Schlampig geputzt, könnte man meinen, wenn es am Po juckt und brennt. Ein Fehlschluss, so Professor Alexander Herold. „Häufiger ist falsche Hygiene schuld, wenn die empfindliche Schleimhaut am After Probleme macht“, weiß der Proktologe vom Enddarmzentrum Mannheim. Täglich sieht sich der After-Experte mit den lästigen, oft auch schmerzhaften Folgen eines verbreiteten Hygienewahns konfrontiert: „Viele Patienten malträtieren diese Zone mit zu viel Seife oder anderen Reizstoffen“, berichtet er. „Das hält sie nicht lange aus.“
Die Haut rebelliert, sie rötet und entzündet sich oder reagiert zunehmend allergisch. Jetzt kommt es besonders auf die richtige Pflege an. Wer die zarte Zone sanft reinigt (siehe Tipps unten), stets sorgfältig trocken tupft und mit einer zink- oder panthenolhaltigen Salbe eincremt, hätte, so Herold, das Problem meist nach zwei Wochen behoben.
Bleiben die Beschwerden trotz aller Pflegemaßnahmen bestehen, stecken in den meisten Fällen Hämorriden dahinter. Diese stark durchbluteten Gefäßpolster sitzen zwischen Enddarm und After. Wie ein Feinabdichtungsring sorgen sie dafür, dass weder Stuhl noch Flüssigkeit unwillentlich nach außen dringt.
Wenn die Polster jedoch schlaff werden – und das tun sie oft mit zunehmendem Alter immer mehr –, kann Sekret austreten. Das reizt die empfindliche Analregion. Neben quälendem Juckreiz und Brennen zählen nässende Knötchen und entzündete und gerötete Hautstellen zu den typischen Folgen.
Hämorriden sind „ein Fall für den Fachmann“, sagt Proktologe Herold. „Nur er kann entscheiden, ob etwas zu tun ist, und wenn ja, was.“ Gegen die Entzündung helfe meistens eine Kortisoncreme. „Diese Behandlung sollten Sie aber immer dem Arzt überlassen. Er weiß, mit welcher Dosierung das Ekzem schnell verschwindet.“ Ergänzend lindern Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt, Kamille oder Zinnkraut die Qual am Po. Ebenfalls entzündungshemmend und hautberuhigend wirken Fertigpräparate mit Gerbstoffen, die der Patient ohne Rezept in der Apotheke bekommt.
Zu welchen Schritten der Arzt bei Hämorriden rät, hängt davon ab, welche Ausmaße die Gefäßpolster annehmen und welche Beschwerden sie machen. Je früher Sie deshalb zum Arzt gehen, desto unkomplizierter lässt sich das Problem noch beheben und desto sicherer können Sie sein, dass nichts Schlimmeres dahintersteckt.
Selbst kleine Polster hinterlassen oft Blutspuren in der Wäsche oder auf dem Stuhl. Doch nur der Fachmann erkennt, ob das Blut wirklich von verletzten Hämorriden stammt, die sich mit einer Spritze veröden lassen. „Das geschieht ambulant und ist in wenigen Sitzungen erledigt“, versichert Proktologe Herold. Auch Gummiringe, mit denen der Arzt die vorgefallenen Gewebeteile abbindet, kommen in frühen Stadien infrage.
Wenn die blutenden Gewebepolster jedoch aus dem Analkanal ragen, müssen sie meist operativ entfernt werden. Dass es gar nicht so weit kommt, ist ein wichtiges Anliegen des Mannheimer Enddarmspezialisten. „Vergrößerte Hämorriden sind zwar immer auch eine Sache des Alterns und eines schwachen Bindegewebes“, räumt Herold ein. „Doch mit der richtigen Analhygiene und der richtigen Ernährung können Sie die krankhafte Entwicklung rechtzeitig stoppen.“
Das Leiden am Po entsteht nämlich vor allem auf dem stillen Örtchen: Ständiges Pressen, stundenlange Sitzungen auf der Toilette, aber auch Durchfälle führen dazu, dass sich der Schließmuskel nicht ausreichend entspannt, dass die Gefäßpolster immer mehr aus der Form geraten oder dass feine Risse in der Analhaut auftreten.
„Sorgen Sie für eine geregelte Verdauung mit genügend Ballaststoffen in Ihrer täglichen Nahrung“, lautet Herolds Empfehlung. „Sie garantiert einen geformten Stuhl, den Sie innerhalb von zwei, maximal vier Minuten entleeren sollten.“
Elke Schurr / Senioren Ratgeber;
08.08.2012, aktualisiert am 10.08.2012
Bildnachweis: F1online digitale Bildagentur GmbH/--
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