Musiker und Theaterschauspieler können ein Lied davon singen: Husten ist ein Reflex, den niemand unterdrücken kann. Doch was im Konzertsaal oder auf der Bühne stört, ist ansonsten ein höchst sinnvoller Vorgang – sollen doch damit nicht nur Fremdkörper, sondern auch Erreger aus dem Körper befördert werden, die die Misere in der Brust ausgelöst haben.
Denn Husten ist das charakteristische Merkmal der Bronchitis – einer Krankheit der großen Atemwege, die sich wie Äste eines Baums in den beiden Lungenflügeln aufzweigen. Wenn sich dort, auf den Schleimhäuten, Erreger einnisten, entsteht eine Entzündung, und dadurch bildet sich viel Sekret – ob dünnflüssig, farblos, farbig oder zäh, hängt vom Erregertyp und von der Dauer der Belagerung ab. Unabhängig aber davon – es muss raus.
Die gute Nachricht vorweg. Eine akute Bronchitis lässt sich meist ohne Weiteres selbst behandeln, weil sie in 90 Prozent der Fälle auf die üblichen Erkältungsviren zurückzuführen ist. Diese breiten sich vom Mund- und Rachenraum über die Luftröhre bis in die Bronchien aus und sind meist nach sieben, spätestens nach 14 Tagen wieder verschwunden.
„Eine einfache Erkältung dauert 14 Tage und mit ärztlicher Betreuung zwei Wochen”, scherzt Dr. Hans-Jörg Apfeld, Internist und Hausarzt in Bochum, und wird ernst: „Wer eine Bronchitis hat, sollte unbedingt etwas gegen den Husten unternehmen.“ Einfach abwarten, bis alles vorbei ist, kommt nicht infrage. „Sonst nimmt die Bronchialschleimhaut auf Dauer Schaden.“ Apfeld rät, sich zu schonen. „Trinken Sie ausreichend Tee und Wasser – das verdünnt den Schleim. Achten Sie darauf, nicht zu trockene Heizungsluft zu Hause einzuatmen. Lüften Sie regelmäßig, und gehen Sie einmal täglich spazieren, wenn Sie kein Fieber haben. Probieren Sie auch aus, ob Ihnen Inhalationen mit warmem Wasserdampf oder ätherischen Ölen guttun. Vor allem aber: Rauchen Sie nicht. Sonst kann die akute Bronchitis schnell in eine chronische übergehen!“
Wer auf sanfte Art gegen das schmerzhafte Bellen vorgehen will: Pflanzliche Wirkstoffe gibt es als Saft, Tropfen oder Salbe, und sie lassen sich einnehmen, inhalieren oder auf die Brust auftragen. „Wichtig ist das richtige Präparat zur richtigen Zeit“, weiß Apotheker Dr. Eric Martin aus Marktheidenfeld. „Die akute Bronchitis beginnt normalerweise mit einem trockenen Reizhusten. Da dieser besonders quält und die nötige Nachtruhe raubt, sind Hustenstiller mit reizdämpfenden Pflanzenextrakten aus Eibisch, Königskerze oder Spitzwegerich zunächst sinnvoll.“ Bei hartnäckigem Reiz können auch chemische Hustenblocker – zumindest für die Nacht – Ruhe schaffen.
Nach zwei bis drei Tagen löst sich meist das Sekret: Jetzt beginnt das produktive Stadium. „Das Abhusten sollten Sie dringend unterstützen“, rät Dr. Martin. „In dieser Phase können schleimbildende und auswurffördernde Substanzen aus Primel, Eukalyptus, Fenchel oder Thymian helfen.“ Sie enthalten ätherische Öle, die das Sekret verflüssigen. Eine Heilpflanze, die beide Anwendungsziele vereint, ist Efeu. Er dämpft den Reiz und fördert gleichzeitig das Abhusten.
Doch was tun, wenn der trockene Husten gar nicht mehr aufhören will und die Schmerzen zunehmen? Oder wenn es neben dem Husten keine weiteren Anzeichen einer Erkältung gibt? Oder wenn hohes Fieber hinzutritt? „Alles, was nicht in das Raster eines leichten Erkältungshustens passt, sollten Sie bei einem Arzt abklären lassen“, rät Apotheker Dr. Martin. Denn manchmal kann ein Husten auch Begleiterscheinung anderer Erkrankungen wie eines Asthmas sein. Oder einer COPD, einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bei der die Bronchien dauerhaft verengt sind.
Auch eine Lungenentzündung könnte dahinterstecken. In all diesen Fällen müssen schwerere medikamentöse Geschütze aufgefahren werden, die die Entzündung noch gezielter stoppen. Denn wenn bestimmte Bakterien ins Spiel kommen, sind ältere und vorerkrankte Menschen ernsthaft in Gefahr. „Das Immunsystem verliert im Alter an Kraft“, warnt Hausarzt Apfeld. „Eine bakterielle Lungenentzündung ist darum vor allem eine Krankheit der Senioren und muss sofort mit Antibiotika behandelt werden.“
Jeder Hustengeplagte sollte daher prüfen, wann er zum Arzt muss – einige Signale sprechen dafür, eine Praxis aufzusuchen. Ansonsten gilt: Viel schlafen und möglichst nicht explosionsartig husten, sondern hüsteln. Das schont das Lungengewebe und die Flimmerhärchen auf der Bronchialschleimhaut. Und die brauchen Sie dringend als Schutzschild bei der nächsten Erkältungsattacke.
Klarer Fall für den Arzt:
Was außer einer akuten Bronchitis noch hinter dem Symptom Husten stecken kann, erfahren Sie auf www.apotheken-umschau.de im Ratgebertext "Husten".
Elke Schurr / Senioren Ratgeber;
14.04.2011
Bildnachweis: W&B/Simon Katzer, Wladimir Szczesny
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