Schlimm genug, wenn man im Alter auf Hilfe angewiesen ist. Aber was, wenn im Pflegefall das Geld nicht reicht? Zunächst zahlt zwar das Sozialamt, viele Senioren befürchten aber, dass anschließend die Angehörigen zur Kasse gebeten werden.
Kinder haben Freibeträge
Oft wiegt diese Sorge weniger schwer, denn jedes Kind hat einen Freibetrag von mindestens 1500 Euro pro Monat, an den das Amt nicht herankommt. Hat das Kind selbst Familie, ist der Freibetrag sogar noch höher. „Man sollte gemeinsam durchrechnen, wie hoch die individuelle Lücke tatsächlich ist und wie viel die Kinder gegebenenfalls zuzahlen müssten“, empfiehlt Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten.
Häufig ist der Finanzbedarf kleiner als befürchtet. Zwar wird rund die Hälfte aller Senioren irgendwann einmal pflegebedürftig, rechnen Statistiker vor. Im Durchschnitt brauchen Männer dann aber nur 2,5 Jahre und Frauen 3,5 Jahre Hilfe. Fast alle sind dabei in die kostengünstigeren Pflegestufen I und II eingruppiert. Die extrem teure Pflegestufe III benötigen Senioren in der Regel nur für wenige Monate oder gar nicht.
Vorsorge ist teuer
Wenn im Ernstfall voraussichtlich große Lücken klaffen, kann eine private Pflegeversicherung Sinn machen. Man sollte die Police aber nur abschließen, wenn der Versicherer in allen Pflegestufen genügend zahlt, denn sonst sind wieder die Kinder in der Pflicht.
Ausreichender Schutz ist leider ziemlich teuer. Ältere zahlen mehr als Jüngere, Frauen bislang mehr als Männer, auch wenn die Tarife für beide Geschlechter nach einem neuen Urteil demnächst angeglichen werden müssen. Für eine Frau, die mit 55 Jahren einsteigt, kostet eine Pflegetagegeldversicherung leicht 70 Euro pro Monat – ein Leben lang, oft auch im Leistungsfall. „Wer sich das im Alter nicht mehr leisten kann, hat in jungen Jahren umsonst eingezahlt“, warnt Rudnik.
Eine vorherige Gesundheitsprüfung ist bei fast allen Versicherern Pflicht. Angesichts steigender Gesundheitskosten und langer Laufzeiten empfiehlt Rudnik Verträge mit eingebauter Dynamik. Dadurch steigen die Leistungen, aber auch die Beiträge jedes Jahr um einen vorher vereinbarten Prozentsatz.
Die meisten werden erst im hohen Alter jenseits der 80 hilfsbedürftig. Bevor man also überhaupt Geld erhält, hat man oft Jahrzehnte eingezahlt. Bei einer kleinen Rente kann es daher sinnvoller sein, den geplanten Monatsbeitrag anderweitig fürs Alter anzusparen. So hat man leichter Zugriff auf das Geld – auch im Pflegefall.
Silke Becker / Senioren Ratgeber;
25.07.2011
Bildnachweis: F1 online/Jürgen Ritterbach
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