Der Wissensdurst älterer Menschen ist groß. Ein Interview mit Dr. Dietmar Köster vom Forschunginstitut Geragogik in Witten
Im Rahmen Ihres Projekts haben Sie mehr als 600 Menschen ab 50 gefragt, welche Bildungsangebote sie sich wünschen. Was ist herausgekommen?
Auf drei Dinge kam es ihnen an: Sie wünschten sich mehr Überblick über die Bildungsangebote in ihrer Gemeinde. Zudem möchten sie am liebsten mit anderen an einem gemeinsamen Lernziel arbeiten und dabei nicht geschont, sondern richtig herausgefordert werden.
Schongang einlegen ist nicht gefragt?
Immer mehr Ältere wollen Sinnvolles tun und mit anderen etwas bewegen. Das Bild vom Alter hat sich gewandelt. Es ist heute viel positiver und auch vielfältiger: Die heutigen Senioren haben unterschiedliche Lebensstile, Schulabschlüsse, Einkommen und Berufsbiografien. Nicht abstrakte Vorstellungen von „den Alten“, sondern die einzelnen Menschen mit ihren Bedürfnissen und Interessen müssen der Ausgangspunkt für neuartige Bildungsmaßnahmen sein.
Ist diese Botschaft schon überall angekommen?
Manche Kommunen sind leider immer noch einem Defizitdenken verhaftet, das den Älteren zu wenig zutraut. Ihnen ist zwar bewusst, dass sie für die Bewältigung des demografischen Wandels etwas tun müssen, aber sie denken vor allem an Altenheime für die steigende Zahl an Demenzkranken. Besser wäre es, mehr auf Vorbeugung durch Lernen und Aktivierung der Bürger zu setzen.
Was muss sich ändern?
Lernangebote sollten nicht mehr nach einem fertigen Bildungskanon, sondern zusammen mit den Senioren entwickelt werden, am besten in einem selbstorganisierten Prozess. Das heißt: Ältere Lernwillige sollten sich nicht darauf beschränken, einen Vortrag anzuhören, zu diskutieren und dann nach Hause zu gehen. Vielmehr sollten sie von ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen ausgehen und zum Beispiel zu der Lernaufgabe „Wie möchte ich in meinem Stadteil in Zukunft leben?“ eigene Gestaltungsideen und Konzepte entwickeln.
Welche Vorteile bringt das?
Die Teilnehmer werden sich ihrer Kompetenzen bewusst und trauen sich eher zu, Lösungen etwa ihrer Alltagsprobleme selbst umzusetzen. Dadurch übernehmen sie neue soziale Verantwortung.
www.senioren-ratgeber.de;
03.09.2009, aktualisiert am 18.05.2010
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