Wie Stoma-Patienten den Alltag meistern können und was sie beachten sollten
Auch Schwimmen ist mit künstlichen Darmausgang möglich
Maria Hass hat einen. Ja. Aber sie wird nicht müde zu betonen: „Es ist für mich keine Katastrophe, mit einem Stoma zu leben.“ Doch die Leiterin der Bundesgeschäftsstelle der ILCO e. V. (Vereinigung von Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung) wird oft um Rat gefragt.
Das Stoma, wie der künstliche After in der Fachsprache heißt, ist häufig nach einer Darmkrebs-Operation notwendig. Doch verändert er nicht den Alltag und das ganze Leben? Maria Hass beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.
Tiefer Einschnitt: Der künstlich angelegte Darmausgang. Klicken Sie auf die Lupe, dann sehen Sie die Grafik vollständig
Kann ich alles essen?
„Im Prinzip ja“, betont Maria Hass. „Eine Diät ist nicht nötig.“ Allerdings entweichen Blähungen bei einem künstlichen Darmausgang unwillkürlich mehr oder weniger geräuschvoll. Viele Menschen vertragen keine faserreiche Kost, aber es ist individuell unterschiedlich, welche Speisen Probleme bereiten. Deshalb sollten Betroffene testen, worauf sie empfindlich reagieren, und diese Kost vielleicht in bestimmten Situationen meiden. Darmgeräusche lassen sich übrigens dämpfen, wenn Sie die Hand mit leichtem Druck auf das Stoma legen.
Sind Fernreisen möglich?
Wer ins Ausland fährt, sollte sich informieren, ob vor Ort entsprechende Versorgungsartikel erhältlich sind. Wer sichergehen will, sollte „sich vor Reiseantritt mit Material eindecken“, empfiehlt Maria Hass. Wer Stomabeutel & Co. nicht tragen will, kann sie vorab an seine Reiseadresse schicken. Ruhig etwas mehr, bei ungewohntem Essen können schnell Verdauungsstörungen auftreten. Und wer in den Flieger steigt: Stomaartikel gehören mit ins Handgepäck.
Darf man baden oder duschen?
Wer mit seiner Stomaversorgung gut zurecht kommt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Wer trotzdem ängstlich ist, kann vorher in der Badewanne testen, ob die Abdeckung des künstlichen Anus wirklich hält. Wenn nicht, ist das vielleicht für den Stomapatienten an dieser Stelle sehr unangenehm, aber es ist kein Grund, sich Sorgen zu machen. „Es kann ruhig Wasser an den Darmausgang gelangen“, beruhigt Maria Hass.
Gucken im Schwimmbad nicht alle?
Die Leiterin der ILCO rät, möglichst unverkrampft mit der Situation umzugehen. „Man selbst ist auf das Stoma fixiert. Die anderen wissen aber nichts davon.“ Ihr Tipp für den Badeanzug: „Er sollte im Stomabereich bunt sein, das kaschiert die Unregelmäßigkeiten auf der Bauchdecke.“ Männern rät sie zu einer Badehose mit hohem Bund. Was auch die Situation entspannt: „Den Beutel vor dem Gang ins Schwimmbad leeren.“
Wie sieht es mit Sex aus?
Stomaträger können in der Regel ein normales Sexualleben führen. „Je unkomplizierter man mit seinem Körper umgeht, umso entspannter reagiert auch der Partner“, betont Hass. „Stimmt die Beziehung, wird sie daran nicht scheitern.“ Manche verschließen auch in den intimen Stunden das Stoma mit einer Art Minibeutel.
Wenn Sie weitere Fragen zum Umgang mit einem künstlichen Darmausgang haben, wenden Sie sich an die
Deutsche ILCO e.V.
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Telefon: 0228/338894-50
Fax: 0228 /338894-75
Internet: www.ilco.de (www.senioren-ratgeber.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.)
Raphaela Birkelbach / Senioren Ratgeber;
17.09.2009, aktualisiert am 25.06.2010
W&B/Martina Ibelherr, Jupiter Images GmbH/French Photographers only
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