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Was hilft, wenn Medikamente nicht wirken

Wenn Medikamente nicht richtig wirken, wissen Apotheker Rat. Oft liegt es an der Dosierung oder Dauer der Anwendung


Apotheker stehen zum richtigem Gebrauch von Medikamenten beratend zur Seite

Wirkt nicht, gibt’s nicht. Eigentlich. Aber die besten Pillen, Salben oder Tropfen nützen nichts, wenn sie nicht sachgemäß eingenommen oder angewendet werden. Bei einer Untersuchung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin stellte sich he­raus, dass es damit bei jedem fünften Kunden hapert, der in der Apotheke zu einem nicht rezeptpflichtigen Arzneimittel greift. Denn die Tücke liegt oft im Detail.

Fehler bei Dosierung oder Dauer der Anwendung

„Um Fehler bei der Wahl, Dosierung oder Dauer zu vermeiden, genügt nicht nur die Lektüre des Beipackzettels“, sagt Apotheker Peter Stahl aus Neustadt an der Weinstraße. „Gerade ältere Patienten sollten sich immer auch über mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen mit ihren anderen Medikamenten informieren.“ In diesen Fällen weiß die Apotheke, vor allem die Stammapotheke, die den Kunden länger kennt, schnell Rat. Sie kann individuell entscheiden, welches Präparat das beste für ihn ist. „Eine Apotheke ist kein Supermarkt. Jedes Arzneimittel, ob rezeptpflichtig oder nicht, übt eine Wirkung aus und bedarf deshalb einer Beratung“, betont Peter Stahl. Es gehört daher zu den täglichen Aufgaben des Apothekers, sicherzustellen, dass die Selbstbehandlung funktioniert, aber auch zu erkennen, warum sie manchmal ihr Ziel verfehlt.


Das kann auch heißen, den Kunden gleich zum Arzt zu schicken. Viele Krankheiten eignen sich nicht zur Selbstbehandlung. „Wenn ein Kunde, etwa bei unklaren Schmerzen in der Brust oder beim Atmen, nach einem starken Schmerzmittel verlangt, dann wird der Apotheker immer nachhaken und zur ärztlichen Abklärung raten“, so Peter Stahl. Bei Erkrankungen wie bakteriellen Infektionen oder größeren Verbrennungen ist die Selbstbehandlung stets tabu.

Der Apotheker hilft, das richtige Mittel zu finden

Doch selbst wenn der Patient Beschwerden schildert, die sich für eine Selbstbehandlung eignen: Oft passen die Wirkstoffe oder auch die Zubereitungsform des von ihm gewünschten Präparats nicht und verfehlen dadurch ihre Wirkung. Ein Reizhusten braucht keine schleimlösenden Mittel, sondern beruhigende Wirkstoffe. Auch einer Brandwunde tut es nicht gut, wenn statt eines kühlenden, beruhigenden Gels eine Fettsalbe aufgetragen wird.

Nicht alle Medikamente eignen sich für den Dauergebrauch

Bei einigen Präparaten kann auch die Dauer der Anwendung Grund für neue Probleme sein: „Wer etwa zu lange Tabletten gegen seinen Kopfschmerz einnimmt, kann dadurch wiederum einen schmerzmittelbedingten Kopfschmerz auslösen“, warnt Apotheker Stahl. Auch bei bestimmten Abführmitteln ist Vorsicht geboten – ihre Einnahmedauer sollte begrenzt sein. Für den Dauergebrauch kann der Apotheker meist mit sanfteren Alternativen dienen.

Auf die richtige Dosierung kommt es an

Ist die haselnussgroße Menge wirklich ausreichend? Ist ein Mehr zu viel des Guten, oder kann ich problemlos dick auftragen? Nicht nur bei Salben, auch bei Tropfen, Säften und Tabletten ist der Patient oft ratlos und weiß nicht, welche Mengen den gewünschten Effekt haben. Da hilft nur fragen, denn ob dreimal am Tag oder nur abends – ob Esslöffel oder mitgelieferter Messbecher: Die richtige Dosierung, gerade auch bei rezeptfreien Medikamenten, ist entscheidend für den Erfolg einer Therapie. „Manche Anti-Fußpilzsalben sind nur dann wirkungsvoll, wenn ich sie dreimal am Tag auftrage. Wer das nicht mag, muss es sagen, denn es gibt auch Wirkstoffe, die länger wirken. Einfach weg­lassen nützt wenig.“

Mancher Wirkstoff kommt gar nicht erst dort an, wohin er eigentlich soll. 80 Prozent aller Augentropfbehandlungen etwa landen daneben, und auch bei Inhaliersprays ist die Fehlerquote hoch. „In solchen Fällen können wir in der Apotheke ganz praktische Hilfestellung geben und auch mit dem Kunden üben“, betont Peter Stahl.

Medikamente genau aufeinander abstimmen

Ältere Menschen sind oft chronisch krank. Fünf oder mehr Arzneimittel am Tag sind keine Seltenheit. „Wenn sie deshalb zusätzlich Mittel gegen Schmerzen oder gegen Verdauungs- oder Schlaf­probleme einnehmen wollen, dann ist es wichtig, dass der Apotheker sie über mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen informiert“, sagt Stahl. Viele Mittel vertragen sich nicht miteinander. Manche können die Wirkung eines Medikaments verstärken, andere wie etwa Schmerzmittel können sie aber auch abschwächen, was gerade bei blutverdünnenden Medikamenten möglicherweise riskant ist. „Von unseren Stammkunden legen wir eine Kundendatei an. Dann kennen wir die Liste ihrer rezeptpflichtigen Medikamente und können sofort nachprüfen, was geht und was nicht“, erläutert Stahl.

Das bestätigt auch die Studie der Apothekerverbände: Jene Patienten, die in ihrer Stammapotheke über eine persönliche Medikationsdatei verfügten, hatten viel weniger Probleme mit falschen Dosierungen oder riskanten Wechselwirkungen. Die Untersuchung bewies, wie gesundheitsfördernd eine Beratung in der Apotheke ist: In neun von zehn Fällen konnten die Apotheker die Probleme mit den Arzneimitteln lösen.




Bildnachweis: W&B/Antonio Bello

Elke Schurr / Senioren Ratgeber; 16.05.2012
Bildnachweis: W&B/Antonio Bello

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