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Bluthochdruck senken: Gute Werte für alle

Wer sich um seinen Blutdruck kümmert, lebt nicht nur gesünder, sondern auch besser. Medikamente und Eigeninitiative helfen, den Blutdruck zu senken


Das individuell passende Maß an Bewegung – wichtig bei Bluthochdruck

Karin Högerl weiß, was Patienten beeindruckt. Sie holt eine Folie hervor,
auf der viele rote Balken ins Auge springen. Achtfach erhöht ist das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wenn man einen zu hohen Blutdruck nicht angeht, zeigen die statistischen Reihen. Sechsmal so groß ist die Gefahr eines Nierenversagens, dreimal so hoch das Risiko eines Herzinfarkts. „Da kann einem schon angst und bange werden“, sagt Högerl.

Die Sozialpädagogin entwickelt am Nürnberger Institut für Präventive Medizin zusammen mit Ärzten der Universitätsklinik Erlangen Schulungsprogramme für Patienten mit Bluthochdruck. Der Hinweis auf die Folgen zu hoher Werte steht in der ersten Stunde auf dem Lehrplan. Dabei ist die Sozialarbeiterin kein Freund von Panikmache. „Vom Psychologischen her ist das ungünstig. Es kann auch abschrecken.“ Viel lieber würde Högerl, die auch die Selbsthilfegruppe Hypertonie in Nürnberg begleitet, mit den Vorteilen eines gut eingestellten Blutdrucks unter 140/90 mmHg werben: dass sich die geistige Fitness und das Gedächtnis bessern. Dass man körperlich mehr Power hat, weil das Herz entlastet wird. Doch solche Wirkungen stellen sich erst auf lange Sicht ein, oft Monate nach Beginn der Therapie. „Damit“, sagt Högerl, „kann ich kaum locken.“


Bluthochdruck bleibt häufig unerkannt

Volksleiden Bluthochdruck: Jeder zweite Senior hat zu hohe Werte. Mit der Versorgung ist Heribert Schunkert, Professor am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, alles andere als zufrieden. „Es gilt die alte Faustregel: Nur jeder zweite Betroffene weiß von seinem Bluthochdruck, und von denen wird wiederum nur jeder Zweite behandelt.“

Dabei stehen die Erfolgsaussichten besser als bei jeder anderen großen Erkrankung des Alters wie Arthrose, Diabetes oder Herzschwäche. Gute Werte für alle: Das geht, weil Arzt und Patienten eine Fülle von Maßnahmen zur Verfügung steht. Es gibt nicht nur den einen Weg zu einem guten Blutdruck. „Es gilt, für jeden eine individuelle Strategie zu finden“, sagt Dr. Heinz Jarmatz, Hausarzt aus Lüneburg.

Blutdruck senken: Eigeninitiative gefragt

Den Tag mit einer kleinen Meditation beginnen, in der Walking-Gruppe mitmachen, den Salzstreuer vom Tisch verbannen – all das senkt den Blutdruck. „Ja, ich weiß, ich muss Diät machen“, mit solchen Worten kommen viele Patienten in die Sprechstunde. „Dann sind die Leute blockiert“, sagt Jarmatz. Der Arzt fragt dann gern zurück: „Was stellen Sie sich vor, was könnten Sie schaffen?“ „Mir ist wichtig, dass der Patient selbst Vorschläge macht. Sonst ist er schnell frustriert.“

Dabei sollte man sich kleine Etappenziele stecken. Ein Kilo abnehmen pro Monat ist ein schöner Erfolg – schließlich hat man seine Pfunde meist ein halbes Leben lang aufgebaut. Vier Kilo weniger drücken den oberen Blutdruckwert bereits um etwa sechs mmHg, zeigt eine österreichische Erhebung. Kombiniert mit anderen Korrekturen am Lebensstil erreicht man so oft die Wirkung einer Blutdrucktablette. Auch von Sport will Jarmatz gar nicht reden. „Dreimal pro Woche flottes Spazierengehen, so, dass der Puls auf 100 bis 110 klettert, das ist bereits prima für ältere Bluthochdruckpatienten.“

