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Bessere Therapien:
Wissenslücke mit Folgen

Um Senioren optimaler behandeln zu können, beginnt die Forschung, vermehrt Studien mit älteren Teilnehmern durchzuführen

Tablette einnehmen

Die richtige Tablette: Auch die körperliche Fitness spielt eine Rolle

Auch wenn sie überwiegend mit jüngeren Testpersonen arbeiten, wissen die Forscher sehr wohl, dass der Körper in seinen späten Jahren anders mit Medikamenten umgeht: Die Nieren, über die viele Arzneien ausgeschieden werden, arbeiten schlechter, die Empfindlichkeit für Nebenwirkungen wie Verwirrtheit und Schwindel steigt.

Doch schwerer wiegt das Forschungsdefizit in anderer Hinsicht. „Ältere bekommen viele Medikamente, aber oft die falschen“, sagt Sieber. Manche Therapie werde ihnen vorenthalten. „Da schwingt dann häufig das Argument mit: Wir wissen ja nicht, ob die Behandlung Senioren hilft.“


Beispiel Bluthochdruck. Lange kursierte in der Fachwelt die Meinung, dass zu hohe Werte bei über 80-Jährigen vernachlässigbar seien. Nun beweist eine Studie mit knapp 4000 Patienten: Wird der Druck auch in dieser Altersgruppe mithilfe von Arzneien gesenkt, verringert sich das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt um mehr als ein Drittel. Die Deutsche Hochdruckliga hat deswegen jetzt ihre Empfehlungen für betagte Patienten angepasst.

Beispiel Krebs.
„Das größte Risiko, bei einem Tumor nicht ausreichend behandelt zu werden, besteht in einem hohen Lebensalter“, kritisiert Professor Dr. Gerald Kolb, Altersmediziner am St.-Bonifatius-Hospital in Lingen.

So ergaben Stichproben an Dickdarmpatienten, dass über 70-Jährige seltener eine Chemotherapie bekommen – unter anderem, weil Ärzte die Verträglichkeit der Therapie in dieser Altersgruppe nur schlecht abschätzen können.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Testlauf mit älteren Leukämiekranken: Die Stärke der Behandlung bemisst sich in der Studie daran, wie fit der Patient ist.

 

Denn Senioren lassen sich nicht über einen Kamm scheren. „Die Unterschiede in der körperlichen Verfassung sind mit 70 viel größer als bei den 40-Jährigen“, sagt Professor Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen vom Evangelischen Geriatrie-Zentrum Berlin.



Bessere Therapien – Teil 2

Forscher in eigener Sache

Immer mehr Ältere machen bei Arzneitest mit. Wir begleiteten einen Studienteilnehmer »

Kai Klindt, www.senioren-ratgeber.de; 11.11.2008, aktualisiert am 15.09.2009
W&B/Christine Schneider

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