Partnerschaft: Liebe altert nicht

Gefühle kennen keine Altersgrenze. Für reifere Paare ist zwar vieles anders, aber sie haben auch die Chance, ihre Partnerschaft neu und frei zu gestalten

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 20.01.2015

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Banana Stock/RYF

Festgefügte Normen und Bilder von der älteren Generation gibt es nicht mehr. Nicht nur die 50-, 60-, 70 oder 80-Jährigen selbst sehen und erleben sich unbefangener, auch die Jüngeren entwickeln häufig eine recht lockere Sicht auf Eltern und Großeltern. Wenn Oma oder Opa Geschichten von den Schmetterlingen im Bauch mit 65 oder vom gelebten Traum einer langen, wechselvollen, aber tiefen Liebe erzählen, dann leuchten auch die Augen der Teenager.

Denn die Großelterngeneration hat vorgegebene Wege längst verlassen. Das gilt für das Berufsleben ebenso wie für die Partnerschaft. Man bleibt nicht einfach zusammen, nur aus Gewohnheit, weil es sich so gehört oder weil es sich eh nicht mehr lohnt, neu anzufangen. Das Zusammenleben hat einen anderen Stellenwert bekommen. Eine glückliche Beziehung ist für Frauen wie Männer gerade dann wieder wesentlich, wenn es auf das Rentenalter zugeht.


Wenn die Kinder aus dem Haus sind, der Beruf nicht mehr an erster Stelle steht, beginnen viele Paare ihr Leben neu zu betrachten und zu ordnen. Nicht wenigen gelingt es, sich nach aufreibenden Jahren, die von Alltagsbelastungen, Unsicherheiten und Selbstfindung geprägt waren, wieder in einem milderen Licht zu sehen. Die Schwächen des anderen werden gelassener hingenommen, seine Vorzüge treten in den Vordergrund. Die gemeinsame Lebenszeit hat zusammengeschweißt, nicht nur wegen der freudigen Höhepunkte, sondern auch wegen der Tiefen, die es zu meistern galt.

Viele loten nun Gemeinsamkeiten aus und leben sie ganz bewusst. In Untersuchungen zeigen sich viele der älteren Befragten mit ihrer Partnerschaft zufrieden. Die Männer übrigens noch mehr als die Frauen. Denen fehlen häufig der intensive Austausch mit dem Partner und dessen aktive Unterstützung im Alltag.

Doch der Senior von heute weiß, wie nützlich lebenslanges Lernen ist, auch und gerade in der Partnerschaft. So erfährt er, wie heilsam es sein kann, Konflikten nicht wie gewohnt aus dem Weg zu gehen, sondern auch mal über Gefühle zu sprechen. Paarberater verzeichnen einen Zuwachs an ergrauten Eheleuten, die Hilfe suchen und sich nicht einfach aufgeben wollen. Denn sie wissen, wie wertvoll jeder Tag, jedes Jahr ist.

Auf der anderen Seite ist die Zahl der Scheidungen langjähriger Ehen in den letzten 30 Jahren stark gestiegen. Wer nach dreißig Jahren Ehe geht, lebt lieber alleine als unglücklich miteinander verstrickt. Kaum einer will sich mehr verbiegen oder dauerhaft kränken lassen.

Allerdings wagen auch immer mehr Männer und Frauen ab 60 den Schritt in eine neue Beziehung. Sie ziehen zusammen, trotz der eingefahrenen Gewohnheiten und Schrullen, die jeder mitbringt. So mancher 70-Jährige scheint dabei flexibler und kompromissbereiter zu sein als der 35-Jährige Familienanfänger. Sie heiraten, sprechen ganz klar ihr Ja für den anderen aus, auch dann, wenn schwerwiegende Probleme auftreten könnten, etwa durch Krankheiten. Oder sie gestalten ihre Partnerschaft unabhängiger. Jeder bleibt in seiner Wohnung, aber beide verbringen so viel Zeit zusammen, wie sie möchten.

Es gibt viele Modelle, im Alter Partnerschaft und Liebe zu leben. Altersforscher haben dabei herausgefunden, was den Paaren hilft, ihren gemeinsamen Alltag glücklich zu gestalten. Zufriedenen Partnern ist es wichtig, dass sie viel gemeinsam unternehmen, aber auch ihre Freiräume leben können, dass sie sich vertrauen, sich gegenseitig unterstützen. Ohne Zärtlichkeit und lebendige Sexualität können sich die meisten eine innige Beziehung nicht vorstellen. Zu ihren Bedürfnissen und Problemen äußern sich ältere Menschen heute wesentlich unbefangener.

Und wenn es doch einmal kracht? Wenn sich beide gegenseitig wertschätzen, verhindert das, dass einer oder beide zu verletzend werden. Auch die immer wieder nötige Prise Humor hat sich bewährt, um Spannungen zu lösen. Mit ernsten Problemen wie Krankheit oder Pflegebedürftigkeit kommen Partner besser zurecht, wenn sie offen über die neue Situation reden, den Alltag entsprechend organisieren und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen.

Liebe kennt kein Alter. Das macht Mut. Mitunter sieht es so aus, als ob die in unserer Gesellschaft so stark betonte Individualität und die rasanten Veränderungen dauerhafte Liebe gefährden. Doch sie bieten Frauen wie Männern auch die Chance, im ständigen Wachsen und Werden die Neugier aufeinander nicht zu verlieren, die Gemeinsamkeit als Schatz zu entdecken und zu pflegen. Ohne Scheu, mit viel Selbstvertrauen und Zuversicht – in jedem Lebensabschnitt.



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