Bei Bärbel M. war das anders. Schon vor 15 Jahren haben Ärzte dem Herzen der Patientin zwei künstliche Klappen eingesetzt. "Im Sommer 1997 habe ich dann den Defibrillator bekommen“, erzählt die Kranke.
Sie hatte Glück im Unglück, findet Sperzel. "30 bis 40 Prozent der Patienten, denen plötzlicher Herztod droht, werden nicht versorgt“, schätzt der Kardiologe. Zu den Kandidaten für das Implantat gehören nicht nur Kranke, die ein Kammerflimmern überlebt haben oder bei denen das EKG lebensbedrohliche Rhythmusstörungen aufweist. "Auch Patienten mit schwerer Herzschwäche kommen als Risikopatienten infrage“, betont Sperzel. Pro Jahr betreut der Kardiologe rund 500 Menschen, die sich auf den Alltag mit einem Defibrillator einstellen müssen.
Auch für Bärbel M. änderte sich das Leben 1998 schlagartig: Ein Jahr nach der Implantation wurde der Aufpasser in ihrer Brust fünfmal in Folge aktiv. Ein Gefühl, als ob Funken sprühen. "Bei jedem Schlag bin ich einen Schritt vor und wieder zurückgegangen“, weiß die ICD-Patientin nur noch. Ein Jahr später wiederholte sich dieses Hin und Her zwischen Leben und Tod, wieder meldete sich der ICD in ihrer Brust. 15-mal stand ihr Leben auf der Kippe. Bei den ersten Schocks hat die 50-Jährige noch mitgezählt, "doch irgendwann habe ich damit aufgehört. Ich weiß nur noch, dass dann auf einmal Doktor Sperzel da war.“
Die zweifache Mutter ist froh, dass ihr der Kardiologe aus Bad Nauheim damals beigestanden hat. Heute sitzt in seinem Büro ein kleines Stofftier. "Stimmt.“ Die Herzkranke lächelt, und wieder landen ihre Worte im Nirgendwo. "Ja, ich habe Dr. Sperzel einen Teddy geschenkt.“ Ein kleiner selbst genähter Bär, Sperzel sein Name – auch er ist ein Teil von Bärbel M. Jener, der dankbar ist und die Angst ausbremst, die die Geschockte in einsamen Stunden befällt. "Ein ICD ist ein Freund, kein Feind“, sagt sie sich dann. Das hilft ihr.