Strippen oder veröden? Es gibt verschiedene Wege, Krampfadern loszuwerden. Vor- und Nachteile der Verfahren werden hier erläutert
Wie ein blauer, unregelmäßiger Fluss schlängelt sich die Vene wadeaufwärts. Bisweilen unterbrechen kleinere Aussackungen ihren Verlauf. Das Blut, das sie in Richtung Herzen transportieren soll, verweilt in den Gumpen des erweiterten Gefäßes. Krampfadern sind in erster Linie ein medizinisches Problem und erst in zweiter ein kosmetisches. „Viele von ihnen sieht man gar nicht“, warnt Gefäßchirurg Dr. Peter Heider vor der rein optischen Diagnose, „oft spürt der Mensch sie nur.“
Müde, schwere Beine am Abend, Juckreiz, Spannungen, Schwellungen – Alarmzeichen, dass etwas mit den Venen nicht stimmt. Varizen, wie Ärzte die krummen Adern auch nennen, bilden sich vor allem in den oberflächlichen Beinvenen, und hier besonders in den beiden großen Stammvenen. Wann sie ein Fall für den Arzt werden und mit welcher Methode er dieses Problem aus der Welt schafft, hängt vor allem davon ab, welche Vene sich wo krümmt und welche Beschwerden sie dabei auslöst.
Von Stämmen, Ästen und Besen
„Besenreiser sind zwar nicht schön, aber eigentlich keine Krampfadern“, beschreibt der Adernspezialist vom Münchener Isar Medizin Zentrum den optisch auffälligen, aber schmerzfreien Hinweis auf eine Venenwandschwäche. Diese reisigbesenähnlichen Geflechte sind harmlose Erweiterungen der winzigsten Venen direkt unter der Haut – das Veröden mit Schaum (siehe letztes Kapitel) übernimmt deshalb keine Kasse.
Ihre Existenz jedoch hat Signalcharakter. Sie veranlassen den Arzt, mit dem Ultraschall nach größeren Schäden im System zu suchen. Ähnlich einem Baum verzweigt sich das Venennetz in kleinste Äste und Ästchen, um sauerstoffarmes Blut einzusammeln und es schließlich den größeren, oberflächlichen Stammvenen an der Innenseite des Beines oder auf der Rückseite des Unterschenkels zuzuführen, die alle in die tiefe Beinvene münden. Ob aber Stamm-, Seitenast- oder Verbindungsvene: Machen diese Gefäße schlapp und leiern ihre Wände aus, ist die Venenfunktion nachhaltig gestört.
Die Klappen, die als Ventile den Rückfluss verhindern sollen, schließen nicht mehr sauber. Das Blut strömt immer wieder zurück – ein Blutstau entsteht. Flüssigkeit tritt ins umliegende Gewebe aus – das Bein schwillt an und schmerzt. Und das ist keine Bagatelle. Dr. Heider warnt: „Wenn der Patient seine Krampfadern jetzt nicht behandeln lässt, können ihm schlimmere Venenprobleme wie Thrombosen, Hautveränderungen oder gar ein offenes Bein drohen.“
Elke Schurr, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
29.01.2009, aktualisiert am 22.04.2010
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