzten 30 Jahren hat die Rollstuhltechnik enorme Fortschritte gemacht“, bestätigt Joachim Mohr, Reha-Berater und Inhaber einer Rollstuhlwerkstatt in Taufkirchen bei München. Moderne Rollstühle haben dank innovativer Materialien wesentlich weniger Gewicht, sie bieten viel mehr Komfort dank zahlreicher Verstellmöglichkeiten und verfügen über ein deutlich besseres Fahrverhalten.
Für die Wahl des optimalen Rollstuhls ist eine eingehende Beratung das A und O. Am Anfang steht dabei immer die Frage: Welche Behinderung hat der Mensch? Und: Wofür möchte er oder sie den Rollstuhl nutzen? „Wenn der Nutzer selbstständig fahren kann und viel unterwegs ist, ist zum Beispiel ein Adaptiv- oder Aktivrollstuhl das Gerät der Wahl“, sagt Mohr.
Es gibt aber auch spezielle Pflegerollstühle und natürlich eine große Auswahl an Elektrorollstühlen. Wichtig bei sämtlichen Modellen ist, dass der Benutzer ohne Beschwerden längere Zeit darin sitzen kann. Darum ist das Anpassen eines Rollstuhls vergleichbar mit dem Anpassen eines Maßanzuges – beides wird dem künftigen Besitzer auf den Leib geschneidert. Ob Sitzbreite oder Sitztiefe, die Höhe von Rückenlehne und Fußstützen oder die Winkelung der Beine in dem Stuhl – alles muss stimmen, um einen möglichst hohen Sitz- und Fahrkomfort und damit eine möglichst große Lebensqualität zu erreichen.
Ein Überblick über die verschiedenen Rollstuhl-Typen:
Faltrollstuhl
Die sogenannten Faltfahrer haben einen faltbaren Rahmen und sind daher platzsparend transportierbar. Die flexible Verstrebung des Rahmens bietet Dämpfung bei Bodenunebenheiten, allerdings wird mehr Kraft zum Fahren benötigt als bei Rollstühlen mit starrem Rahmen.
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Starrrahmenstuhl
Diese Rollstühle haben einen starren Rahmen und meist eine starre, ungeteilte Fußraste. Zum Transport lassen sich in der Regel die Rückenlehne umklappen und die Antriebsräder über Steckachsen abnehmen. Der Vorteil eines Starrrahmenrollstuhls im Vergleich zum Faltrollstuhl ist sein geringeres Gewicht und die optimale Kraftübertragung beim Fahren.
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Standardrollstuhl
Ein Standardrollstuhl, auch geriatrischer Rollstuhl genannt, verfügt meist nur über die nötigsten Rahmen- und Ausstattungsmerkmale zur Grundversorgung bei nicht dauerhafter Benutzung. „Der Standardrollstuhl kann nicht individuell auf seinen Benutzer angepasst werden, meist lässt sich nur die Sitzbreite variieren“, sagt Reha-Berater Mohr. Diese Rollstuhlart wird oft in Krankenhäusern, Reha- oder Pflegeeinrichtungen verwendet. Das eigenständige Fortbewegen ist sehr kraftraubend oder gar nicht möglich – der Rollstuhl-Benutzer muss geschoben werden. Mit einem Gewicht von 18 bis 25 Kilo sind Standardrollstühle zudem sehr schwer, die Kosten von 500 bis 600 Euro eher gering.
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Standard-Leichtgewichtrollstuhl
Der Standard-Leichtgewichtsrollstuhl unterscheidet sich vom Standardrollstuhl in erster Linie durch sein geringeres Gewicht (13 bis 18 Kilo). Außerdem kann diese Rollstuhlart besser an den Benutzer angepasst werden, etwa die Sitztiefe und Rückenhöhe betreffend. Ein eigenständiges Fortbewegen ist zwar möglich, da der Rollstuhl leichter rollt, es ist aber dennoch kraftraubend. Standard-Leichtgewichtsrollstühle sind daher zwar für die Mobilität in der Wohnung, jedoch nicht zum selbständigen Überwinden längerer Strecken geeignet. Kosten: 800 bis 1000 Euro.
