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Warum Labortests wichtig sind

Blut, Urin, Liquor und Bronchialsekret liefern dem Arzt wichtige Hinweise auf Krankheiten


Heute und damals: Während eine "Harnschau" im 15. Jahrhundert sicher für Aufregung sorgte, zählen Labortests in der Medizin heute zur Routine

Dass die Zuckerkrankheit den Beinamen honigsüß – mellitus –  erhielt, verdankte sie der Tatsache, dass Ärzte jahrhundertelang bei der Untersuchung auch ihren Geschmackssinn bemühen mussten. Der Urin eines Diabetikers schmeckt süß, auch sein Blut enthält mehr Zucker als das eines Gesunden.


Glücklicherweise sind die Zeiten der Geruchs- und Geschmacksproben für die Ärzte vorbei. Heute stehen mehr als 6000 Laboruntersuchungen zur Verfügung, um Patienten auf Herz und Nieren zu überprüfen. Es sind allen voran die Körpersäfte Blut und Urin, die im Reagenzglas, in Zentrifugen oder auf Objektträgern landen und dem Arzt verlässliche Daten liefern. Aber auch andere Flüssigkeiten wie Nervenwasser bieten Aufschlussreiches. „Ausschließlich auf Laborwerte sollte sich ein Arzt zwar nicht verlassen“, meint der Allgemeinarzt Dr. Lothar Schmittdiel aus München, „aber sie sind ein unverzichtbarer Baustein seiner Diagnose.“ Eine Auswahl an aussagekräftigen Körperflüssigkeiten im Überblick.  


Blut

In der Tat ein besonderer Saft: Wenige Milliliter Blut genügen, und der Arzt erhält Hinweise, warum Sie ständig müde sind, wie Sie sich ernähren oder ob eines Ihrer Organe nicht richtig arbeitet. Das Gemisch aus Flüssigkeit und festen Bestandteilen, den Blutzellen, ist mit einer Art Datenbank vergleichbar: Es speichert nicht nur Informationen über die Beschaffenheit der roten Blutkörperchen und Ihrer Blutgruppe.

Auch ob Ihre Gerinnung stimmt oder Sie gerade eine Entzündung durchmachen, kann Ihr Arzt erkennen: Auskünfte gibt ihm zum Beispiel die Menge der jeweils relevanten Zellfraktion. Wie schnell die Blutkörperchen im Röhrchen zu Boden sinken, kann den Verdacht auf eine Entzündung oder andere Erkrankungen erhärten. Und wenn er wissen will, wie es um Ihre Abwehrkraft bestellt ist, müssen die dafür zuständigen weißen Blutkörperchen noch genauer betrachtet werden: Lymphozyten vermehren sich gerne, wenn Viren Ihrem Körper zusetzen, bestimmte Granulozyten, wenn Sie zum Beispiel ein Heuschnupfen plagt. „Das Labor hilft mir deutlich weiter, wenn ich etwa nicht weiß, ob der Husten eines Patienten allergiebedingt ist oder eine bakterielle Ursache hat“, erklärt Schmittdiel.


Doch das ist noch lange nicht alles. Die Arbeit der Leber, der Nieren, der Schilddrüse und andere Stoffwechselvorgänge hinterlassen Spuren im Blut. Zuckerwerte, Cholesterin, Kreatinin oder Gamma GT lassen Funktionsstörungen zweifelsfrei erkennen. Dank weiterer biochemischer Verfahren können Laborfachleute in Ihrem Blut lesen wie in einem aufgeschlagenen Buch: Eine Vielzahl an Enzymen, Hormonen, Eiweißen, Rheuma- und Tumormarkern erleichtert dem Arzt die Diagnose.


Urin

Urin, das Ausscheidungsprodukt der Nieren, verändert seine Farbe, flockt aus, riecht auffällig, wenn etwas mit der Blase, den Harnwegen oder gar den Ausscheidungsorganen selbst nicht stimmt. Doch mit Zentrifuge und Mikroskop kann der Arzt Stoffe genauer aufspüren, die im gesunden Normalfall nicht oder nur in kleinsten Mengen im Harn vorkommen. Dazu gehören etwa Bakterien und weiße Blutkörperchen, die auf einen Harnwegsinfekt hindeuten, oder auch rote Blutzellen, die indirekt Nierensteine oder andere Nierenerkrankungen erkennen lassen.

