Mitten im Leben:
Die Mathematik der langen Liebe

Ob rosarote Brille oder durchquatschte Abende – was den Anfang verschönte, funktioniert auch später noch. Fünf Tipps – von Paartherapeuten empfohlen, von Forschern bewiesen

Wahre Gefühle halten ewig. Das ist bei diesen beiden älteren Herrschaften unschwer zu erkennen

Lässt sich Liebe messen? Der Psychologe John Gottman und der Mathematiker James Murray behaupten: ja. Die Forscher aus den USA filmten Hunderte Liebespaare per Videokamera, maßen Atem, Pulsschlag, Schweißproduktion. Jeden Satz, jeden Gesichtsausdruck ordneten die Wissenschaftler anschließend auf einer achtstufigen Skala ein – von verächtlich bis zugewandt.

 

Mithilfe einer Formel berechneten sie dann die Wahrscheinlichkeit, ob die Liebe die nächsten drei Jahre überdauert. Trefferquote: mehr als 90 Prozent. Was lässt sich aus den Beobachtungen fürs Liebesglück ableiten? Ein paar einfache Regeln, wissenschaftlich untermauert.

 

1. Richtig kommunizieren: "Der Code der Liebe entsteht, wenn ein Paar Informationen miteinander teilt", erklärt der Heidelberger Paartherapeut Dr. Arnold Retzer. Und zwar nicht nur darüber, wie der Tag gelaufen ist, sondern auch darüber, was einen bewegt. Kommunikative Paare erzeugen ihre "eigene Wirklichkeit, eine eigene gemeinsame Weltsicht", sagt Retzer. Die verbindet!


2. Viel verzeihen: All die vergessenen Hochzeitstage, der Riesenstreit vor dem letzten Urlaub, wohin die Reise gehen soll, der Flirt vor 15 Jahren: Wer Niederlagen, Enttäuschungen, Verletzungen ewig warm hält, verbaut sich den Weg zum gemeinsamen Glück. Deshalb der Rat von Liebesmathematiker Gottman: Lieber schöne gemeinsame Erinnerungen pflegen.

 

3. Illusionen hegen: Vielleicht bringt sie ein paar Kilo zu viel auf die Waage. Und er sieht auch nicht mehr aus wie George Clooney. Aber Liebende entdecken immer wieder gute Seiten an sich. Paartherapeut Retzer rät: "Denken Sie sich Ihren Partner schön." Dazu gehört auch: häufig zum Ausdruck bringen, was man am anderen bewundert.


4. Sinn schaffen: Glückliche Paare haben ihre ganz eigene Kultur. Egal ob es darum geht, gemeinsam zur Mini-Opern-Fangemeinde zu werden, Tango tanzen zu lernen oder einfach nur jeden Abend ein prima Dreigängemenü nebst Kerzenlicht aufzutischen.


5. Träumen lassen: Wichtig ist es, die Wünsche und Standpunkte des anderen zu akzeptieren – und seien sie noch so verschieden von den eigenen.