Ernährung bei Rheuma – mit Rezepten

Wer das Richtige isst, kann den Verlauf der Gelenkerkrankung günstig beeinflussen. Die wichtigsten Tipps sowie drei Rezeptvorschläge
von Heidi Loidl, aktualisiert am 21.06.2017

Lachs: Ungesättigte Fette aus Fisch sind vorteilhaft bei Rheuma

Thinkstock/iStock

Kann man da mit der Ernährung nichts machen? Keine Frage hört Professor Olaf Adam so oft wie diese. Seit fast 30 Jahren forscht der Ernährungsmediziner daran und hat als Rheumatologe Hunderte von Patienten behandelt. Die Frage beantwortet er heute überzeugt mit Ja.

Das richtige Essen gilt inzwischen als Teil der Therapie, um die schmerzhaften Entzündungen von Arthritis-Patienten zu verringern. A und O ist, das richtige Fett zu wählen. So wirkt die mehrfach ungesättigte Fettsäure Arachidonsäure wie Benzin im Feuer der Entzündung. Omega-3-Fettsäuren, vor allem Eicosapentaensäure, kurz EPA, gelten als Gegenspieler. Ziel der Rheumadiät ist es, das Verhältnis der beiden Fettsäuren in den Immunzellen in Richtung EPA zu verschieben.


Rheuma: Gute Omega-3-Fettsäuren wichtig

Die bei uns übliche Kost liefert siebenmal so viel Arachidonsäure wie nötig. Fleisch, Leber und Eigelb, fette Wurst und fetter Käse enthalten reichlich davon. Also komplett auf Tierisches verzichten und ab sofort vegan essen? "Nicht nötig", meint der Münchner Rheumaforscher Adam. Er hält zwei kleine Fleischmahlzeiten und vier Eier pro Woche für ein gutes Maß.

Fisch ist ein Muss, er ist die einzige Quelle für EPA. Um es wirksam im Körper anzureichern, müsste man drei Heringe oder vier Portionen Thunfisch pro Woche essen – für die meisten nicht vorstellbar. "Für sie können Fischölkapseln eine Alternative sein", sagt die Münchner Apothekerin Doris Schwaabe, "diese aber immer nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen." Die Wirkung der Diät lässt sich durch eine Blutuntersuchung überprüfen. Meist ist nach drei Monaten ein gutes Fettsäure­verhältnis erreicht. Um es zu halten, genügt oft weniger EPA, das heißt einmal pro Woche fetter Fisch.

Auch das richtige Pflanzenöl kann wichtig für gute EPA-Werte sein. Konkret heißt das: statt Sonnenblumen-, Maiskeim- oder Distelöl in der Küche lieber Raps-, Walnuss-, Weizenkeim- oder Leinöl verwenden. 

Radikalfänger aus Obst und Gemüse

Milchfett ist zwar als tierisches Fett ungünstig, doch Adam will keinesfalls auf das weiße Getränk verzichten. "Die Entzündung greift auch die Knochen an. Mit Kalzium in fettarmer Milch und Käse lässt sich der drohenden Osteoporose vorbeugen."

Doch eine Rheumadiät setzt noch an anderen Stellen an: Bei der Krankheit fallen viele Sauerstoffradikale an, die beseitigt werden müssen, um die Entzündung nicht weiter anzuheizen. Das übernehmen Antioxidanzien, das heißt bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenstoffe. Davon brauchen Rheumatiker mehr als Gesunde. Daher sind Frisches und eine schonende Zubereitung so wichtig. Ob Nahrungsergänzungsmittel ratsam sind, weiß der Rheumatologe.

Bei Rheuma Protokoll über das Essen führen

Wer als Rheumatiker seinen Speiseplan checken möchte, kann das mit dem Omega-Ernährungsrechner im Internet oder in Ratgeberbüchern tun. An eine Ernährungsfachkraft sollte sich wenden, wer den Verdacht hegt, dass bestimmte Lebensmittel einen Schub auslösen. Die Beraterin hilft, ein Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll zu führen und auszuwerten – nie auf Verdacht Lebensmittel streichen!

Viele Rheumatiker kämpfen mit Übergewicht, andere wiegen zu wenig. Beides wirkt sich negativ aus. Dann heißt es gegensteuern. Von Fasten ist Senioren aber abzuraten. "Mit arachidonsäurearmer Kost lässt sich der gleiche Effekt erzielen, wenn auch nicht so rasch", sagt Adam.

Rheumapatienten brauchen Geduld, denn die Wirkung der Diät wird erst nach drei Monaten spürbar. Dann aber sind die Aussichten gut: weniger Medikamente und ein besserer Krankheitsverlauf.


Drei Rezepte für Rheuma-Patienten

Lachsfilet auf Lauchgemüse

Lachs auf Lauch »

Gebratenes Lachsfilet mit Lauchgemüse »

Fenchel-Tomaten-Gemüse

Ofengemüse »

Gesunde Mischung: Fenchel, Paprika, Tomaten und Oliven aus dem Backofen »

Broccolisalat mit roten Linsen

Brokkolisalat »

Gedünsteter Brokkoli mit roten Linsen »

Ernährungs-Tipps bei Rheuma

  • Fisch ist besser als Fleisch! Aus Fettsäuren entstehen Botenstoffe, die die Entzündung steuern. Auf diesem Weg hemmen fette Fische wie Lachs die Entzündung, Fleisch fördert sie.
  • Schonend zubereiten! Das schont Vitamine. Kochen Sie möglichst frisch, beim Abkühlen und Wiedererwärmen gehen immer Nährstoffe verloren. 
  • Weniger tierische Fette! Butter oder Butterschmalz zum Anbraten muss nicht sein. Günstiger ist ein Bratöl auf Basis von Rapsöl. Sahne­ gibt es auch aus Sojabohnen.
  • Mehr Gemüse essen! Pflanzliche Lebensmittel enthalten Antioxidanzien, die den Entzündungsprozess bei Rheuma bremsen helfen.
  • Sahne ade, Öl vor! Fett darf sein, aber lieber ein Pflanzenöl als Sahne. Statt als Auflauf schmeckt Gemüse auch pur aus dem Ofen, abgerundet mit Pflanzenöl. Rapsöl zum Beispiel schmeckt leicht nussig.
  • Vegetarische Abwechslung! Ihnen fallen zu "fleischfrei" nur Nudeln mit Tomatensoße oder mit Reis gefüllte Paprika ein? Mit Couscous, Polenta oder Hirse werden Ihre vegetarischen Tage bunter.
  • Das richtige Öl wählen! Schluss mit Sonnenblumen-, Maiskeim- und Distelöl. Günstiger sind Raps- und Weizenkeimöl, in Salat auch Walnussöl. Zu Pellkartoffeln passen Kräuterquark und Leinöl.
  • Käse in den Salat! Wo Entzündung ist, ist die Osteoporose nicht weit. Zur Vorbeugung genug Kalzium essen! Hartkäse wie Parmesan enthält viel davon, Mozzarella dagegen nicht.


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