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Nächtlicher Harndrang: Ursachen behandeln

Millionen leiden nachts unter starkem Harndrang, der sie um den Schlaf bringt. Wer die Beschwerden lindern möchte, muss zuerst den Ursachen auf den Grund gehen


Starker Harndrang in der Nacht ist eine häufige Ursache für Schlafprobleme

Kennen Sie es auch? Das drückende, drängende Gefühl, das einen mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt und nicht mehr loslässt. Die einzige Abhilfe besteht darin, dem Bedürfnis nachzugeben, aufzustehen und auf dem Klo die Blase zu entleeren. Kommt Ihnen diese Szene nur zu vertraut vor, sind Sie nicht allein. Millionen Senioren leiden unter nächtlichem Harndrang, vor allem Männer. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer Nykturie.

Offen mit den Beschwerden umgehen

Starker nächtlicher Harndrang kann mit einer Inkontinenz einhergehen, muss aber nicht. Die Regel Nummer eins beim Umgang mit den Beschwerden lautet: Keine falsche Scham. Störungen im Blasen- und Darmbereich sind nach wie vor ein gesellschaftliches Tabuthema. Gerade deshalb ist es wichtig, sie nicht zu verschweigen. Eine schwache Blase muss nicht als gegeben akzeptiert werden. In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden mit einfachen Maßnahmen unter Kontrolle bringen.


Für die Beschwerden gibt es viele mögliche Ursachen. Betroffene sollten sie mit Ihrem Hausarzt oder Urologen abklären.

Urologische Ursachen: Prostata und Engstellen

Bei Männern führt oft eine vergrößerte Prostata zu Problemen mit dem Harndrang. Das Organ liegt unterhalb der Harnblase. Vergrößert sich die Prostata, drückt sie gegen die Blase. „Die ständigen Reize bewirken, dass die Blase instabil wird“, erklärt Professor Klaus-Peter Jünemann von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Er leitet die Klinik für Urologie und Kinderurologie in Kiel.

Männer sollten eine veränderte Prostata auf jeden Fall näher untersuchen lassen. Meist ist die Vergrößerung harmlos, manchmal steckt aber auch ein bösartiges Geschwür dahinter. Je früher ein Prostatakrebs entdeckt wird, desto leichter lässt er sich mit Hilfe einer Operation oder einer Bestrahlungstherapie behandeln.

Bei einer harmlosen Vergrößerung wird der Arzt versuchen, das Problem erst einmal mit Medikamenten in den Griff zu kriegen. Zeigen sie keine ausreichende Wirkung, kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei stehen dem Arzt wieder mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, beispielsweise Elektroschlinge (TUR-P) oder Laserverfahren. Seltener sind eine Blasenhalsenge oder Harnröhrenenge für häufigen Harndrang verantwortlich. In beiden Fällen kann der Arzt die Engstellen beseitigen, indem er sie mit Hilfe eines leichten Eingriffs aufschneidet.

Herzschwäche, Diabetes und Medikamente

Zu den nicht-urologischen Ursachen für nächtlichen Harndrang gehören Diabetes oder eine Herzschwäche. Eine verringerte Pumpleistung des Herzmuskels führt dazu, dass sich beispielsweise in den Beinen Blut staut. Diese Flüssigkeit wird nachts im Liegen abgeschwemmt. Auch hier ist eine geeignete Therapie wichtig. Der behandelnde Arzt kann zum Beispiel bestimmte Medikamente – etwa ACE-Hemmer, Betarezeptorenblocker und Diuretika – verschreiben. Diuretika führen zum Beispiel dazu, dass der Körper verstärkt Salze ausscheidet. Sie wirken somit stark harntreibend. Falls möglich, sollten Patienten sie in Absprache mit dem Arzt deshalb nicht zu spät am Tag einnehmen, wenn sie bereits nachts Probleme mit dem Harndrang haben.

Harndrang protokollieren

Doch ab wann wird nächtliches Aufstehen zu einem Problem? Allein mit Zahlen lässt sich der Schweregrad einer Nykturie nicht bestimmen. „Wichtig ist der Leidensdruck, der auf dem Betroffenen lastet“, sagt Urologe Jünemann. Für den einen stellt zweimal pro Nacht aufstehen zu müssen keine große Belastung dar, während für andere bereits eine Unterbrechung der Nachtruhe die reinste Qual bedeutet – das gilt besonders für Menschen, die nur schwer wieder einschlafen.

Urologe Jünemann empfiehlt Betroffenen, über mehrere Tage hinweg Protokoll über ihre Toilettengänge zu führen. Dabei sollten sie auch vermerken, wie stark der Harndrang ist und wann sie trinken. Diese Informationen sind wichtig für den Arzt, um den Ursachen auf die Spur zu kommen. Geben die Betroffenen pro Toilettengang nur wenig Urin ab, kann das beispielsweise auf eine vergrößerte Prostata hindeuten, eine große Menge dagegen eher auf eine Herzschwäche. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft bietet auf ihrer Homepage www.kontinenz-gesellschaft.de* ein Protokoll zum Download an.

Was Betroffene gegen nächtlichen Harndrang tun können

Die Ursachen für den nächtlichen Harndrang zu behandeln ist Aufgabe des Arztes. Dennoch können Betroffene selbstständig Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Symptome zu lindern. Dabei sollten sie zu später Stunde harntreibende Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee oder Alkohol meiden. „Abends generell auf trinken zu verzichten, ist aber nicht nötig“, sagt Jünemann. Gerade Senioren, die wenig trinken, sollten darauf achten, im Tagesverlauf nicht weniger zu sich zu nehmen.

Unkontrollierter Harndrang lässt sich zudem mit gezieltem Beckenbodentraining in den Griff kriegen. Auch für eine überaktive Blase kennt Urologe Jünemann eine einfache Übung für zu Hause: „Wenn der Harndrang kommt, gehen Sie nicht gleich auf die Toilette. Sondern setzen Sie sich erst einmal ruhig hin“, beschreibt er. Nach weniger als einer Minute sollte das drängende Bedürfnis verschwunden sein. Dann erst sollten Betroffene sich erleichtern.

Diese Maßnahmen, die Betroffene selbstständig zu Hause ausführen können, ersetzen aber nicht die ärztliche Untersuchung. Denn nur wenn die Ursachen für den nächtlichen Harndrang erkannt werden, lassen sich die Symptome effektiv lindern. Eine Garantie für Nächte ohne Aufzustehen gibt es zwar nicht – die Wahrscheinlichkeit dafür steigt aber mit einer fachgerechten Behandlung.

* www.senioren-ratgeber.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für Inhalte externer Internetseiten




Bildnachweis: Mauritius Images/AGE

Stephan Soutschek / www.senioren-ratgeber.de; aktualisiert am 24.01.2014, erstellt am 14.02.2012
Bildnachweis: Mauritius Images/AGE

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