Diese Ernährungstrends kommen auf uns zu

Lebensmittel mit Gesundheits-Plus, Speisen aus dem 3-D-Drucker, aber auch mehr Lust auf langsames Essen: Ein Überblick, was bald auf unseren Tellern landen könnte

von Kirsten Hoffmeister, aktualisiert am 02.02.2016

Visionäre Lebensmittelproduktion: Obst und Gemüse mit neuen Formen und Aromen

W&B/Astrid Zacharias

Angereicherte Produkte

Cornflakes für bessere Denkleistung oder Brotaufstriche, die munterer machen? In ein paar Jahren werden in der Hälfte aller Lebensmittel Zusatzstoffe stecken, die eine bestimmte Wirkung auf den Körper versprechen, schätzen Trendforscher wie Sven Gabor Janszky aus Leipzig. Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben in Lebensmitteln unterliegen inzwischen detaillierten Anforderungen.

Doch viele Verbraucher beruhigen mit solchen Produkten ihr schlechtes Gewissen, warnt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: "Eine unausgewogene Ernährung gleicht das nicht aus." Functional Food, wie Lebensmittel mit gesundheitlichem Zusatznutzen im Fachjargon heißen, können einen abwechslungsreichen Speiseplan allenfalls ergänzen, etwa bei Vitaminmangel oder erhöhtem Cholesterinspiegel.


Neue Geschmackserlebnisse

Aus Asien schwappt ein neuer Trend herüber: Ungewöhnliche Geschmacksrichtungen wie "Sojasoße", "Wassermelone" und "grüner Tee" werden in Schokoladenriegeln verarbeitet. Auf mehr Experimentierfreude beim Geschmack setzt auch "Food Paring":  das Kombinieren von Lebensmitteln, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, deren Aromen aber gut harmonieren.

Die überraschenden Paarungen auf dem Teller wie Pilzkaramellgewürz zu Wild oder Kartoffelpüree versprechen jedenfalls, die kulinarische Bandbreite zu erweitern. Englische Forscher arbeiten zudem an einem Gerät, mit dem man Essen inhalieren kann. Damit sollen Geschmacksbedürfnisse kalorienfrei befriedigt werden.

Technik kocht mit

Sich per Computer auch mit Unbekannten zum gemeinsamen Kochen zu verabreden ist in, auch unter Senioren (etwa unter www.yumwe.de). Apps auf dem Handy erstellen Einkaufslisten, machen Rezeptvorschläge und geben Tipps zu ausgewogener Ernährung. Gesundheitsarmbänder melden, was unserem Körper fehlt. Kühlschränke ordern online, was im Haushalt gebraucht wird.

Künftig hat auch der Herd etwas zu sagen, ist Trendforscher Jansky überzeugt. Der weiß zum Beispiel, was der erwartete Besuch gerne mag – wenn dieser vorab über eine Software seine Essensvorlieben vermerkt hat. Auch digitale Kochtöpfe sind nur noch eine Frage der Zeit. Sie werden Kochzeit und Temperatur so gut wie alleine regeln.

Smooth-Food immer wichtiger

Smoothies, Säfte aus püriertem Obst und Gemüse, gibt es inzwischen in jedem Supermarkt. Aber kennen Sie Smooth-Food? Schneiden, Mixen, Passieren und Aufschäumen verwandeln Lebensmittel dabei in eine geschmeidige, englisch: smoothe Konsistenz. Anschließend wird der Brei in eine ansprechende Form gebracht.

Das Konzept, das manche Pflegeheime schon praktizieren, wendet sich vor allem an Ältere: Wer schlecht kauen kann oder Probleme mit dem Schlucken hat, braucht eher breiige Nahrung. Je mehr Menschen älter werden, umso stärker steigt die Nachfrage nach solchen Produkten.

Eier für Veganer kommen

Ei-Ersatzpulver, das vor allem aus Stärke oder Lupinenmehl besteht, ist schon länger auf dem Markt. Gut zum Backen für alle, die vegan leben und auf tierische Produkte verzichten. Also nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auch auf Milchprodukte, Gelatine, Honig und Eier.

Veganes Essen boomt. Forscher experimentieren daher nicht nur mit Tofu, sondern auch mit Stärke, Algen, Hefe und Gewürzen, um dem Original Ei in Konsistenz und Geschmack immer näher zu kommen.

Essen aus dem 3-D-Drucker

Ob bei der NASA oder in deutschen Hochschulen: Weltweit tüfteln Forscher an der Aufgabe, fertige Mahlzeiten mit einem 3-D-Drucker herzustellen. Der Aufbau erfolgt computergesteuert aus flüssigen oder festen Stoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen. Ein Roboterarm spritzt verschiedene Lebensmittel wie Schokolade, Käse, Teig oder sogar Truthahnpaste schichtweise auf den Teller.

Wachsendes Bewusstsein

Anhänger von Slow Food machen sich schon lange für regionales und genussvolles Essen stark – als Gegenbewegung zum uniformen Fast Food. Passend zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln produzieren und veredeln immer mehr kleine Manufakturen ihre Spezialitäten. Ihre Betreiber warten mit detailliertem Wissen über die Produkte auf – ob als "Maitre Chocolatier" (Schokoladenveredler), "Fromelier" (Käsekenner) oder "Barista" (Kaffeeexperte).

Gleichzeitig achten die Verbraucher zunehmend auf qualitativ hochwertige Ware. Stärker als bisher spiegelt die Ernährung persönliche Überzeugungen wider. Was auf unsere Teller kommt, soll für immer mehr Menschen im Einklang mit der Umwelt stehen. Eine ressourcenschonende Herstellung von Lebensmitteln gewinnt an Bedeutung. Neben "Bio" und "aus der Region" wird dieser Aspekt zum wichtigen Kaufkriterium.



Bildnachweis: W&B/Astrid Zacharias

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