Haben Sie Probleme mit Hämorriden? Warten Sie nicht, bis der Juckreiz, das Brennen oder Zwicken am After unerträglich wird. Denn die Pein im Po lässt sich meist rasch und sanft beseitigen.
Was viele nicht wissen: Hämorriden zu haben ist eigentlich etwas sehr Nützliches. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgen die Gefäßpolster dafür, dass Kot und Gase kontrolliert nach außen gelangen: Wird der Darm entleert und der Schließmuskel gedehnt, fließt das Blut aus den Polstern ab. Zieht sich der After zusammen, strömt es wieder ein und dichtet so den Analkanal ab.
Starkes Pressen auf der Toilette etwa strapaziert das sensible Geflecht. Dann füllt es sich dauerhaft mit Blut und gleitet zum Darmausgang hinunter. „Dadurch funktioniert oft der Feinverschluss nicht mehr, Darmflüssigkeit gelangt nach außen, und die Haut entzündet sich“, sagt Dr. Bernhard Strittmatter, Enddarmspezialist aus Freiburg und Vorstand des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands.
Bei älteren Patienten oft verkannt
Vergrößerte Hämorriden bereiten bis zu 80 Prozent der Deutschen Probleme. Typische Beschwerden: Neben Nässen und Jucken können bei bereits leicht vergrößerten Polstern während des Stuhlgangs Gefäße einreißen. Dann entdeckt man hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier. Manche haben auch das quälende Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen.
Gleiten die Polster nach außen, entsteht häufig ein unangenehmes Fremdkörpergefühl im Po. „Ältere haben manchmal Anzeichen, ohne sie zu bemerken“, sagt Strittmatter. Die Ursache: Der Schließmuskel wird zunehmend weicher, sodass nichts drückt.
Ärzte unterscheiden verschiedene Stadien: Bei einem fortgeschrittenen Leiden gleiten die Polster bei der kleinsten körperlichen Anstrengung nach außen, und in einem späten Stadium ziehen sie sich gar nicht mehr in den Enddarm zurück.
Meist geht es ganz sanft
Gehen Sie rasch zum Arzt. Denn die Pein verschlimmert sich, wenn Sie nichts tun. In frühen Stadien hilft ein sanfter, ambulanter Eingriff wie das Veröden oder Abbinden. Bei etwa 95 Prozent der Patienten zeigt dieses Vorgehen Erfolg. Manchmal muss die Behandlung auch mehrmals durchgeführt werden. Bei großen Hämorriden schafft häufig nur eine Operation Abhilfe.
Im höheren Alter spricht noch ein weiterer Grund dafür, den Arztbesuch nicht hinauszuzögern: Blut im Stuhl ist ein Symptom, das auch bei Darmkrebs auftreten kann. „Die Diagnose vergrößerte Hämorriden stellen wir jedoch viel häufiger“, beruhigt Strittmatter.
Gute Pflege für den Po
Forschen Sie aber auch selbst nach möglichen Ursachen. Vergrößerte Hämorriden entstehen oft bei Übergewicht, nach Durchfällen, bei anhaltender Verstopfung sowie bei schwachem Bindegewebe. Neben starkem Pressen begünstigen lange Toilettensitzungen die Erkrankung.
Die Patienten können zu Hause viel für ihre Genesung tun: Wichtig ist, die empfindliche Analregion sauber zu halten. „Duschen Sie den Po nach dem Stuhlgang mit klarem, lauwarmem Wasser ab. Danach mit einem weichen, sauberen Handtuch behutsam trocken tupfen“, rät der Proktologe. Feuchttücher, etwa Babyfeuchttücher mit dem Zusatz „sensitiv“, sind praktisch für unterwegs. Sie sollten keine Duftstoffe enthalten.
Gegen den Juckreiz helfen Sitzbäder mit Eichenrinden- oder Kamillenextrakt sowie Cremes mit Hamamelis. „Frei verkäufliche Hämorridensalben aus der Apotheke lindern die Schmerzen. Zugleich desinfizieren sie entzündete Haut und unterstützen, dass die vergrößerten Hämorriden abheilen“, sagt die Apothekerin Jana Hennemann aus Rhaunen.
Die Tube vorher in der Hand anwärmen, dann gleitet die Salbe leichter heraus. „Gute Erfahrungen haben wir mit dem pflanzlichen Wirkstoff der Aloe barbadensis gemacht. Er legt sich wie eine Schutzschicht auf die Haut“, berichtet Hennemann. Auch der Po braucht Pflege.
Zwei Betroffene erzählen:
„Eines Tages war das Toilettenpapier voll Blut“
Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich zu einem Proktologen gegangen bin. Heute ärgert es mich, dass ich das nicht früher getan habe. Vor allem beim langen Sitzen hatte ich ein Fremdkörpergefühl im Po. Als dann Blut auf dem Klopapier war, bin ich zum Arzt. In drei Behandlungen werden mir die Hämorriden nun mit einem Gummi abgebunden. Nach dem ersten Eingriff blutete es ein wenig, aber Schmerzen hatte ich nicht. Um den Beckenboden zu kräftigen, gehe ich jetzt regelmäßig zur Gymnastik.
„Schon bei kleinsten Anzeichen gehe ich zum Arzt“
Bereits als junger Mann hatte ich vergrößerte Hämorriden, die nur operativ entfernt werden konnten. Vor der Operation hatte ich starke Schmerzen, und nach dem Eingriff bereitete mir der erste Stuhlgang große Beschwerden. Das will ich mir künftig ersparen: Heute gehe ich bei geringsten Anzeichen gleich zum Proktologen. Wenn Hämorriden nur leicht vergrößert sind, können sie verödet werden. Dieser Nadelpiks ist etwas unangenehm, er sticht ein wenig, klingt aber rasch ab. Nach jeder Behandlung denke ich: „Nun habe ich wieder für einige Zeit Ruhe.“
Petra Haas / Senioren Ratgeber;
06.12.2010
Bildnachweis: Mauritius Images GmbH/Matthias Tunger
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