Pflege zu Hause: Was tun gegen Keime?

Bei der Pflege eines Angehörigen werden leicht Krankheitserreger übertragen. So schützen Sie sich

von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 23.06.2015

Das A und O bei der Hygiene: Mehrmals täglich Hände waschen

Panthermedia/Steven Heap

Nach dem Klo und vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen! Diese mahnenden Worte kennt fast jeder aus der älteren Generation. "Tja, die gute alte Händewaschregel!" Harald­ Geese vom Kompetenz-Netzwerk-Hygiene, seufzt. Der Hygiene-Experte aus Erwitte wäre froh, wenn der Ratschlag wieder weitaus mehr Beachtung fände. "Dann hätten Krankheitserreger viel seltener eine Chance."

Mediziner schlagen Alarm. In Deutschland infizieren sich jährlich schätzungsweise 400.000 Menschen mit Bakterien, bei denen herkömmliche Therapien oft nicht mehr wirken. Wie soll man mit solchen multiresistenten Erregern umgehen? Diesen Fragen müssen sich besorgte Angehörige immer häufiger stellen. Ist häusliche Pflege überhaupt möglich, wenn der gebrechliche Vater den Keim trägt? Wie groß ist die Gefahr, sich oder andere damit anzustecken?


Gute Keime, schlechte Keime

Der Körper ist mit vielen Bakterien besiedelt, die meist unschädlich und oft sogar nützlich sind. Entwickeln Keime eine Widerstandskraft (Resistenz) gegenüber verschiedenen Antibiotika, sprechen Experten von multiresistenten Erregern (MRE). Diese finden sich im Darm, auf der Haut, in der Nase oder in Wunden und gehören bei vielen Menschen zur normalen Körperflora. Gefährlich sind sie bei einer schwachen Abwehr. Der häufigste Übertragungsort ist die Klinik.


Keimschutz: Zu Hause reichen meist einfache Regeln

Harald Geese erlebt viel Angst im Umgang mit den hartnäckigen Bakterien. "Im Krankenhaus sind sehr strenge Vorschriften notwendig, um die Keime nicht weiterzugeben", betont der MRE-Experte. Doch Angehörige und Pflegebedürftige können zu Hause ein normales Leben führen, wenn sie bestimmte Hygieneregeln beachten. Für gesunde Menschen sind die gefürchteten Bakterien keine Gefahr, "ein intaktes Abwehrsystem wird damit fertig", sagt Geese. Menschen mit schwachem Immunsystem müssen achtgeben, dass die Keime nicht ins Körperinnere, etwa in eine Wunde, in die Lunge oder ins Blut gelangen. "Dann drohen schwere Infektionen, die sich kaum heilen lassen", weiß Hygieneinspektor Geese.­ Deuten Fieber oder Schmerzen darauf hin, sofort den Arzt verständigen.

Doch das muss nicht passieren. Regel Nummer eins der Vorsorge: "Sich gut über den Erreger informieren!", rät der Erwitter Experte vom Kompetenz-Netzwerk-Hygiene. Was für ein Keim liegt vor? Wie wird er übertragen? Was gilt es zu beachten? Der Hausarzt ist verpflichtet zu beraten, ebenso der Pflegedienst. Sie sollten am besten Mitglied in einem MRE-Experten-Netzwerk sein. 

Handschuhe schützen beim Waschen von Pflegebedürftigen

Schritt Nummer zwei, um hartnäckigen Bakterien Paroli zu bieten: "Weil die Keime meist über Hände weiter­gegeben werden, ist der wichtigste Schutz das Händewaschen", betont Fachbuchautor Geese. Aber keine Katzenwäsche! Finger, Handrücken und Handinnenfläche müssen gründlich eingeseift werden, etwa 30 Sekunden lang. Wer zu Hause mit Blut, Wunden oder Stuhl in Berührung kommt, muss Handschuhe tragen und danach die Hände desinfizieren, aber nur mit einem Mittel, das auf einer fachlich anerkannten Desinfektionsmittelliste steht. Auch Angehörige, die Wunden verbinden, Urinkatheter versorgen oder Bronchialsekret absaugen, sollten Einmalhandschuhe anziehen. Zudem gilt: Benutzte Pflegeartikel wie Handtücher darf kein anderer mehr benutzen und gehören danach gleich in die Waschmaschine.

Sauberkeit ist im Haushalt oberstes Gebot. "Auf einer trockenen, sauberen Oberfläche vermehren sich die Keime schlechter", betont Dr. Martina Pohle, Fachärztin für Hygiene aus Senftenberg. Ob Küche oder Bad: Herkömm­liche Haushaltsreiniger reichen beim Putzen aus. Desinfektionsmittel sind notwendig, wenn es gilt, Wundsekret, Blut oder Exkremente zu beseitigen. Auch desinfizierende Waschmittel sind übertrieben. "Die Erreger überleben eine 60-Grad- oder Kochwäsche nicht", erklärt Pohle. Geschirr und Besteck gehören in die Spülmaschine. Auch hier gilt: den Bakterien einheizen, kein Energiesparprogramm wählen.

Trotz Keimgefahr: Pflegebedürftige brauchen Kontakt

Trotz aller Vorsicht: MRE-Träger und ihre Familie geraten rasch ins Abseits. Bemerken Nachbarn etwa, dass die ambulante Schwester mit Mundschutz ins Haus kommt, ziehen sie sich erschrocken zurück. Die Schwester müsse so handeln, erklärt MRE-Expertin Pohle, "allerdings nur unter bestimmten Umständen und beim engen Kontakt mit dem Kranken". Doch in der Familie muss niemand einen Mundschutz tragen. Es spricht also nichts dagegen, den pflegebedürftigen Vater einfach mal in den Arm zu nehmen. Ohne Handschuhe.


Weitere Hilfe gegen Keime

Ansprechpartner sind Hausarzt und Pflegedienst. Auch das Gesundheitsamt berät über MRE und regionale Netzwerke. Beim Kuratorium Deutsche Altershilfe können Sie die Broschüre "Umgang mit multiresistenten Keimen" gebührenpflichtig im Internet herunterladen: www.kda.de


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