Zahnprothese reinigen und pflegen

Sechs Tipps für Eingewöhnung und Alltag mit den dritten Zähnen – und wann Haftcreme oder eine professionele Zahnreinigung sinnvoll sind
von Dagmar Fritz, 26.07.2017

Nicht nur eigene Zähne brauchen Pflege, auch der Zahnersatz muss geputzt werden

iStock/powershot

Zähne wollen täglich geputzt werden – das gilt auch für die Dritten. "Mangelnde Hygiene führt schnell zu Mundgeruch und kann Zahnfleischentzündungen verursachen", sagt Professor Christoph Benz, Zahnmediziner aus München und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Wer ein paar wichtige Regeln beim täglichen Zähneputzen beachtet, vermeidet Bakterien und hartnäckigen Zahnstein auf dem Kunstgebiss.

Sechs Reinigungs-Tipps für Zahnersatz

1. Möglichst nach jeder Mahlzeit die Prothese unter fließendem Wasser abspülen, das hält den Zahnersatz sauber und verhindert, dass sich Mundgeruch bildet.

2. Besonders abends muss die Zahnprothese gründlich gereinigt werden. Dazu den Zahnersatz mit einer weichen Zahnbürste oder mit einer speziellen Prothesenbürste und mit antibakteriellen Prothesengel sauber bürsten und gut abspülen. "Keine normale Zahnpasta verwenden, die Schleifpartikel sind zu grob und zerkratzen den Zahnersatz", sagt Zahnmediziner Benz. Wer möchte, kann zum Reinigen der Prothese auch Flüssigseife oder Spülmittel benutzen – danach das Gebiss besonders gut abspülen. Der Zahnarzt rät: "Auf keinen Fall mit scharfen Mitteln wie Essig oder Zitronensäure arbeiten – das greift den Kunststoff an."

3. Ideal ist es, wenn man den Zahnersatz vor dem Putzen aus dem Mund nimmt und einige Minuten trocknen lässt. So werden Zahnbeläge deutlicher sichtbar. Damit man beim Putzen nichts übersieht, am besten immer die Brille aufsetzen.

4. Beim Putzen möglichst systematisch vorgehen und Innen- Außen-, und Kauflächen gründlich bürsten und dabei auch die Verankerungsklammern nicht vergessen. Bei implantatgestütztem Zahnersatz müssen auch die Implantatstifte mit der Bürste gut geputzt werden. Gegen hartnäckige Zahnbeläge, wie sie von Kaffee, Tee oder Nikotin verursacht werden, hilft einmal die Woche eine gründliche Reinigung mit Prothesenreiniger. Dazu das Gebiss über Nacht in ein Glas mit Wasser legen und eine Prothesenreinigungstablette hinzugeben.

5. Zahnersatz ist teuer. Deshalb beim Reinigen besonders vorsichtig mit dem zerbrechlichen Kunststoffgebiss umgehen: Wer die Dritten über dem Waschbecken reinigt, der legt das leere Waschbecken am besten mit einem Handtuch aus oder man lässt das Waschbecken mindestens zu einem Drittel mit Wasser ein. Sollte das Gebiss aus der Hand rutschen, fällt es weich und zerbricht nicht an der Keramik.

6. "Ob man die Zahnprothese in der Nacht tragen sollte oder nicht, ob man sie am besten trocken oder nass aufbewahrt – darüber sind sich die Fachleute nicht einig", sagt Benz. "Ich empfehle die Prothese nachts rauszunehmen, das entlastet die Schleimhaut." Nach der abendlichen Reinigung, kann man die Vollprothese gründlich mit Wasser abspülen und in einer Box über Nacht aufbewahren. Vor dem erneuten Einsetzen morgens nochmals unter fließendem Wasser abspülen und in den Mund setzen. Wichtig zu wissen: Wer sein Gebiss auch nachts trägt, sollte morgens den Zahnersatz herausnehmen und ihn mit Bürste und Prothesengel reinigen.

