So nehmen Sie Ihre Medikamente richtig ein

Viele Patienten nehmen ihre Tabletten falsch, lückenhaft oder gar nicht ein. Dadurch bleibt die Wirkung der Mittel oft aus. Wie es gelingt, Arzneien richtig anzuwenden

von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 15.12.2015

Mit oder ohne Wasser? Wer informiert ist, kann Tabletten korrekt einnehmen

W&B/ Forster & Martin

Sind Sie treu? Wenn Ulrich Koczian Medikamente aushändigt, könnte er den Patienten durchaus diese Frage stellen. Um die Therapietreue ist es bei ihnen oft nicht gut bestellt, weiß der Augsburger Apotheker. "Mancher vergisst, seine Tabletten zu nehmen, viele aber lassen ihre Pillen bewusst weg." Weil sie beispielsweise Nebenwirkungen befürchten oder glauben, auch ohne Medikamente den Blutdruck wieder in Balance zu bringen.

Studien belegen: Mehr als die Hälfte der Patienten nimmt ihre Medizin falsch, lückenhaft oder gar nicht ein. Gerade bei chronischen Leiden hat das mangelnde Durchhaltevermögen fatale Folgen. Der Behandlungserfolg ist gering oder bleibt ganz aus, und die Lebensqualität sinkt.


Grund genug, dem riskanten Verhalten mehr Beachtung zu schenken. "Es ist nicht das seltene Problem einiger schwieriger Patienten, sondern eher die Regel", urteilt Professor Winfried Rief von der Universität Marburg. Der Vorschlag des Psychosomatikers: mangelnde Therapietreue wie eine Diagnose mit in den Behandlungsplan aufzunehmen.

Apotheker Ulrich Koczian sieht das ähnlich: "Ich erkläre dem Kunden, wie er reagieren soll, wenn er Tabletten mal vergisst." Die Tipps zur richtigen Dosierung gibt er Kunden schriftlich mit. Eine Strategie von vielen, damit Medikamente wirklich helfen. Was der Apotheker, der Arzt, aber auch Sie selbst noch dafür tun können.


Beratung in der Apotheke

W&B/ Lilian Henglein & David Steets

So hilft Ihnen der Apotheker

  • Er hat gute Argumente
    Risiken und Nebenwirkungen sind natürlich ein Thema. Wichtig ist aber auch, den Nutzen einer Therapie zu verstehen. Das hilft, wenn Sie damit hadern.
  • Er weiß um die Tücken
    Müdigkeit, Schwindel oder Magenschmerzen: Wie sich unerwünschte Beschwerden von Medikamenten lindern lassen und bei welchen Mitteln das nur zu Beginn auftritt, erklärt Ihnen der Arzneimittelexperte. Er weiß auch, wie Sie reagieren müssen, wenn Sie mal vergessen haben, eine Tablette zu nehmen.
  • Er nimmt sich Zeit
    Sie haben beim Arzt nicht alles verstanden? Der Beipackzettel macht Angst? Der Apotheker bespricht mit Ihnen alles in Ruhe – und vertraulich, wenn gewünscht.
  • Er korrigiert das Rezept
    Die Krankenkasse hat neue Verträge ausgehandelt, und Sie erhalten nun ein wirkstoffgleiches Präparat von einem anderen Hersteller. Kommen Sie damit nicht zurecht, lehnt der Apotheker den Tausch ab.
  • Er schult Sie
    Der Apotheker zeigt Ihnen – gern auch öfter –, wie Sie Blutzucker messen oder inhalieren. So schleichen sich keine Fehler ein.
  • Er sortiert vor
    Viele Apotheker bieten an, Ihre Wochenration Tabletten in der Dosierhilfe zu sortieren.
  • Er hilft beim Medikationsplan
    Ihr Stammapotheker erstellt mit Ihnen einen aktuellen Plan aller Medikamente. Den Wirkstoff-Mix kann er am besten erklären.

Kontrolle beim Arzt

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Was der Arzt für Sie tun kann

  • Er vereinfacht die Therapie
    Zehn Pillen am Tag? Muss nicht immer sein. Der Arzt kann oft ein Kombinationspräparat verschreiben, das mehrere Wirkstoffe vereint.
  • Er berät Sie persönlich
    Hat der Arzt Bedenken, dass Sie sich mit der Medikation schwertun, fragt er, wo Ihre Ängste liegen, und stimmt die Behandlung darauf ab.
  • Er schafft Vertrauen
    Stimmt die Chemie zwischen Arzt und Patient, vertrauen Sie ihm eher an, wenn Sie bei der Therapie nachlässig waren.
  • Er schaltet den Pflegedienst ein
    Wer Hilfe braucht: Er verordnet per Rezept den ambulanten Dienst, der auf die Arzneieinnahme achtet.

Pillen-Knigge: Acht Tipps, was Sie selbst tun können

1. Sie informieren sich
Wer das langfristige Plus seiner Arznei kennt, nimmt sie zuverlässiger ein. Hochdruckpatienten etwa, die Blutdruckmittel einnehmen, haben ein geringeres Schlaganfallrisiko.

2. Sie schreiben Protokoll
Sie führen über Blutdruck und Schmerzattacken Buch? Prima! So haben Sie schwarz auf weiß, wie gut Ihre Arznei wirkt. Fragen Sie den Arzt, wie oft Sie protokollieren sollen.

3. Sie schaffen Rituale
Das geht einfacher als gedacht: Legen Sie die Packung mit der Rheumapille neben Ihre Kaffeetasse, oder platzieren Sie den Cholesterinsenker auf dem Nachttisch.

4. Sie listen Medikamente auf
Schreiben Sie alle Arzneien auf, die Sie nehmen. Zeigen Sie die Liste Ihrem Arzt und Apotheker.

5. Sie unterstützen Ihr Gedächtnis
Ob eine Notiz am Spiegel, ein Wecker oder eine App im Handy: Probieren Sie aus, was Sie am besten an die Tabletteneinnahme erinnert.

6. Sie sprechen Probleme an
Elf Pillen am Tag, und  dann noch das unhandliche Kortisonspray! Sagen Sie dem Arzt und Apotheker, wie Sie das belastet. Meist lassen sich solche Probleme lösen.

7. Sie sortieren vor
Morgens zwei, mittags eine, abends zwei: Mit einer Dosierhilfe fällt es leichter, den Überblick zu behalten. Fragen Sie in der Apotheke nach den verschiedenen Möglichkeiten, zu sortieren.

8. Sie binden die Familie ein
Bitten Sie Ihre Tochter, Arznei für die Woche zu sortieren. Oder sie erinnert Sie per Telefon an die Osteoporosepille, die Sie oft nur einmal pro Woche nehmen müssen.



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Bildnachweis: W&B/ Forster & Martin, Thinkstock/iStockphoto, W&B/ Lilian Henglein & David Steets

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