Trockener Mund: Was hilft

Mundtrockenheit ist besonders im Alter ein weit verbreitetes Problem. Welche Ursachen dahinter stecken und was Betroffene dagegen unternehmen können

von Dagmar Fritz, aktualisiert am 14.12.2016

Ausreichend trinken hilft, Mundtrockenheit vorzubeugen

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Leckerer Duft lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen – doch was, wenn die Zunge trocken bleibt? Gerade ältere Menschen leiden häufig unter Mundtrockenheit. Eine geringe Speichelproduktion beeinträchtigt nicht nur das Schlucken und die Geschmackswahrnehmung, sondern bringt auch gesundheitliche Probleme mit sich.

Speichel: Schutzschild im Mund

Im Idealfall ist unser Mund gut befeuchtet. Dafür sorgen zahlreiche Speicheldrüsen: die großen Ohrspeicheldrüsen, die Unterkieferspeicheldrüsen und Unterzungendrüsen, außerdem zahlreiche, stecknadelkopfgroße Drüsen im Gaumen, Rachen, in den Wangen und Lippen. Im Normalfall produzieren diese Drüsen bis zu zwei Liter Speichel pro Tag.


Der Speichel selbst besteht zu 99 Prozent aus Wasser, doch das restliche Prozent hat es in sich: Im Speichel enthalten sind Enzyme, die verdauungsfördernd wirken und bereits beim Kauen lange Kohlenhydratketten aufspalten können. Außerdem enthält Speichel Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Calcium sowie Spuren von Fluorid, Jodid, Eisen, Zink und Selen. Auch Antikörper finden sich Speichel, weshalb dieser auch bei der lokalen Immunabwehr eine Rolle spielt. Ist die Mundhöhle gut mit Speichel benetzt, wird die Spucke zum körpereigenen Schutzschild: "Speichel hat wichtige, protektive Eigenschaften", so Professor Roland Laszig, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Direktor der HNO-Uniklinik in Freiburg.

Speichel wehrt Keime ab

Speichel bewahrt die empfindliche Mundschleimhaut vor Austrocknung und sorgt für eine ausgeglichene Mundflora. Das im Speichel enthaltene Fluorid baut außerdem den Zahnschmelz auf. Das feuchte Milieu hält Lippen und Zunge beweglich. Und nicht zuletzt feuchtet der Speichel beim Essen trockene Nahrung an und macht sie so leichter genießbar.


Ursachen für Mundtrockenheit

Eine der häufigsten Ursachen für Mundtrockenheit ist Flüssigkeitsmangel, denn ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr können Speicheldrüsen nicht arbeiten. "Die meisten Senioren trinken zu wenig", so Laszig. Auf rund eineinhalb bis zwei Liter am Tag sollte man kommen, besonders wenn man unter einem trockenen Mund, einer klebrigen Zunge oder rissigen Lippen leidet.

Auch Schwierigkeiten beim Schlucken können die Folge von Flüssigkeitsmangel sein. "Bei Mundtrockenheit kann es leicht zu Verletzungen der empfindlichen Mundschleimhaut kommen", sagt HNO-Arzt Laszig. Außerdem brauchen Speicheldrüsen Bewegung: Kräftiges Kauen regt die Speicheldrüsen zur Arbeit an. Ebenso tun dies Geschmacks- und Geruchsempfindungen.

Medikamente können den Speichelfluss hemmen

Auch Arzneimittel sind häufig der Grund für Mundtrockenheit. Besonders Herzmedikamente, Rheumamittel, starke Schmerzmittel, Antidepressiva, Blutdrucksenker und Antibiotika können als unerwünschte Nebenwirkung die Speichelproduktion eindämmen. Müssen Patienten täglich mehrere Medikamente schlucken, bleibt ihnen besonders häufig die Spucke weg.

Einige Krankheiten lassen ebenfalls den Speichelfluss versiegen. Wer unter chronischer Nebenhöhlenentzündung leidet oder unter Atemaussetzern in der Nacht, schläft meist mit offenem Mund, was wiederum die Mundhöhle austrocknen lässt. Auch Krankheiten wie Diabetes oder Multiple Sklerose können zu Mundtrockenheit führen. "Bei einer Krebstherapie werden durch Bestrahlungen im Mundraum häufig die großen Speicheldrüsen geschädigt", erklärt Roland Laszig zudem.

Sjögren-Syndrom: Automimmunkrankheit greift Drüsengewebe an

In sehr seltenen Fällen ist starke Mundtrockenheit ein Symptom für das Sjögren-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung, an der überwiegend Frauen leiden. Chronische Entzündungen im Körper zerstören dabei vor allem das Gewebe von Tränen- und Speicheldrüsen. Die Betroffenen leiden unter sehr trockenen Schleimhäuten. Bemerkbar macht sich das an trockenen Augen, Scheidentrockenheit und Mundtrockenheit. Das Sjögren-Syndrom ist eine genetisch bedingte Krankheit und nicht ansteckend.

Ist der Mund zu trocken, beeinträchtigt das auch das Geschmacksempfinden, das Schlucken wird zum Problem, das Essen zur Qual. "Durch den Mangel an Speichel können sich Bakterien gut vermehren. Mundgeruch, Karies und Zahnfleischentzündungen sind die Folge", sagt Laszig. Wer unter Mundtrockenheit leidet, muss daher besonders intensiv seine Zähne pflegen. Damit ein trockener Mund nicht Zähnen und Zahnfleisch schadet, sollten Betroffene regelmäßig zum Zahnarzt gehen und eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen.

Was kann man gegen Mundtrockenheit tun?

So unterschiedlich die Ursachen sein können – das wichtigste Gegenmittel ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Am besten zwei Liter pro Tag sollten es sein an Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertees.

Zuckerfreie Bonbons, am besten mit Salbei, Fenchel oder mit saurem Geschmack fördern die Speichelbildung. Auch Kaugummi kauen hilft, die Speichelproduktion anzukurbeln. Besonders beim Essen ist es wichtig, ausreichend zu trinken, damit man sich an trockenen Bissen nicht verschluckt. "Wenn das alles nichts hilft, sollte man einen HNO-Arzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen", rät Laszig. In manchen Fällen hilft es, die Medikamente umzustellen oder seine Lebensgewohnheiten zu verändern.

Speichelersatz aus der Apotheke

Linderung versprechen auch Speichelersatzmittel, die es als Spray oder Tropfen in der Apotheke gibt. "Die meisten Betroffenen versuchen es mit diesen Produkten, die Akzeptanz ist aber gering", so die Erfahrung von HNO-Arzt Laszig. Der Kunstspeichel überzieht die Mundschleimhaut mit einem schützenden Film und ahmt so die positiven Eigenschaften natürlicher Spucke nach. Speichelersatzprodukte können aber den Zahnschmelz demineralisieren, weshalb eine gute Zahnpflege umso wichtiger ist.



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