Zahnersatz: Probleme bei der Eingewöhnung

Eine Zahnprothese bedeutet eine große Umstellung, denn der Mundraum ist sensibel. "Der erste Monat der Eingewöhnung ist am schwierigsten", so die Beobachtung von Professor Christoph Benz. In den ersten Wochen mit Zahnersatz kommt es häufig zu wunder Mundschleimhaut und zu schmerzhaften Druckstellen.


"Druckstellen entstehen, wenn die Prothese nicht perfekt sitzt und der Kaudruck ungleichmäßig verteilt ist", erklärt der Zahnmediziner. Eine neue Prothese kann dann nachgearbeitet werden, um die Stelle auszugleichen. Danach heilt die Druckstelle meist sehr schnell ab. "Patienten sollten nicht zu lange warten, sondern möglichst schnell den Arzt aufsuchen", rät Benz. Druckstellen können sehr schmerzhaft sein und verschwinden meist nicht von alleine. Auch bei Veränderungen der Schleimhaut, Entzündungen und Pilzbefall sollte man frühzeitig seinen Zahnarzt aufsuchen.


Die meisten Patienten haben in den ersten Wochen mit dem neuen Zahnersatz Probleme beim Essen und Sprechen. Anfangs sollte man deshalb überwiegend weiche Nahrungsmittel essen. Was das Sprechen angeht, müssen manche Laute erst mit der Prothese im Mund geübt werden. Es kann helfen, sich selbst aus der Zeitung vorzulesen. "Weil sich die Resonanzräume im Mund verändern, hört man plötzlich auch seine eigene Stimme anders", sagt Benz. "Die ersten Wochen mit Zahnersatz sind schwierig. Eine positive Haltung dem Thema gegenüber hilft, diese Zeit zu meistern."


Was bringt eine professionelle Prothesenreinigung?

Wenn sich der Zahnersatz verfärbt und sich die Oberfläche rauer anfühlt, liegt das an hartnäckigen Belägen, die sich abgesetzt haben. Zahnstein und unschöne Beläge entfernt der Zahnarzt bei einer professionellen Prothesenreinigung.

"Ein idealer Zeitpunkt dafür ist die Kontrolle der Prothese beim Zahnarzt, die mindestens einmal im Jahr nötig ist", sagt Zahnmediziner Benz. Dabei untersucht die Zahnärztin oder der Zahnarzt den Sitz der Prothese und prüft das Kunststoffgebiss auf Sprünge und Veränderungen. Als Zusatzleistung bieten die meisten Zahnärzte an, die Prothese während der Untersuchung in einem Ultraschallbad gründlich zu reinigen. Dabei lösen die Druckwellen des Ultraschallgeräts Beläge wie Tee- und Nikotinablagerungen sowie hartnäckigen Zahnstein.

Anschließend poliert der Arzt den Zahnersatz, um die Oberfläche zu glätten. "Das verhindert, dass sich schnell neuer Belag ansetzt", erklärt Benz. Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für diese Leistungen in der Regel nicht. Wer zuhause sein Gebiss per Ultraschall reinigen möchte, kann sich ein Ultraschallbad zulegen. Einfache Geräte sind im Handel schon ab 35 Euro erhältlich.

Haftcreme nur in Ausnahmefällen nötig

Zahnersatz muss gut sitzen und darf nicht wackeln. Haftcreme fördert den festen Sitz. Sie enthält Quellstoffe, die sich ausdehnen, wenn sie mit Speichel in Berührung kommen und so das Gebiss am Kiefer halten. "Haftcreme ist dann sinnvoll, wenn nur noch wenig Kiefer übrig ist", sagt Benz. "Dauerhaft sollte man jedoch nicht auf Haftcreme angewiesen sein", sagt der Experte, "denn dann stimmt etwas mit der Prothese nicht oder man sollte über ein Implantat nachdenken."

Bei Haftcreme gilt: Weniger ist mehr. Drei bis vier erbsengroße Tropfen genügen für einen festen Sitz. Zuviel Haftcreme verschlechtert den Halt. Überschüssige Haftcreme bekommt man am besten mit Speiseöl weg. Dazu die Prothesenbürste in etwas Öl eintauchen und die Reste der Haftcreme vom Gebiss abbürsten. Auch vom Zahnfleisch gehören Rückstände der Haftcreme entfernt.


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