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Pflege- oder Multifunktionsrollstuhl
Pflege- oder Multifunktionsrollstühle bieten einen hohen Sitzkomfort und viele Verstellmöglichkeiten bis hin zur Liegeposition. „Sie sind eigens für die Pflege von schwerstmehrfachbehinderten Patienten konzipiert oder kommen bei Patienten zum Einsatz, die geistig nicht oder nicht mehr in der Lage sind, einen Elektrorollstuhl zu bedienen“, berichtet Rollstuhl-Experte Mohr. Eigenständiges Fahren ist nur schwer möglich, das Gewicht ist bedingt durch die zahlreichen Einstellmöglichkeiten relativ hoch. Kosten: 2000 bis 4000 Euro.
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Adaptiv- oder Aktivrollstuhl
Adaptiv- oder Aktivrollstühle (Greifrollstühle) eignen sich für aktive Menschen, die genug Kraft im Oberkörper haben, um selbstständig mit dem Rollstuhl zu fahren. Durch die leichten Materialien aus Kohlenfaserstoff, Alu-Legierungen, Titan oder Carbon und die hochwertigen Gelenke und Lager verfügen Aktivrollstühle über einen geringen Rollwiderstand für einen leichten Antrieb. Das Angebot ist vielfältig, die Rollstühle können auf den einzelnen Benutzer individuell zugeschnitten werden. Faktoren wie Körpergröße, Sitzbreite und Sitztiefe, Unterschenkellänge oder Rückenhöhe können zentimetergenau berücksichtigt werden. Zudem gibt es eine große Auswahl an Seitenteilen (Armlehnen, Kleiderschutz), Fußstützen und Zubehör. Gewicht: unter 10 Kilo. Kosten: ab 2000 Euro.
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Elektrorollstuhl
Elektrisch angetriebene Rollstühle werden von Menschen genutzt, deren Kraft oder Beweglichkeit von Armen und Händen nicht ausreicht, um sich selbst anzuschieben. Der Elektromotor wird über einen aufladbaren Akku mit Energie versorgt, Richtung und Geschwindigkeit kann der Benutzer meist mit einem Joystick steuern. „Es gibt Elektrorollstühle mit unterschiedlichen Schwerpunkten, je nachdem, ob sie hauptsächlich in geschlossenen Räumen oder außen genutzt werden“, erklärt Mohr. Außen-Rollstühle sind für längere Strecken gemacht, eine Akkuladung reicht für 35 bis 40 Kilometer. Durch die größeren Räder ist auch unebener Boden befahrbar. Innen-Rollstühle sind kleiner und wendiger, ihr Akku hat eine geringere Reichweite von etwa 15 Kilometer.
Je nach Modell verfügen E-Rollis über verschiedene Verstellmöglichkeiten. Teilweise sind sie sogar höhenverstellbar, so dass der Benutzer zum Beispiel bequem an unterschiedlich hohen Tischen sitzen kann. Für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik in Armen und Händen (zum Beispiel Spastiker) kann der Joystick so eingestellt werden, dass er nur auf deutliche Impulse reagiert. Gewicht: ab 100 Kilo. Kosten: ab 5000 Euro bis 30 000 Euro.
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Elektro-Zusatzantriebe
Für Greifrollstühle gibt es sowohl elektrische Zusatzantriebe, die den Rollstuhlfahrer bei der Fortbewegung unterstützen, als auch elektrische Schiebehilfen. Diese Zusatzantriebe sind ideal für Menschen, denen die Kraft zum Zurücklegen weiter Strecken fehlt, die aber die Vorteile eines Adaptivrollstuhls nutzen möchten (geringeres Gewicht, besser transportierbar).
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Elektromobile oder Elektroscooter
Elektromobile sind keine Rollstühle im engeren Sinne. Sie sind ein Fortbewegungsmittel allein für den Außenbereich, Lenkung und Vorderbar sind meist mittig vor dem Fahrer angebracht. „Elektroscooter sind für Menschen konzipiert, die oft noch gehen können, aber keine weiten Strecken mehr zu Fuß zurücklegen können, etwa für Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche“, berichtet Mohr. Elektromobile sind schneller als Elektrorollstühle und verfügen über größere Reichweiten bis zu 60 Kilometer. Kosten: 2000 bis 7000 Euro
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Sportrollstuhl
Sportrollstühle sind spezielle Umbauten, meist auf Basis eines Adaptiv- bzw. Aktivrollstuhls. Sie sind leichter, wendiger und schneller und verfügen je nach Sportart über Schutz- oder Rammbügel. Die Kosten für Sportrollstühle werden von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
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Simone Herzner / www.senioren-ratgeber.de;
19.10.2011, aktualisiert am 02.11.2011
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF
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