Ein schiefer Blick, ein falsches Wort, und prompt ist der schönste Streit im Gange. Immer wieder sind es Kleinigkeiten, die einen in Rage bringen – vor allem, wenn man schon lange zusammen ist: Mal kocht das Frühstücksei zu lange, dann knistert die Chipstüte zu laut, oder die Zahnpasta ist falsch ausgequetscht.
„Ältere Paare wissen oft aus jahrzehntelanger Übung, wie man sich wegen Nichtigkeiten hochschaukelt und kränkt“, sagt Professor Rolf Hirsch, Chefarzt der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie an der LVR-Klinik in Bonn. „Das kann eine Beziehung sehr belasten und unglücklich machen.“
Dabei ist Streiten eigentlich eine gute Sache – wenn es sich wirklich lohnt. Hin und wieder Dampf abzulassen ist gesund. Wissenschaftler aus den USA fanden heraus: Schlucken Eheleute ihren Ärger über eine ungerechte Behandlung immer hinunter, riskieren sie sogar, früher zu sterben.
„Ein guter Streit ist wie ein Gewitter“, erklärt Dr. Ilka Vasterling vom Institut für Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig, „er reinigt die Luft und entlastet.“ Solange ein Paar konstruktiv streitet, wissen beide, was den anderen beschäftigt. Das schafft Nähe. Richtig zanken ist allerdings eine Kunst. Die Spielregeln sind auch „jenseits der 70 lernbar und lohnenswert“, betont die Kommunikationsexpertin.
Stehen die Zeichen auf Sturm, dann gilt für die Braunschweiger Psychologin generell: „Halten Sie Blickkontakt, und hören Sie Ihrem Gegenüber genau zu.“ In der Aufregung ist das nämlich gar nicht so einfach – zumal langjährige Partner oft zu wissen glauben, was der andere sagen will. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Besser: Wiederholen Sie das Gesagte mit eigenen Worten, und fragen Sie nach – beispielsweise mit einem „Ich habe das jetzt so verstanden ...“.
Wer sich über den anderen ärgert, sollte seine Gefühle und Wünsche in eine „Ich-Botschaft“ packen. Sie sind enttäuscht, weil Ihr Partner den Müll nicht rausbringt, obwohl gleich Besuch vor der Tür steht? Dann sollten Sie das auch so formulieren. „Ich ärgere mich, dass der Müll noch dasteht, weil ich es für meine Freundinnen gerne ordentlich hätte. Ich wünsche mir, dass du ihn noch wegbringst“, hört sich doch viel besser an als die pauschale Anklage: „Das ist ja typisch. Du tust den ganzen Tag nichts.“
Wichtig ist es, die eigenen Emotionen deutlich zu machen. Das vermittelt Dr. Ilka Vasterling auch in ihren Streitseminaren: „Bleiben Sie beim konkreten Fall, und kommen Sie nicht vom Hundertsten ins Tausendste.“ Echte Gesprächskiller sind Verallgemeinerungen mit „immer“ und „nie“. Sie fordern Widerspruch geradezu heraus – genauso wie das ständige Aufwärmen uralter Kamellen.
Vorwürfe, Kränkungen, Rechthaberei. Irgendwann heißt es dann nur noch: „Hätte ich dich doch nie geheiratet!“ So weit muss es laut Alternsforscher Hirsch nicht kommen: „Gegenseitige Wertschätzung und Respekt sind auch beim Streiten ganz wichtig.“ Bei Reibereien nur in den Kategorien Sieg oder Niederlage zu denken ist Gift für eine Beziehung.
Statt fruchtlos darüber zu debattieren, wer denn nun recht hat, geht es darum, nach einer für alle tragbaren Lösung zu suchen. Im Fall der Zahnpasta könnte die einfach lauten: Jeder bekommt seine eigene Tube – und schon hat die tägliche Kabbelei ein Ende.
Es kracht doch – und zwar richtig. Der Puls steigt, die Lautstärke auch. Höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. „Vereinbaren Sie in einer ruhigen Minute ein Stopp-Signal, gehen Sie raus, und drehen Sie eine Runde an der frischen Luft“, empfiehlt Hirsch, „oder denken Sie an etwas Heiteres, das entkrampft.“
Ganz schlecht ist es, wortlos davonzulaufen und die Meinungsverschiedenheit im Hobbykeller aussitzen zu wollen. „Das tut vielleicht dem Mann gut, weil er keinen weiteren Ärger haben will“, sagt Kommunikationstrainerin Saskia Dürr aus München.„Frauen dagegen möchten den Krach möglichst schnell vom Tisch haben.“
Was Paarkonflikte nicht gerade leichter macht: Männer und Frauen sprechen verschiedene Sprachen. Während Männer beim Reden eher informieren wollen, diskutieren Frauen gerne emotional – und überfordern damit oft ihr Gegenüber. Wie zueinander finden?
Ein Lob für ihn, ein Liebesbeweis für sie und etwas mehr gegenseitige Toleranz – wer sich dazu auch nach langer Beziehung überwinden kann, fördert den Klimawandel in aufgeheizter Atmosphäre, meint Dürr. „Zum Streit gehört viel Gefühl“, sagt Professor Hirsch. „Gut gelaufen ist er, wenn die Situation geklärt ist, man sich hinterher in den Arm nehmen und vielleicht sogar gemeinsam lachen kann.“
Annette Bieber / Senioren Ratgeber;
01.09.2011, aktualisiert am 02.09.2011
Bildnachweis: Getty Images/Image Source, STOCK4B GmbH/Image Source
Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z>, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Diabetes Ratgeber mit Informationen zu Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung