Wenn Husten, Triefnase und Co. länger als gewöhnlich plagen, ist der Arztbesuch ein Muss
Bewährte Hilfe: Apotheker Dr. Fritz Grasberger erklärt einer Patientin ein Inhaliergerät
Dr. Fritz Grasberger redet mit Engelszungen, dem Apotheker aus Miesbach ist es ernst. „Sie sollten mit Ihrem Husten wirklich zum Arzt gehen. Der hört sich nicht gut an.“ Vor dem Apotheker steht eine Kundin, die sichtlich mit sich ringt. Gewiss, da ist dieser feste Husten, seit zwei Wochen schon. „Aber deswegen gleich zum Arzt?“ Der Einwand der Patientin kommt nicht von ungefähr.
„Abwarten und viel Tee trinken“ lautet gewöhnlich der Rat, wenn es im Hals zu kratzen beginnt. „Mit Medikamenten können wir eine Erkältung nicht ursächlich behandeln, da sie durch Viren ausgelöst wird“, bestätigt Grasberger. Gegen die bis zu 200 Viren, die Halsweh oder Schnupfen auslösen, können Antibiotika nichts ausrichten. Sie wirken nur, wenn Bakterien mit im Spiel sind.
Voreilig verordnet, können sie sogar schaden, weil Bakterien gegen sie immun werden können. Wer merkt, dass er sich eine Erkältung eingehandelt hat, kann dennoch etwas tun. Nasenspray, Hustenbonbons oder Gurgellösung kürzen zwar nicht den Krankheitsverlauf ab, „aber sie lindern deutlich die Beschwerden“, betont der Apotheker aus Miesbach. „Entscheidend ist, dass wir sie zum richtigen Zeitpunkt gezielt einsetzen“ (siehe letztes Kapitel).
Husten in Etappen
Gewöhnlich erwischt einen ein grippaler Infekt, wie die Erkältung im Fachjargon heißt, zwei bis drei Mal im Jahr. Besonders in der kalten Jahreszeit steigt die Ansteckungsgefahr, bereits ein Händeschütteln reicht, um sich die Krankheitserreger einzuhandeln. Sie nisten sich dann in der Schleimhaut von Nase, Rachen, Bronchien, Luftröhre ein. Das empfindliche Gewebe entzündet sich und schwillt an.
Mit Schluckbeschwerden und Halsweh kündigt sich meist die Volkskrankheit an, gefolgt von Niesattacken und Schnupfen. Am Ende der Erkältung quält oft ein trockener Reizhusten, der schließlich in einen verschleimten Husten übergeht. Weitere unangenehme Begleiter des grippalen Infekts sind Gliederschmerzen und manchmal ein Schwächegefühl, häufig plagen auch Kopfschmerzen. Eine Erkältung kann einen zwar ziemlich mitnehmen, aber sie ist harmlos.
Risikofaktoren beachten
In den allermeisten Fällen steckt das Immunsystem den Angriff der Erkältungsviren gut weg. „Wer ausreichend trinkt, sich Ruhe gönnt, vitaminreich ernährt und warm einpackt, übersteht eine Erkältung meist ohne Komplikationen“, erklärt Dr. Ulrich Huntgeburth. Der Allgemeinmediziner aus Grafing bei München behandelt in seiner Praxis dennoch Patienten, die Husten und Schnupfen nicht so leicht überstehen.
„Besonders Ältere, starke Raucher und chronisch Kranke wie etwa Diabetiker müssen achtgeben“, erklärt Huntgeburth. „Bei ihnen ist die Immunabwehr geschwächt.“ Auch Patienten, die bereits unter einer chronischen Atemwegserkrankung leiden, stecken eine Erkältung häufig nicht so gut weg. Der Grund: Bei einer geschwächten Abwehr können Bakterien sich leicht in die gereizte Schleimhaut der oberen Luftwege einnisten und dort eine Entzündung auslösen. Fachleute sprechen dann von einer bakteriellen Superinfektion.
Rechtzeitig zum Arzt
Unbehandelt dauert eine Erkältung sieben Tage, mit Therapie eine Woche, sagt der Volksmund – und die Fachwelt sieht das genauso. Wer aber danach nicht wieder richtig auf die Beine kommt, sollte zum Arzt gehen. „Älteren und chronisch Kranken, die unter einem schweren Krankheitsgefühl leiden, rate ich rasch zu handeln und sich gründlich untersuchen zu lassen“, betont Ulrich Huntgeburth.
Vielleicht steckt hinter dem vermeintlich harmlosen Husten eine beginnende Bronchitis, eine eitrige Nasennebenhöhlenentzündung oder eine lebensbedrohliche Lungenentzündung. Ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl kann ebenso Anzeichen einer Grippe sein.
Ernste Alarmsignale
Besonders für über 70-Jährige stellt das eine gefährliche Herausforderung dar. „Im Alter sind die Symptome einer Infektion häufig nicht mehr so ausgeprägt“, warnt Huntgeburth. Fieber beispielsweise steigt häufig nicht mehr so hoch an. Bereits leicht erhöhte Körpertemperatur kann auf einen schweren Infekt hinweisen. Sehr deutliche Alarmsignale sind Atemnot, starker Husten mit grünlichem Auswurf oder ein fauligeitriger Geschmack im Mund. Starke, kaum erträgliche Schmerzen hinter der Stirn, in den Gliedern oder im Brustkorb sind ebenso deutliche Warnzeichen eines schweren Leidens.
Der Gang zum Arzt ist dann ein unbedingtes Muss. „Ich erlebe leider Kunden, die das hinauszögern“, bedauert Apotheker Grasberger. „Gerade Ältere glauben, sie müssten das alleine schaffen, obwohl es ihnen sichtlich schlecht geht.“ Der Pharmazeut sieht sich dann besonders in der Pflicht. Hat er den Eindruck, dass hinter einem Husten mehr steckt, drängt er zum Arztbesuch. Mit Engelszungen redet er dann – so wie heute. Seine Kundin lässt sich überzeugen. Sie geht zum Arzt.
Raphaela Birkelbach, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
19.11.2008, aktualisiert am 25.03.2010
W&B/Bernard Limberger
Anzeige