Zwölf Minuten dauert es im Schnitt, bis der alarmierte Rettungsdienst eintrifft. Wertvolle Zeit, in der Sie als Ersthelfer mit wenigen Handgriffen Leben retten oder einen Menschen vor bleibenden Schäden bewahren können. Doch knapp 77 Prozent der ab 70-Jährigen haben Angst, etwas falsch zu machen, zeigt eine Umfrage des Senioren Ratgeber. Deshalb hier ein Leitfaden.
Anzeichen: Atemnot und heftiger Schmerz im Brustkorb – häufig ausstrahlend in Arme, Schultern, Unterkiefer oder Oberbauch. Bei Frauen und älteren Menschen sind die Beschwerden oft weniger typisch: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch.
Das sollten Sie tun: Sofort die 112 rufen. „Äußern Sie den Verdacht Herzinfarkt, verlangen Sie einen Notarzt“, rät Dr Erik Popp, Leiter der Sektion Notfallmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Ist der Betroffene ansprechbar? Eine Position anbieten, die ihm Erleichterung verschafft – „ihn jedoch nicht unnötig bewegen oder dazu bringen, noch irgendwohin zu laufen“, sagt Popp. Eine Decke oder Jacke schützt vor dem Auskühlen. Warten, bis der Notarzt kommt. Kein Lebenszeichen? „Verlieren Sie keine Zeit. Starten Sie sofort mit einer kräftigen Herzmassage, die Sie im Erste-Hilfe-Kurs erlernen“, rät Popp.
Das sollten Sie tun: Den Betroffenen ansprechen. „Liegt er ungünstig, können Sie versuchen, mit ihm gemeinsam eine Körperposition zu finden, die seinen Schmerz vermindert. Manchmal hilft es schon, jemanden auf die andere Seite zu drehen oder seinen Oberkörper mithilfe eines Kissens aufzurichten“, so Popp. Normalerweise ist es kein Problem, einen Gestürzten zu bewegen. „Ausnahme sind Menschen mit Osteoporose oder nach schweren Treppenstürzen – dann kann es sein, dass Wirbel angebrochen sind“, so der Notarzt. Eine Decke bewahrt vor dem Auskühlen. Dann die 112 alarmieren und den Kranken überwachen.
Der Patient hat sich beim Sturz geschnitten oder eine Krampfader heftig aufgeritzt? „Stark blutende Wunden fest abdrücken“, rät Popp, „notfalls mit den Händen und einem Tuch dazwischen.“ Wer es beherrscht: einen Druckverband anlegen. Dann die 112 wählen.
Anzeichen: Plötzliche Lähmung – ein Arm, ein Bein oder ein Mundwinkel „hängt“. Der Betroffene ist orientierungslos, verwirrt; er hat Sprachstörungen, spricht verwaschen oder findet das richtige Wort nicht; sieht Doppelbilder.
Das sollten Sie tun: Die 112 rufen und unbedingt den Verdacht auf Schlaganfall äußern. Dann den Betroffenen beruhigen, eventuell hinlegen und auf Auffälligkeiten achten. „Trägt der Patient eine herausnehmbare Zahnprothese, entfernen Sie sie, wenn möglich“, rät Klaus-Dieter Grossnick, Erste-Hilfe-Ausbildungsleiter beim Deutschen Roten Kreuz in Böblingen. „Hat der Patient einen Krampfanfall, besteht die Gefahr, dass er die Prothese zerbeißt und sich verletzt oder Teile davon verschluckt.“ Die Symptome verschwinden nach einiger Zeit wieder? Trotzdem rasch einen Arzt aufsuchen, da sie Vorboten eines drohenden Schlaganfalls sein können.
Anzeichen: Der Betroffene ist nicht ansprechbar, reagiert nicht auf Rütteln des Oberkörpers. „Es gibt viele mögliche Gründe: ein schwerer Sturz, Unterzucker bei Diabetes – häufig steckt ein Herzkreislaufstillstand mit Atemstillstand dahinter, etwa durch einen Herzinfarkt oder eine Lungenembolie“, sagt Popp.
Das sollten Sie tun: Sofort die 112 wählen. „Atmet der Betroffene nicht, dann sagen Sie das unbedingt“, so Popp. „In einem solchen Fall sofort eine Herzmassage durchführen – für manche Patienten oft die einzige Überlebenschance.“ Der Betroffene ist bewusstlos, atmet aber eigenständig? In die stabile Seitenlage drehen.
So geht die stabile Seitenlage
Die stabile Seitenlage verhindert, dass ein Bewusstloser, der selbstständig atmet, an seinem Erbrochenem oder Blut erstickt.
1. Den nahen Arm nach oben neben seinen Kopf legen.
2. Den anderen Arm über den Brustkorb ziehen und Hand auf die Wange legen.
3. Das ferne Knie beugen, den Bewusstlosen zu sich ziehen, den Nacken leicht nach hinten überstrecken und den Mund leicht öffnen.
Sie sorgt für ein Minimum an Blutkreislauf. Einen Handballen auf das untere Drittel des Brustbeins setzen, die andere Hand obenauf. Mit gestreckten Armen den Brustkorb 100-mal pro Minute vier bis fünf Zentimeter tief zusammendrücken.
Wichtig: Unsere Tipps können natürlich keinen Erste-Hilfe-Kurs oder praktische Übungen in Erster Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen ersetzen. Sie sollen Ihnen aber einen ersten Überblick geben und eine Motivation sein, Ihre Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen.
Petra Haas / Senioren Ratgeber;
29.06.2012
Bildnachweis: Panthermedia/Robert Kneschke, W&B/Dr. Ulrike Möhle, W&B/Ulrike Möhle
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