Was Schwerpunkt-Apotheken leisten

Ob Parkinson, Pflanzenmedizin oder Schmerzen: Viele Apotheker spezialisieren sich auf bestimmte Schwerpunkte. Wie Kunden von dem besonderen Know-how profitieren
von Raphaela Birkelbach, 21.08.2017

Gut beraten: Schwerpunkt-Apotheken bieten kompetentes Wissen

W&B/Henglein & Steets

Alarmstufe Rot. "Rund um den Schmerz", prangen die weißen Lettern auf dem leuchtenden Untergrund. Der Hingucker in der Beratungsecke soll innehalten lassen. Etwa all jene Kunden, die gerade das x-te Medikament gegen ihr schlimmes Kreuzweh holen. Das wünscht sich zumindest Hendrikje Lambertz aus Berlin. "Wir informieren Patienten ausführlich über die Chancen und die Gefahren von Schmerzmitteln", erklärt die Apothekerin.

Fachkundiges Detailwissen

Rund 360 Apotheken bundesweit kümmern sich im Rahmen des Projekts "NetzwerkApotheke Schmerz" gezielt um die Belange der Gepeinigten – in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Auch bei anderen Kollegen wächst der Wissensdurst. Immer mehr von ihnen vertiefen ihre Kenntnisse über Diabetes, Parkinson oder Rheuma, wieder andere Apotheker spezialisieren sich neben herkömmlicher Beratung auf häusliche Pflege, Prävention oder Heilpflanzen. Entsprechend weisen sie sich als Kompetenz- oder Schwerpunktapotheke aus, was aber kein geschützter Begriff ist, wie Dr. Helmut Schlager aus München anmerkt. "Die Qualifizierung dafür ist nicht einheitlich geregelt", so der Weiterbildungsexperte an der Bayerischen Landesapothekerkammer.

Hendrikje Lambertz bietet in ihrer Berliner Apotheke eine Beratungsecke bei Schmerzen

W&B/Jonas Holthaus

Anders beim Fachapotheker: Um diesen Titel tragen zu dürfen, müssen sich die Pharmazeuten über Apothekerkammern schulen lassen und eine Prüfung ablegen. In Deutschland sind derzeit rund 16.100 von ihnen als Fachapotheker tätig. Schlager begrüßt dieses Engagement. "Grundsätzlich wird jeder Kunde in jeder Apotheke umfassend gut beraten. Aber gerade bei speziellen Problemen profitiert er besonders vom Know-how des Experten vor Ort."

Niedrigschwelliges Angebot

So empfiehlt Hendrikje Lambertz etwa die Gabe von Folsäure, wenn ein Patient das entzündungshemmende Methotrexat erhält. Der Ratschlag beruht auf neuen Studien, "damit lassen sich in Absprache mit dem Arzt und Apotheker Nebenwirkungen reduzieren", erklärt die Berliner Apothekerin. Fachkundiges Detailwissen, "und das ohne Termin beim Facharzt. Unser Angebot ist sehr niedrigschwellig."

Ob sich der Kunde an der richtigen Adresse fühlt, ist eine Frage des Vertrauens, das bei intensiver Beratung oft wächst. "Schmerzpatienten wollen ernst genommen werden", findet die Pharmazeutin aus Berlin. Nach häufig jahrelanger Krankenkarriere seien diese häufig selbst ihre besten Experten, "sie sind dankbar, wenn wir mit ihnen auf Augenhöhe sprechen".

Service Spezialwissen

Jeder Apotheker kann sich weiterbilden – etwa zum Thema Allgemeinpharmazie: Dort erweitert er sein Wissen rund um die pharmazeutische Beratung in der öffentlichen Apotheke. Nach der dreijährigen Weiterbildung darf er sich Fachapotheker nennen. Ergänzend kann er in bestimmten Bereichen eine Zusatzbezeichnung erwerben, zum Beispiel in der Ernährungsberatung, der Geriatrischen Pharmazie oder zu den Themen Naturheilverfahren und Homöopathie.

Dr. Sabrina Schröder, Apothekerin aus Bochum, macht sich für Parkinson-Patienten stark

W&B/Carsten Behler

Das tut auch Dr. Sabrina Schröder in der Kompetenzapotheke Parkinson. Die Bochumer Apothekerin kennt die Sorgen der Patienten, wenn das neurologische Leiden fortschreitet und neue Beschwerden wie Inkontinenz, Verstopfung oder Depressionen auftauchen. "Ältere Parkinsonkranke sind mit den vielen Medikamenten oft überfordert", erlebt Schröder.

Dann ist die Arzneimittelfachfrau eng an ihrer Seite: Sie empfiehlt die schützende Gabe von B-Vitaminen und D3, erstellt auf die Mahlzeiten abgestimmte Medikationspläne oder rät, eine Arzneidosis beim Arzt neu bestimmen zu lassen. Und: Sie schult Kollegen zum Thema Parkinson – auch in enger Absprache mit der Deutschen Parkinson-Vereinigung (dPV). Um die pharmazeutische Betreuung der Parkinson-Patienten bundesweit zu verbessern, kooperiert die Patientenorganisation dPV seit Anfang des Jahres mit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Pluspunkt menschliche Nähe

Ein richtiger Schritt, urteilt Professor Gerhard Riegl von der Hochschule Augsburg. "Die persönliche Beratung vor Ort ist ein großes Plus", sagt der Patientenforscher. "Informationen über Parkinson oder Schmerzen gibt es im Internet. Menschliche Nähe und einen Apotheker, der sich in die persönlichen Ängste und Gewohnheiten einfühlt, nicht."

Stimme die Chemie, so Riegl, sei man gut beraten, auf die Schwerpunktapotheke oder den Fachapotheker zu setzen. Um Ansprechpartner zu finden, kann er in der Apotheke fragen, sich im Internet oder bei Selbsthilfegruppen informieren. Zertifizierte Apotheker machen zudem mit Schildern auf ihren Service aufmerksam – oder wie Hendrikje Lambertz mit einer eigenen Beratungsecke.


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