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Bessere Therapien (2):
Forscher in eigener Sache

Immer mehr Ältere machen bei Arzneitest mit. Wir begleiteten einen Studienteilnehmer

Tablette einnehmen

Eine geprüfte Pille

Am Anfang stand viel Papierkram. Zwölf Seiten Infotext bekam Gerhard K. zu lesen, diverse Formulare waren zu unterschreiben: eine Einwilligungserklärung, Bescheide zum Versicherungsschutz, schließlich ein Vertrag, der den 66-jährigen Berliner zur Testperson machte.

Dann war Gerhard K. drin in der Studie, die ein Medikament gegen seine hohen Cholesterinwerte auf den Prüfstand stellt. Jeden Abend nimmt der Patient nun eine weiße Tablette aus einer Blisterpackung, auf der statt Markenname und Firmenlogo ein nüchterner Zahlencode steht. Was im Präparat steckt, wissen weder Herr K. noch seine Ärztin. Es kann ebenso die echte Arznei sein wie ein wirkstofffreies Mittel, ein Placebo (siehe 2. Kapitel).


Alle vier Wochen muss Gerhard K. in die Lipidambulanz des Berliner Universitätsklinikums Charité. Seine Prüfärztin Dr. Carola Jonatat nimmt Blut ab, misst seinen Blutdruck und stellt viele Fragen nach dem Befinden.

 

Die Pflicht zu solch engmaschigen Kontrollen ist der größte Vorbehalt gegenüber Studien, vor allem bei Älteren. „Vielen ist der Weg zur nächsten Studienambulanz zu strapaziös“, meint Dr. Rahel Eckardt vom Evangelischen Geriatriezentrum Berlin.

Doch die planmäßige Betreuung in einer klinischen Studie bringt Patienten Vorteile. Untersuchungen an Krebskranken haben ergeben, dass die Studienteilnehmer unter ihnen bessere Chancen haben – vermutlich weil sie den Behandlungs- und Kontrollrhythmus konsequenter einhalten.

„Auch birgt eine Studie die Chance, mit Medikamenten behandelt zu werden, die sonst nicht zugänglich wären“, sagt Eckardt. Dafür müssen die Patienten ein Restrisiko tragen. Gerhard K. weiß, dass Hitzewallungen auftreten können, er hat für diesen Fall eine Notrufnummer bekommen.

Geld fürs Mitmachen erhalten Studienpatienten in der Regel nicht. Gerhard K. ist ein anderer Anreiz wichtiger: „Ich hoffe, dass die getestete Therapie mir hilft, früher oder später.“  



Kai Klindt, Senioren Ratgeber / Gesundheitpro; 12.11.2008
Image Source AG/RYF

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