Herzpatienten: Vorsicht beim Schneeräumen

Schneeschaufeln kann für Menschen mit Herzerkrankungen gefährlich werden. Warum das so ist

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 05.01.2017

Schneeschippen: Kälte und körperliche Anstrengungen belasten das Herz

Thinkstock/iStockphoto

Zu Neuschnee gibt es genau zwei Meinungen. Die einen – vor allem Kinder – jubeln angesichts der weißen Pracht. Die anderen stöhnen über die Schneemassen, die nachts vom Himmel gefallen sind. Zu dieser Gruppe gehören vor allem Pendler, die morgens ihr Auto freibuddeln müssen, sowie Hausbesitzer, den den Schnee von ihrer Einfahrt und den Gehwegen räumen müssen.

Was viele nicht wissen: Der morgendliche Wintersport stellt für das Herz eine spezielle Belastung dar. Für Menschen mit Herzproblemen ist beim Schneeschaufeln besondere Vorsicht geboten. Bei verengten Herzkranzgefäßen, der sogenannten koronaren Herzerkrankung, kann schlimmstenfalls ein Herzinfarkt die Folge sein.


Risikofaktoren: Ungewohnte Belastungen und Kälte

Aus zwei Gründen ist Schneeschippen für empfindliche Herzen eine gefährliche Angelegenheit. Zum einen ist da die ungewohnte, anstrengende Bewegung. Gerade Männer neigen dazu, aus sportlichem Ehrgeiz beim Räumen zu große Mengen Schnee zu bewegen und dadurch ihr Pumporgan zu überfordern. Bestehen bereits Engstellen an den Herzkranzgefäßen, erhält das Herz möglicherweise nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe.

Zum anderen setzt die Kälte Herzpatienten zu. "Bei niedrigen Temperaturen ziehen sich die Gefäße zusammen", erklärt Dr. Norbert Smetak vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen. Das kann die Durchblutung vermindern. Zudem belastet Kälte die Lunge.

Bei schweren Herzerkrankungen anderen die Arbeit überlassen

In einer kanadischen Studie untersuchten Forscher die Krankenakten von 500 Patienten, die im Winter akute Herzbeschwerden wie Engegefühle in der Brust gehabt hatten. Immerhin sieben Prozent dieser Vorfälle hatten sich beim Schneeräumen ereignet.

Norbert Smetak erlebt in seiner Praxis in Kirchheim immer wieder Herzpatienten, die stolz erzählen, wie sie Schnee geschippt hätten. Der Herzspezialist rät von dieser Tätigkeit allerdings dringend ab bei Menschen mit schweren Herzklappenfehlern, geschädigten Herzkranzgefäßen oder anderen schwerwiegenden Herzerkrankungen. Auch alle, die erst kürzlich eine Herzoperation hinter sich gebracht haben, verzichten besser darauf. Sie sollten bei Neuschnee ein Familienmitglied oder einen Nachbarn bitten, die Arbeit für sie zu erledigen.

Herz regelmäßig untersuchen lassen

Engstellen an den Gefäßen bleiben oft lange unerkannt. Häufig kommt es erst zur Diagnose, wenn es zuvor einen schwerwiegenden Vorfall wie einen Herzinfarkt gegeben hat. Deshalb sollten sich auch vermeintlich gesunde Menschen spätestens nach dem 50. Lebensjahr zur Sicherheit alle zwei Jahre beim allgemeinem Gesundheits-Check-up von einem Arzt auf mögliche Herz-Kreislaufprobleme untersuchen lassen. Falls notwendig, kann ein Belastungs-EKG zusätzlichen Aufschluss geben.

"Wer bei sich eine plötzlich nachlassende Leistungskraft verspürt, sollte ebenfalls vorsichtshalber sein Herz untersuchen lassen", erklärt Herzmediziner Smetak. Gerät der Betroffene neuerdings schon bei geringen Anstrengungen ins Schnaufen, kann das unter anderem auf eine Herzerkrankung hinweisen. Allgemein sollten ältere Menschen ihre Leistungsgrenzen mit dem Hausarzt abklären, wenn sie unsicher sind, ob sie einer Belastung gewachsen sind. Das gilt nicht nur beim Schneeschaufeln, sondern auch beim Sport.

Tipps zum Schneeräumen

  • Rücken schonen: Schneeräumen kann den Rücken belasten. Deshalb: Passendes Werkzeug wählen, Rundrücken vermeiden und beim Schaufeln leicht in die Knie gehen.
  • Schieben, nicht schippen: Die Bezeichnung "schippen" ist missverständlich. Sie sollten den Schnee möglichst nicht anheben, sondern nur schieben.
  • Kleine Mengen: Bewegen Sie nicht zu viele Schnee auf einmal mit der Schaufel.
  • Zeit einplanen: Beim Schneeräumen hat man es meistens eilig. Doch Hektik verursacht Stress, der zusätzlich belastet.
  • Festes Schuhwerk: Tragen Sie zum Schaufeln Schuhe, mit denen Sie auf Eis und Schnee sicher stehen.
  • Warm anziehen: Beim Schneeräumen wird es einem schnell warm. Tragen Sie trotzdem ausreichend warme Kleidung, um sich vor der Kälte zu schützen. Arbeiten Sie lieber langsam, um nicht ins Schwitzen zu kommen.
  • Pausen machen: Unterbrechen Sie die Arbeit und verschnaufen Sie einen Moment, wenn Sie ins Schwitzen geraten oder Ihr Puls nach oben geht. Geraten Sie schnell aus der Puste, klären Sie die Ursachen mit einem Arzt ab.

Fazit: Wer beim Schneeräumen keine Beschwerden davonträgt, kann sich im Anschluss umso mehr über die verschneite Landschaft freuen. Wie damals, als Kind.



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