Wenn der Hautarzt Professor Volker Steinkraus über alternde Hautzellen spricht, dann ist von „Faulpelzen“ die Rede. „Die sitzen in der Ecke und schlafen sich aus“, sagt der Hamburger Dermatologe. Hautärzte wissen inzwischen ziemlich genau, was passiert, wenn der Teint altert. Die Talgproduktion lässt nach, ebenso die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Stützende Fasern wie Kollagen und Elastin schwinden. Die Zellen erneuern sich nicht mehr so schnell, werden träger. Die Folge: empfindliche, trockene Haut und Falten. Höchste Zeit, Faulpelzen auf die Beine zu helfen und sie, wie Steinkraus sagt, „kräftig anzustupsen“.
Nur: Wie funktioniert das überhaupt? Und wozu lassen sich die kleinen Schlafmützen noch bewegen? „Die Falten loszuwerden geht sicher nicht“, sagt Steinkraus. Doch darauf kommt es auch gar nicht an: Schöne Haut bedeutet für den Experten keinesfalls, dass sie ohne alle Spuren der Zeit ist. Aber: „Das Gesicht muss gepflegt wirken, die Haut sollte schimmern, nicht allzu viele Altersflecken aufweisen und gut durchblutet sein“, sagt Steinkraus. Dafür kann jeder etwas tun – in jedem Alter. Es kommt nur darauf an, die Haut von innen und außen zu nähren.
Ein wichtiger Eckpfeiler ist die richtige Hautpflege. „Inhaltsstoffe von Kosmetika können heute die Hautalterung tatsächlich verzögern“, erklärt Professorin Dr. Martina Kerscher vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie/Fachrichtung Kosmetikwissenschaft der Universität Hamburg. Dabei ist zunächst eines entscheidend: „ein konsequenter Schutz vor UV-Strahlung“, betont Kerscher.
Doch mit Sonnencreme allein ist es nicht getan. Die Haut braucht auch Feuchtigkeit und Fett. Mit dem Alter wird sie nämlich dünner und spröder, mithin auch anfälliger für andere gefährliche Einflüsse von außen, zum Beispiel Umweltgifte. Sogenannte Antioxidanzien setzen die schädlichen Eindringlinge in den Zellen schachmatt und wirken dem Abbau der Kollagene entgegen. Dazu gehören etwa das Coenzym Q 10 sowie die Vitamine C und B3. Letzeres, das zeigen Studien, „kann sogar Pigmentstörungen und Hautrötungen entgegenwirken“, sagt Kerscher.
Experte Steinkraus schwört auf die Wirkkraft von Vitamin-A-Säure, die die Haut anregt, neue Zellen zu bilden. Mehrere Studien belegen den Effekt. „Allerdings muss man sich sorgfältig beraten und der Haut Zeit lassen, sich an den Inhaltsstoff zu gewöhnen“, sagt er. Die Substanz muss vom Hautarzt verordnet werden.
Um die Haut länger jung zu halten, „konzentriert sich die Forschung derzeit unter anderem auf Eiweißverbindungen, sogenannte Signalpeptide, auf pflanzliche Wachstumsfaktoren, etwa aus Tigergras, und auf bestimmte Reparaturenzyme“, erklärt Wissenschaftlerin Kerscher. Teilweise stecken solche Hightech-Formulierungen schon in Cremes. Informationen liefert der Hautarzt oder die Apotheke. Ganz wichtig dabei: „Jede Pflege muss auf den Hautzustand und die individuellen Zeichen der Hautalterung abgestimmt sein“, so Kerscher.
Wecken wir also die Zellen aus dem Tiefschlaf: mit effektiver Pflege, die genau das liefert, was die Haut jetzt braucht. Wichtig ist auch die richtige, schonende Reinigung, um die dünne, empfindliche Haut nicht noch mehr zur reizen. Und das heißt: Finger weg von Seifen, her mit einer milden Reinigungsmilch und mit pflegenden Duschölen.
Wer schön sein will, muss gut auf sich achten. Und das bedeutet: sich gut ernähren, nicht rauchen, auf Alkohol weitgehend verzichten. „Sport und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft fördern die Durchblutung und lassen die Haut strahlen“, sagt Steinkraus. Was die kleinen, faulen Hautzellen aber ganz besonders effektiv auf Trab bringt: ausreichend Schlaf. Denn in der Nacht lagert der Teint Feuchtigkeit ein und wirkt dann morgens richtig frisch und ausgeschlafen.
Anne-Bärbel Köhle / Senioren Ratgeber;
07.09.2012
Bildnachweis: W&B/Forster und Martin/RYF
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