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Pflege:
Gesund Essen mit Demenz

Demenzkranke sind mit Essen und Trinken oft überfordert. So helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei

Pflegefall: Seniorin in Pflege - die pflegebedürftige Frau muss gefüttert werden

Diskrete Erinnerung: "Deine Suppe duftet aber gut. Schau hier liegt der Löffel"

Angehörige kennen die Situation: Die Mutter sitzt vor einem Teller Suppe, aber denkt gar nicht daran zu essen. Sie hat vergessen, was sie am Tisch eigentlich soll. Alzheimer beeinträchtigt ihr Gedächtnis. „Essen und Trinken bedeutet für Gesunde Lust und Genuss, für Demenzkranke aber eine Last“, erklärt Heike Ohm, Pflegetherapeutin am Alzheimer Therapiezentrum im bayerischen Bad Aibling.

 

Mit schwerwiegenden Folgen. Mehr als 90 Prozent der Demenzkranken in Heimen nehmen kontinuierlich ab. „Auch die pflegenden Angehörigen sind mit der Situation oft überfordert“, sagt Ohm. Wer sich bewusst macht, welche Ess- und Trinkprobleme die Demenz mit sich bringt, kann besser damit umgehen, die Speisen anpassen und zu einem stressfreien, gesunden Essen beitragen.


Demenzpatienten deuten oft Körpersignale wie Hunger oder Magenknurren nicht mehr richtig und fragen von sich aus kaum nach Essen. Häufig treten bereits zu Beginn der Krankheit Riech- und Geschmacksstörungen auf, der Appetit lässt nach. Um die Lust auf Essen zu wecken, sollten möglichst alle Sinne angeregt werden. „Wenn der Kranke schon beim Kochen dabei ist, den Duft frischer Kräuter riecht, zwischendurch kosten darf oder Geschirr klappern hört, ist das auch ein deutliches Signal ,Jetzt gibt‘s Essen‘ “, sagt Claudia Menebröcker, Buchautorin und Diätassistentin für Geriatrische Ernährungstherapie.

 

Bei der Tischdekoration ist weniger mehr. Eine Serviette mit Obstmuster etwa kann dazu verleiten, sie zu essen. Ein farbiger Teller auf weißer Tischdecke dagegen und ein Schuss Saft im durchsichtigen Wasserglas erleichtern die Orientierung. Die einzelnen Gänge sollten nacheinander auf den Tisch kommen.

 

Der geliebte Sauerbraten bleibt Leibgericht, auch wenn der Kranke seinen Wunsch nicht mehr ausdrücken kann.  „Kochen Sie öfter die Lieblingsrezepte, alles Vertraute gibt dem Kranken Sicherheit“, erklärt Menebröcker.


Manche wissen mit Messer und Gabel nichts mehr anzufangen. Dann rät Ohm: „Essen Sie mit dem Patienten, so kann er von Ihnen abschauen.“ Diese diskrete Unterstützung ist besser als die Aufforderung „Jetzt iss doch was“. Denn „das hieße, ihn zu korrigieren, und das führt ihm nur schmerzlich seine Fehler vor Augen“.

 

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die Essen und Trinken erleichtern (siehe unten "Ess-Hilfen für Demenzkranke"). Je ästhetischer Ess- und Trinkhilfen gestaltet sind, desto weniger fühlt der Kranke sich ausgegrenzt.

 

Vergessen Demenzpatienten Tischmanieren zunehmend, sind Angehörige oft peinlich berührt. „Lassen Sie zu, dass der Kranke mit den Fingern isst“, ermuntert Ohm. „Unterstützen Sie ihn sogar darin, er erlebt dadurch Selbstständigkeit, und das ist sehr wichtig.“ Stimmen Sie das Essen darauf ab (siehe Rezept "Fruchtschnitten"). Fingerfood kann vor allem für Demenzkranke eine Alternative sein, die ruhelos und ständig „auf Achse“ sind, das heißt viele Kalorien verbrauchen, aber sich nicht zum Essen hinsetzen wollen. „Richten Sie unterwegs Tankstellen ein“, rät Ohm, „Gemüse- oder Obststücke, Frikadellen, belegte Brote, die man im Vorbeigehen essen kann.“


Manche steigern durch den starken Bewegungsdrang ihren Kalorienverbrauch auf das Dreifache. Daher unbedingt regelmäßig wiegen. „Verliert der Kranke binnen eines Jahres zehn Prozent seines Gewichts, muss man gegensteuern“, sagt Menebröcker. Etwa mit energiereicher Trinknahrung, die der Hausarzt verschreibt. „Achten Sie auch auf Schluckstörungen, sie werden im fortgeschrittenen Krankheitsstadium immer häufiger.“ Hustet der Betroffene oft, verschluckt sich, würgt andauernd, räuspert sich beim Essen oder spricht mit gurgelnder oder belegter Stimme, sind das Warnzeichen. Ein Neurologe kann eine eindeutige Diagnose stellen.

 

 

Dann sollten Sie den Speiseplan anpassen. „Streichen Sie zuerst Eintopf oder Kompott“, rät Menebröcker, „Flüssiges und Stückiges gleichzeitig zu schlucken fällt besonders schwer.“ Anfangs genügt es meist, etwa Reis durch Kartoffeln und Rind durch Geflügel zu ersetzen. Viele kommen gut zurecht, wenn nur Fleisch püriert, alles andere weich gekocht wird. Später müssen möglicherweise alle Bestandteile püriert werden. Mithilfe eines Geliermittels lässt sich jeder Brei wieder in Form bringen (siehe unten Rezeptbeispiel "Sauerbratenmousse mit Rotkohl und Klößen") – das macht mehr Appetit als mehrere Pürees auf dem Teller. Besser als mit dünnflüssigen kommen Menschen mit Schluckstörungen oft mit angedickten Getränken zurecht. Dafür gibt es in der Apotheke geschmacksneutrale Dickungsmittel.


Demenzkranke dagegen, die körperlich fit sind, möchten nicht die Hände in den Schoß legen, sondern räumen auch gern den Tisch ab. „Es gibt ihnen das Gefühl, nützlich zu sein“, sagt Ohm. Auch dafür können Mahlzeiten gut sein.



Heidi Loidl, Senioren Ratgeber; 07.05.2009, aktualisiert am 26.06.2010
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