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Sicher durch Schnee und Eis

In der kalten Winterzeit sind glatte Wege für Senioren eine besondere Herausforderung. Wie Sie am besten vorbeugen können


Winterzeit: Ältere Menschen sind besonders sturzgefährdet

Schnee und Eis – ein Spaß für die Kinder, aber der Schrecken vieler älterer Menschen. Manch einer traut sich kaum mehr vor die Tür, aus Angst vor Sturz, Verletzung, Knochenbruch. Selbst der kurze Weg zum Briefkasten wird zum täglichen Nervenkitzel: Bleibe ich standfest? Ein Sturz kann dramatisch ausgehen. Der Oberschenkelhalsbruch – in Deutschland sind es rund 100.000 Fälle pro Jahr – bedeutet für viele Patienten das Ende der Unabhängigkeit und Mobilität. Ein Drittel aller Patienten über 85 Jahre sterben innerhalb eines Jahres nach einer Schenkelhalsfraktur.

Man kann jedoch vorbeugen. Schneeketten für die Schuhe, Spikes und einiges mehr kann helfen, sicher durch den Winter zu kommen. Allerdings: „Nur die wenigsten älteren Menschen beugen dem Sturzrisiko vor“, sagt Professor Fritz Uwe Niethard von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. In Zahlen drückt sich das so aus: 30 Prozent der Männer und Frauen über 65 stürzen mindestens ein Mal im Jahr. In den höheren Altersklassen nimmt das Sturzrisiko exponentiell zu, mit oft schlimmen Folgen wie Frakturen, inneren Verletzungen, bleibenden Lähmungen. Zwar ereignen sich laut Statistik die meisten Stürze in den eigenen vier Wänden, doch bei widrigem Winterwetter schieben deutschlandweit die Orthopäden und Chirurgen Sonderschichten.

 


Ältere Menschen sind besonders sturzgefährdet. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Die Sehkraft lässt mit den Jahren nach, sodass Stolper- oder Rutschfallen zu spät erkannt werden. Das Gleichgewichtsempfinden wird schwächer, die Muskulatur bildet sich zurück. Gelenkverschleiß schränkt die Beweglichkeit ein, die Reaktionsfähigkeit verlangsamt sich, Ausweichen und Ausgleichen funktioniert nicht mehr so zuverlässig wie früher. Der Gang erfordert mehr Konzentration und wird doch unsicherer.

Es muss nicht gleich das Steigeisen für die Gletschertour sein. Wenn das dicke und möglichst raue Profil des Winterstiefels nicht ausreichend Halt auf rutschigem Untergrund gibt, kann ein spezieller Gleitschutz die Sicherheit erhöhen. Zum Beispiel Schuh-Schneeketten, bei denen metallene Kettenglieder mit breiten Gummibändern am Schuh gehalten werden. Auch Hartgummi-Sohlen mit Spikes bewahren vor riskanten Ausrutschern. Sie werden im Handumdrehen über den Winterstiefel gezogen. Im Handel sind zudem Modelle für einen Fersengleitschutz, der mit praktischem Klettverschluss am Fußgelenk befestigt wird. Er verhindert, dass der Fuß beim Auftreten nach vorn rutscht. Auch beim Gleitschutz für die ganze Sohle sollte darauf geachtet werden, dass unter der Ferse Ketten oder Spikes liegen – sonst wird aus einem forschen Schritt auf überfrorenem Schnee schnell ein missglückter Spagat.

Für Gehstöcke werden ebenfalls Dornen, rutschhemmende Gummimuffen und sogar klappbare Schneepickel angeboten. Ein winterfester Gehstock ist bei Winterwetter auf jeden Fall einem Rollator vorzuziehen, denn dieser ist nicht für Schnee und Eis ausgelegt. Mit seinen relativ kleinen, harten Reifen und dem geringen Gewicht fährt er sich leicht im Schnee fest, und auf Eis rutscht er weg. Alle diese Hilfsgeräte hält der Handel in zahlreichen Variationen und Preisklassen bereit. Oder auch nicht, denn häufig heißt es schon kurz nach Ausbruch der ersten großen Kältewelle des Winters: „Nicht mehr vorrätig“. Also gilt es, rechtzeitig vorzusorgen.

Verlässliche Studiendaten zur Effizienz der verschiedenen Anti-Rutsch-Hilfen für Fußgänger existieren nicht – ganz anders als bei den Winterreifen und Schneeketten fürs Auto. „Das Bewusstsein für die Wichtigkeit spezieller Winterschutzschuhe muss noch entwickelt werden“, sagt Professor Niethard. Der Aachener Orthopäde ist aber zuversichtlich, dass dies – ähnlich wie beim Auto – nur eine Frage der Zeit ist. „Wir haben ja auch erst seit kurzem die Winterreifenpflicht.“

Sicher ist: Auf schierem Eis hilft der Rutsch-Schutz unter den Füßen nur eingeschränkt. Und gefährlich kann er auf glatten Fliesen werden. Wer nach dem heil überstandenen Winterspaziergang im Café einkehrt, sollte daher tunlichst am Eingang sein Schutzgerät von den Füßen nehmen. Und vor dem Verlassen rechtzeitig wieder anlegen.

Ausgediente dicke Wollsocken über den Schuhen: So hat man sich früher seinen Weg durch den Winter gesichert. Das sieht komisch aus, zugegeben. Aber es wirkt. Kaum hübscher, aber immerhin modisch akzeptiert und durchaus effizient sind auch so genannte Snow Boots. Die Klassiker unter diesen schiffähnlichen Winterstiefeln mit dem dicken Kunststoffmantel besitzen auf der Sohle kleine Saugnäpfe, die für Haltung und Haftung auch auf Glatteis sorgen.



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Ingrid Kupczik / www.senioren-ratgeber.de; 21.01.2011, aktualisiert am 03.03.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

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