Viele Medikamente helfen bei Bluthochdruck

Ganz ohne Tabletten geht es aber meist nicht. Rund 60 blutdrucksenkende Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen, „und wir sind für jeden einzelnen dankbar, weil er uns mehr Flexibilität gibt“, erklärt Blutdruckforscher Schunkert. Die Medikamente sind in der Regel gut verträglich: Bei einer neueren Studie gaben Teilnehmer, die ein Scheinmedikament bekommen hatten, mehr Nebenwirkungen an als Patienten, die den echten Blutdrucksenker eingenommen hatten.

Dennoch ist die Einstellung auf Blutdruckmedikamente eine zeitraubende Angelegenheit und für den Patienten oft nicht einfach. „Zwei bis drei Monate muss man schon rechnen“, meint Gerd Ehmen, Apotheker im schleswig-holsteinischen St. Michaelisdonn. In den ersten Wochen fühlt sich der Betroffene oft matt, weil der Organismus an einen höheren Blutdruck gewöhnt ist, manchmal sogar niedergeschlagen, beobachtet Ehmen. Man solle daher immer wieder das Gespräch mit dem Apotheker suchen. Wie viele seiner Kollegen bietet Ehmen den Kunden einen Extra-Beratungstermin zum Umgang mit Blutdruckmedikamenten an. „Das trägt auch dazu bei, dass die Leute nicht nachlässig werden.“

Blutdrucksenker werden oft falsch eingenommen

Denn das große Manko der Arzneitherapie ist: Viele Patienten tun sich schwer, Blutdrucksenker richtig einzunehmen – und dauerhaft. Studien weisen darauf hin, dass nach einigen Jahren Therapie nur noch eine Minderheit bei der Stange bleibt. „Manche setzen die Tabletten ab, sobald sie gute Werte haben“, weiß Ehmen. Doch in der Regel müssen die Medikamente weiterhin eingenommen werden. Auch der Zeitpunkt ist wichtig. Meist sollte man Blutdrucksenker morgens nach dem Aufstehen schlucken – vor dem Frühstück und vor dem Duschen, weil solche Aktivitäten rasch zu Blutdruckspitzen führen. In einigen Fällen aber kann es sinnvoll sein, die Tabletten abends einzunehmen.

Dr. Christian Albus sieht bei seinen ärztlichen Kollegen großen Nachholbedarf. „Die Kommunikation mit dem Patienten ist oft unglücklich“, sagt der Psychosomatiker vom Universitätsklinikum Köln. „Wenn der Arzt fragt: Haben Sie auch Ihre Tabletten genommen?, dann kann der Patient praktisch nur mit Ja antworten, weil er sich in die Enge getrieben fühlt. So kommt kein vernünftiges Gespräch in Gang.“ Ganz anders bei der Frage: Wie kommen Sie mit Ihren Medikamenten zurecht? „Das“, meint Albus, „ist ein echtes Angebot zum Dialog.“

Für den Patienten sei es hilfreich, Dosierhilfen zu verwenden. „Sie erleichtern die Einnahme, und man hat eine Kontrolle, ob die Tabletten schon eingenommen wurden.“ Albus rät, sich als Herrn des Geschehens zu betrachten: „Machen Sie sich klar: Sie sind derjenige, der die Arzneitherapie für seine Gesundheit nutzt – nicht der Arzt oder Apotheker.“

Blutdruck richtig messen

Studien belegen: Patienten, die sich mit ihrer Krankheit beschäftigen, haben gesündere Werte. Das beste Mittel dazu ist die Selbstmessung des Blutdrucks. Wer seine Werte checkt, bekommt eine genaue Rückmeldung über den Erfolg der Behandlung und hat eine gute Basis für das nächste Gespräch mit dem Arzt.

