Bewegungstherapie, Medikamente und psychologische Unterstützung können die Krankheit lindern, aber nicht heilen
Sprachtherapie: Eine Sprechkette hilft die Stimme zu trainieren
Parkinson schleicht sich leise in das Leben. Lange bevor der Alltag wie in Zeitlupe abläuft, berichten viele Kranke im Vorfeld über eher allgemeine Beschwerden. „Nicht nur in der Hirnregion, in der die Bewegungen koordiniert werden, lassen sich krankhafte Veränderungen beobachten“, betont Dr. Karla Eggert aus Marburg, Expertin vom Kompetenznetz Parkinson. Das Problem ist nur: Beschwerden wie Schlafstörungen, Schmerzen oder Verstopfung halten Betroffene wie Ärzte häufig für typische Altersbeschwerden.
Für Parkinson-Kranke heißt das: Fachleute können ihnen ihre Beschwerden nicht nehmen, wohl aber lindern. Bewegungstherapie wie Krankengymnastik oder Gangschulung helfen ihnen beispielsweise, das Gleichgewicht zu wahren oder das Zusammenspiel der Muskeln zu koordinieren. Lassen sich die Hände nicht mehr wie gewohnt bewegen oder fällt das Sprechen immer schwerer, helfen Schreib-, Ergo- oder Sprachtherapie, die Hürden des Alltags besser zu meistern.
Die tragende Säule der Parkinson-Therapie aber sind Medikamente. Sie gleichen den Mangel an dem Botenstoff Dopamin im Gehirn aus und erhöhen so die Beweglichkeit. Mehrere Möglichkeiten stehen zur Auswahl. „Bei Älteren hat sich L-Dopa, die Vorstufe des mangelnden Nervenbotenstoffs, bewährt“, erläutert Matthias Oechsner. „Dieser Wirkstoff wird im Gehirn direkt in Dopamin umgewandelt“, erklärt der Bad Nauheimer Chefarzt. Manchmal setzen Mediziner auch Medikamente ein, die im Gehirn so ähnlich wie der Nervenbotenstoff wirken. Nicht selten kombinieren Ärzte Parkinson-Mittel mit anderen Präparaten, um die Wirksamkeit zu erhöhen – oder die Nebenwirkungen zu verringern.
„Über alle Vorteile, aber auch Risiken der Parkinson-Mittel müssen der Patient, aber auch seine Angehörigen genau informiert sein“, fordert Dr. Karla Eggert vom Kompetenznetz Parkinson. Betroffene müssen wissen: Die Wirksamkeit der verordneten Medikamente kann im Verlauf der Therapie nachlassen. „Das hängt damit zusammen, dass die Krankheit weiter fortschreitet“, erklärt Eggert.
Ein weiteres Argument für die enge Zusammenarbeit von Arzt, Patient und Familie: „Parkinson-Mittel haben mitunter starke Nebenwirkungen“, betont Matthias Oechsner aus Bad Nauheim. Je nach Arznei treten beispielsweise Übelkeit, unkontrollierte Bewegungen oder Verwirrtheitszustände auf. Oder die Fahrtüchtigkeit leidet unter den verordneten Mitteln. Sind Parkinson-Patienten medikamentös so schlecht zu behandeln, pflanzen ihnen manchmal Ärzte eine kleine Elektrode ins Gehirn. Dieser Hirnschrittmacher reguliert mit elektrischen Impulsen die Arbeit der Nervenzellen. Ein belastender Eingriff, der gerade bei über 70-jährigen Patienten in den seltensten Fällen infrage kommt.
Diese profitieren eher davon, wenn sie Ärzte sowie Angehörige bei der Bewältigung unerwünschter Therapiebegleiter unterstützen. „Es können im Rahmen von Parkinson Angststörungen oder Depressionen auftreten“, erklärt Oechsner. Besonders schlimm, wenn im Laufe der Zeit Konzentration oder Merkfähigkeit nachlassen. „Viele verdrängen diese Entwicklung“, bedauert der Neurologe. „Das ist sicherlich verständlich, aber sinnvoller ist, frühzeitig etwas dagegen zu unternehmen“, empfiehlt der Chefarzt. Ein Grund mehr, warum Patienten in der Bad Nauheimer Spezialklinik psychologische Unterstützung erhalten, Angehörige eng in Behandlungskonzepte eingebunden sind und Therapien wie „Gehirnjogging“ ganz vornan stehen.
Theo K. verlässt in der kommenden Woche die Klinik. Was wird der Patient seiner Frau, Familie und in der Selbsthilfegruppe daheim berichten? Vielleicht erzählt er, dass ihm just in jenem Moment, als er vor der Sprossenwand im Gymnastikraum ins Straucheln geriet, ein Spruch ins Auge fiel. „Kopf hoch!“ stand an der Wand. Vielleicht hat ihm das geholfen. Theo Krämer ist nicht gestürzt, er hat sich wieder gefangen.
Raphaela Birkelbach, www.senioren-ratgeber.de;
09.02.2009, aktualisiert am 15.09.2009
W&B/Bert Bostelmann
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