So fordern Sie Ihre Krankenakte an

Der Patient darf seine Unterlagen vom Arzt oder der Klinik anfordern. Ihre Rechte im Überblick
von Raphaela Birkelbach, 25.07.2016

Sprechstunde: Patienten haben das Recht, ihre Krankenakte einzusehen

Shotshop/Monkey Business/RYF

Wie dumm! Das Archiv samt der Krankenakte, die der Patient einsehen wollte, sei abgebrannt. Judith Storf lacht. "Dieser Arzt hat sich Haarsträubendes einfallen lassen, um sich nicht in die Karten gucken zu lassen", erinnert sich die Patientenberaterin des Bielefelder Gesundheitsladens. Doch meist zeigen sich die Mediziner kooperativ, wenn es um Einsicht in die Patientendokumente geht. Weil das Vertrauen stimmt, meint Storf. "Und weil Ärzte wissen, dass das Recht aufseiten der Patienten ist."

Gleichwohl fordern gerade ältere Menschen einen OP-Bericht oder die Ergebnisse ihrer Blutuntersuchung nicht selbstverständlich ein. Sie wollen es sich nicht mit dem Arzt verscherzen, beobachtet Frank Lepold vom Deutschen Patientenschutzbund. "Dabei geht es um nichts weniger als die eigene Gesundheit."

1. Wozu brauche ich die Akte? 

Sie wollen sich in Ruhe ein Bild über Ihre Therapie machen, Sie ziehen um oder wechseln den Doktor? Auch wenn ein Arzt in Rente geht, fordern viele Patienten ihre Krankenakte an. Für ein ärztliches Gutachten oder für den Nachweis bei einer Versicherung ist es oft ebenso erforderlich. 

2. Habe ich ein Recht darauf?

Juristisch ist klar: Patienten dürfen die Patientenunterlagen einsehen (mit Ausnahme persönlicher Kommentare des Arztes) und als Kopie mit nach Hause nehmen – und zwar "unverzüglich", schreibt der Gesetzgeber vor. "Die Formulierung lässt Spielraum zu", räumt Lepold ein. Geben Sie bei Ihrer Anfrage einen zeitlichen Rahmen vor, an dem sich der Arzt orientieren kann.

3. Wann darf mir der Arzt die Einsicht verwehren?

Wenn der behandelnde Arzt befürchten muss, dass ein Patient durch das Lesen der Akte Schaden nimmt, darf er die Bitte ablehnen. Das kann etwa bei einem psychiatrischen Leiden wie einer Psychose der Fall sein. Oder wenn die Papiere vertrauliche Daten über Dritte enthalten, wie etwa bei einer Erbkrankheit. "Der Arzt muss seine Ablehnung begründen", betont Patientenberaterin Storf.  

4. Was steht überhaupt drin?  

Jeder Arzt ist verpflichtet, alle Informationen über die Krankheit und die Behandung des Patienten exakt zu dokumentieren. Ob Aufklärungsgespräch, Therapieempfehlungen, Arztbriefe, Laborbefunde oder Röntgenbilder: "Die Patientenkartei muss stets aktuell sein", betont Frank Lepold. Nachträgliche Korrekturen sind nur möglich, wenn der ursprüngliche Inhalt deutlich sichtbar bleibt und das Änderungsdatum dabeisteht.

5. Bekomme ich die Originale?

Nein, der Patient hat aber Anspruch auf Kopien oder elektronische Datenträger, die er bezahlen muss. Original-Röntgenbilder kann der Arzt dem Patienten mitgeben (aber nur als vorübergehende Leihgabe!), um weitere Röntgenuntersuchungen zu vermeiden. Im Zeitalter digitaler Aufnahmen ist das Ausleihen der Originalbilder jedoch nicht mehr nötig.

6. Wie lange werden meine Krankendaten aufbewahrt?  

Mindestens zehn Jahre lang. Verkauft ein Arzt seine Praxis oder geht er in Rente, muss er dafür Sorge tragen, dass die Dokumente ordnungsgemäß unter Verschluss bleiben.

7. Bekommen Angehörige Einblick?

Nein, es sei denn, der Patient gibt ausdrücklich seine Einwilligung dazu. Nach dem Tod des Patienten können nächste Angehörige und Erb­­berechtigte (Erbschein vorlegen!) um Einblick bitten. Ein Patient kann aber ausdrücklich bestimmen, dass im Todesfall niemand in seine Krankenunterlagen einsehen darf.

8. Was tun, wenn mir die Akteneinsicht verweigert wird?  

Tragen Sie Ihr Anliegen ein zweites Mal vor. Spätestens jetzt sollten Sie das schriftlich tun. Richten Sie Ihr Anschreiben an die Arztpraxis oder an die Verwaltung der Klinik. "Verweisen Sie auf die bestehende Rechtslage", empfiehlt Patientenberaterin Storf. Bleibt die Anfrage ohne Erfolg, wenden Sie sich an unabhängige Patientenberatungsstellen oder die Bundesärztekammer.

Adressen:  

Gesundheitsladen Bielefeld e.V.
Breite Str. 8, 33602 Bielefeld
Telefon: 05 21/13 35 61
www.gesundheitsladen-bielefeld.de

 

Deutscher Patienten Schutzbund e.V.
Hubertusstraße 1A, 41541 Dormagen
Telefon: 0 21 33/4 67 53
www.dpsb.de


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