Warum hilft gegen Erkältung keine Impfung?

Vor Grippeviren schützt eine Impfung. Gegen einen einfachen Schnupfen gibt es aber kein Gegenmittel. Die Erkältungserreger sind erstaunlich raffiniert

von Elke Schurr, aktualisiert am 01.03.2016

Bei jedem Wetter rausgehen: Das unterstützt das Immunsystem

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Eine Erkältung dauert ohne Behandlung sieben Tage, mit Behandlung eine Woche. Okay, der Medizinerwitz ist so alt, dass dem Verschnupften das Lachen in der heiseren Kehle stecken bleibt. Doch der Spruch trifft noch immer den Kern der Sache: Warum feiert die Medizin inzwischen erstaunliche Erfolge gegen Virusleiden wie Hepatitis und Aids, streckt aber bei einer simplen Erkältung die Waffen?

"Über die Viren, die eine Erkältung verursachen, wissen wir recht gut Bescheid", beteuert Professor Ortwin Adams, Virologe an der Uni Düsseldorf. "Deshalb wissen wir auch, warum es mit einer Schutzimpfung in nächster Zeit nicht klappen wird."


Erreger-Vielfalt überfordert Forscher

Das klingt unlogisch, ist es aber nicht. Allein vor der Vielfalt der Erreger geben sich die Impfstoffhersteller geschlagen. Rund 300 verschiedene Arten aus mehreren Familien, davon mehr als 150 Schnupfenviren-Varianten, haben Wissenschaftler in aller Welt bislang ausgemacht. Zwar fliegen pro Erkältungssaison nur rund ein halbes Dutzend die menschlichen Nasenschleimhäute an. Doch welche genau sind das jedes Jahr?

Ihre Verwandten, die Auslöser einer Influenza, beschränken sich dagegen auf wenige Familienmitglieder. Deshalb gibt es seit Langem einen Grippeschutz, der jedes Jahr an die aktuelle Virenlage angepasst wird. Welche Erreger aus der großen Sippe der Erkältungsviren kursieren, ist dagegen sehr viel schwerer vorherzusagen. "Man müsste ständig einen Impfstoff gegen Hunderte von Viren entwickeln", sinniert Professor Johannes Stöckl, Immunologe an der Medizinischen Universität Wien. 

Schnupfenviren tricksen Immunsystem aus

Hinzu kommt ein anderes rätselhaftes Phänomen: Normalerweise merken sich die Abwehrzellen, welchem Erreger sie schon einmal begegnet sind. Für das nächste Mal halten sie im Organismus eine spezialisierte Verteidigungsgruppe bereit. Bei Rhinoviren geht die Rechnung offenbar nicht auf, weil sich der Erreger ständig verkleidet. "Er trickst auch die Abwehrzellen mit Ablenkungsmanövern aus", berichtet Stöckl, "mit dem Ergebnis, dass der Mensch nicht immun wird, auch wenn er im nächsten Jahr dem gleichen Typus begegnet. Das ist wirklich verrückt."


Medikamenten-Entwicklung mit Hindernissen

Solange kein Impfstoff in Sicht ist, setzen Forscher auf innovative Therapieansätze. Noch fehlen schlagkräftige Medikamente, die vor Ort und ohne Aufschub den Virenangriff vereiteln. Manche Hoffnungsträger sollen die Erkältungsviren hindern, an die Schleimhautzellen überhaupt anzudocken. Dazu laufen bereits viele Tests. "Doch die Viren-Blocker funktionieren noch nicht richtig", bedauert Adams, "weil sie nicht alle Virustypen abdecken." Ganz zu schweigen von den Nebenwirkungen. "Was nützt Ihnen ein Antivirus-Spray", fragt sein Kollege Johannes Stöckl, "wenn Sie davon Nasenbluten und Kopfweh bekommen?"

Eine tröstliche Erkenntnis hält der Wiener Immunologe allerdings bereit: Ein Drittel aller viralen Attacken überstehen wir, ohne etwas davon zu bemerken. Gut so, denn das Immunsystem lernt trotzdem, sagt Stöckl: "Unsere Abwehr macht sich auf diese Weise fit für den Fall, dass etwas Schwerwiegenderes, etwa eine echte Grippe, vorbeikommt."

Erkältungen heilen von alleine

Was die Forscher auch wissen: Erkältungen heilen tatsächlich ohne viel Zutun von allein. Nach drei bis sieben Tagen ebben die Beschwerden meist ab, nach zwei Wochen sind sie verschwunden. Gut belegt ist auch, was bis dahin hilft. Mit ein paar Tricks können Sie den Viren das Leben schwer und sich selbst leichter machen.


So lindern Sie Erkältungsbeschwerden:

1. Lutschen und trinken

Ob mit Wasser und Tee oder mit Kräuterbonbons: Hauptsache, Sie halten die Schleimhäute feucht. Denn Viren breiten sich im Trockenen stärker aus.

2. Inhalieren mit Salzlösung

Inhalieren Sie warmen Wasserdampf mit ätherischen Ölen oder Salzlösungen (Salz über einen Vernebler). Das beruhigt die gereizte Schleimhaut.

3. Nase frei halten in der Nacht

Eine verstopfte Nase stört den Schlaf. Für wenige Tage können Sie ein abschwellendes Nasenspray anwenden, das Ihnen gerade nachts Luft verschafft.

4. Husten stillen oder Schleim lösen 

Sind die Bronchien in Mitleidenschaft gezogen, helfen schleimlösende Präparate aus Eibisch oder Efeu. Eventuell auch ein Hustenstiller für die Nacht.

5. Wärme von innen und außen

Viren hassen Wärme. Also sollten Sie ihnen einheizen: Packen Sie sich warm ein, und löffeln Sie warme Suppen.

6. Ausruhen und viel schlafen 

Jede Form von Stress – ob Schlafmangel, Kälte oder Hektik – setzt unserem Immunsystem zu. Ruhen Sie sich aus, und schlafen Sie viel.



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