Vor dieser sogenannten Sedimentuntersuchung kommt aber meist der schnelle Check mithilfe verschiedener Harnstreifen oder -stäbchen, die einfach in einen Urinbecher getaucht werden. Mit Urinsticks kann der Arzt, können aber teilweise auch Sie selbst zu Hause überprüfen, ob Zucker, Blut, Gallenfarbstoffe und andere Stoffwechselprodukte in falscher Menge am falschen Platz sind. Wenn etwa der Filtermechanismus der Nieren gestört ist, tritt Eiweiß aus den Nieren in den Harn. Das kann zum Beispiel Folge eines Harnwegsinfekts oder eines Diabetes sein.

Liquor

Das Problem: Liquor lässt sich nicht so einfach entnehmen wie Blut oder Urin. Das wässrig-klare Nervenwasser, das Rückenmark und Gehirn umfließt, punktieren Ärzte im Lendenwirbelbereich. Der Piks mit der Kanüle ist meist harmlos, ein blitzartiger Schmerz kann kurz ins Bein fahren. Um Kopfschmerzen nach der Punktion zu vermeiden, muss der Patient einige Stunden flach im Bett liegen bleiben. Liquoruntersuchungen gehören zu den eher seltenen Diagnose-Maßnahmen, doch manchmal führt kein Weg daran vorbei: etwa wenn der Verdacht auf eine Meningitis, eine Hirnhautentzündung, besteht und der Arzt wissen will, ob Bakterien oder Viren die Beschwerden verursacht haben.
Auch eine Blutung im Gehirn kann ihre Spuren im Nervenwasser hinterlassen. Bei einer multiplen Sklerose schließlich ist die Nervenwasseruntersuchung einer der wichtigen, ergänzenden Schritte zur Diagnose.


Bronchialsekret

Wenn der Husten immer schlimmer wird und die Bronchitis oder Lungenentzündung einfach nicht abheilen will, kann sich der Arzt auch für die Untersuchung jener Flüssigkeit interessieren, die direkt am Ort des krankhaften Geschehens entsteht. Der Schleim, den die Bronchien bilden, kann die verantwortlichen Entzündungserreger enthalten. Um welche Bakterien es sich dabei genau handelt, offenbart eine Untersuchung des Auswurfs oder Bronchialsekrets. Dann kann eine Antibiotika-Behandlung zielgenauer ansetzen. Dafür muss der Patient abhusten, nachdem er mit Salzlösung inhaliert hat. Oder der Arzt entnimmt das Sekret direkt – im Rahmen einer Bronchoskopie, einer Spiegelung der Luftröhre und der Bronchien, die auch bei Verdacht auf ein Bronchialkarzinom zu den diagnostischen Maßnahmen gehört.

 

Erguss

Gelenke sind mit einer Innenhaut ausgekleidet, die eine Art Schmiere produziert: die Synovialflüssigkeit. Die leicht gelbliche, klare Substanz ist für die Beweglichkeit jedes Gelenks erforderlich. Sie kann sich deutlich vermehren und eine Schwellung verursachen, wenn das Gelenk etwa durch Knorpelschäden, etwa bei einer Verletzung oder Arthrose, Rheuma, Gicht oder andere Entzündungen belastet und in seiner Bewegung eingeschränkt ist.


Punktiert der Arzt den Erguss, dann genügt in der Regel ein Blick für die erste Diagnose: Ist die Flüssigkeit farblich unverändert, handelt es sich meistens um eine Schwellung, die aufgrund einer Reizung (Reizerguss) entstanden ist und sich häufig nur durch Schonung wieder zurückbildet. Enthält das Punktat dagegen Blut, ist in den meisten Fällen eine Gelenkverletzung die Ursache der Flüssigkeitsansammlung. Eine genauere Laboruntersuchung klärt im Anschluss, ob und welche Blutzellen und Abwehrkörperchen beteiligt oder ob Bakterien oder auch Abscheidungen von Kristallen wie zum Beispiel bei der Gicht mit im Spiel sind.



Elke Schurr / Senioren Ratgeber; 29.10.2010, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: F1 online digitale Bildagentur GmbH/Ojo Images, Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Ruth Schacht

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