Karin Högerl setzt in ihrem Schulungsprogramm für das Thema drei Stunden an. Denn bei der Blutdruckmessung lauern viele Fehlerquellen:

  • Keine Ruhephase. Vor der Messung sollte man drei bis fünf Minuten entspannt auf einem Stuhl sitzen.
  • Messarm zu hoch oder zu niedrig gehalten. Das Messgerät bzw. die Manschette muss sich in Herzhöhe befinden.
  • Falsches Gerät. Modelle für das Handgelenk sind populär, aber für ältere Patienten oft ungeeignet. Genauer messen Geräte mit Oberarmmanschette.

Zielwerte bei älteren Menschen flexibler angehen

Am besten erlernt man die korrekte Messung bei einer Schulung oder lässt sie sich in der Apotheke zeigen. Der Zielwert von unter 140/90 mmHg – bei Selbstmessung unter 135/85 mmHg – gilt für jedes Alter. „Auch über 80-Jährige profitieren ganz klar von einem guten Blutdruck“, betont Heribert Schunkert. Allerdings müssen betagte Patienten bei der Therapie behutsam vorgehen, weil der Kreislauf empfindlicher reagiert als in jungen Jahren, räumt der Professor ein. „Es darf nicht sein, dass dem Patienten schwarz vor Augen wird.“ So kann in manchen Fällen ein Zielwert von 150/90 ein sinnvoller Kompromiss sein. Hauptsache, man kümmert sich um seinen Blutdruck.

So wirken Blutdrucksenker


Betablocker

Sie blockieren die Andockstellen von Stresshormonen wie Adrenalin. Dadurch senken Betablocker den Blutdruck – vor allem am Herzen.


Sartane

Diese Medikamente (auch AT1-Antagonisten genannt) blockieren die Andockstelle für ein gefäßverengendes Hormon. Das entspannt die Arterien.


ACE-Hemmer

Die Wirkstoffe dieser Klasse stoppen die Bildung eines gefäßverengenden Hormons. Dadurch bleiben die Adern weit, der Blutdruck niedrig.


Kalzium-Antagonisten

Sie bremsen den Zustrom von Kalzium in die Muskelzellen der Arterien. Das weitet die Blutgefäße.


Diuretika

Die „Wassertabletten“ schwemmen Wasser und Salze aus. Die Natriumkonzentration in der Gefäßwand sinkt, und das bewirkt eine Blutdrucksenkung.


Checkliste: Wie gut kümmern Sie sich um Ihren Blutdruck?

  • Haben Sie in den vergangenen sechs Monaten Ihren Blutdruck gemessen oder beim Arzt oder Apotheker messen lassen?
  • Wissen Sie, ob Ihre Eltern hohen Blutdruck hatten bzw. haben?
  • Falls Sie Blutdruckmittel einnehmen: Kennen Sie deren Namen?
  • Kochen Sie meist selbst, gehen Sie dabei sparsam mit Salz um, und weichen Sie nur im Ausnahmefall auf Fertigkost aus?
  • Leben Sie in einer harmonischen Partnerschaft, und pflegen Sie gute Kontakte zu Familie und Freunden?
  • Verzichten Sie auf das Rauchen, und trinken Sie keinen oder nur wenig Alkohol?
  • Kommen Sie mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten ordentlich in Bewegung – etwa durch Radfahren oder zügiges Gehen?
  • Liegt Ihr Bauchumfang unter 102 Zentimetern (bei Männern) bzw. 88 Zentimetern (bei Frauen)?

Je öfter Ihre Antwort Ja lautet, desto besser. Bluthochdruck ist eine Erkrankung, die Sie sehr gut selbst beeinflussen können. Die Checkliste wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Präventive Medizin an der Universität Erlangen-Nürnberg erstellt.




Bildnachweis: Imago stock & people GmbH/Imagebroker, W&B/Jörg Neisel

Kai Klindt / Senioren Ratgeber; erstellt am 03.12.2012
Bildnachweis: Imago stock & people GmbH/Imagebroker, W&B/Jörg Neisel

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