Wenn Tränen fließen, dann helfen sich die Frauen gegenseitig
Die Komsmetikartikel helfen den Krebspatientinnen sich wieder wohler in ihrer Haut zu fühlen
Heute wie auch sonst oft bricht aus so einer Stimmung heraus das Eis. Fangen die Teilnehmerinnen an, zu erzählen. Von der Diagnose. Wie es war, als die Haare ausgegangen sind. „Ich hab‘ kein Problem mit einem offenen Umgang“, sagt eine Frau und zieht ihre Perücke ab. Eine andere tut es ihr nach. Tücher werden aus Taschen geholt, Wickeltechniken werden präsentiert. Jutta Horsch steht mittendrin. Ist Ansprechpartnerin, Ideengeberin, Vertraute.
Aber kann die Stimmung nicht auch kippen? „Klar fließen auch mal Tränen“, sagt sie. Aber sie fände es „aufgesetzt“, dann zu umarmen. Zwar drücke sie immer mal wieder beiläufig einen Arm. Aber echter Trost? „Der kommt von den Frauen selbst. Da gibt es immer sehr gute, direkte Reaktionen.“
Schwieriger wird es, wenn Jutta Horsch Dinge hört wie „Sie haben gut reden, Sie sind ja gesund“. „Das ist natürlich eine heikle Situation.“ Meist hilft es dann, einfach weiterzumachen. „Ein Goldton könnte Ihnen stehen.“ „Meinen Sie?“, heißt es dann. Und die Spannung ist wieder raus. Für die Krankenhäuser ist jemand, der die Gratwanderung aus Nähe und notwendiger Distanz so perfekt hinkriegt, ohne Teil des Klinikbetriebs zu sein, viel wert. Doch Jutta Horsch meint nur knapp: „So bin ich halt.“
„So ist es halt“, sagt sie auch zu der Tatsache, dass sie die Kurse in Strahlenkliniken, Rehabilitations-Zentren oder gynäkologischen Abteilungen von Krankenhäusern ehrenamtlich macht. Je nach Veranstaltungsort fährt sie auch mal Hunderte von Kilometern – auf eigene Kosten. „Man braucht nicht für jeden Handschlag Geld zu erwarten“, sagt sie. Mehr nicht. Ein bisschen ist das wie am Ende ihrer Kurse, denn auch da ist Jutta Horsch kurz angebunden. „Machen Sie’s gut“, sagt sie zu den Frauen. Packt ihre Sachen. Und geht.
Gesunder Abstand
Natürlich sei das belastend. Frauen, bei denen der Krebs schon zum dritten Mal ausgebrochen sei. Patientinnen, die kleine Kinder haben. Trotzdem. Schon auf der Heimfahrt denkt Jutta Horsch an etwas ganz anderes. Sie müsse haushalten mit ihrer Kraft. Brauche sie für ihren Enkel, den großen Garten, für das Fitnessstudio. Natürlich auch für den nächsten Kurs. Denn der lässt in der Regel nicht lange auf sich warten.
Elisabeth Hussendörfer, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
30.03.2009, aktualisiert am 25.03.2010
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