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Reha: Warum sie so wichtig ist

Wie Patienten von einer Rehabilitation profitieren – zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder einer Hüftoperation


Im Kraftraum: Mit ihrer neuen Hüfte übt Marianne E. die richtige Haltung

Helga R. kann es selbst kaum glauben. Hand in Hand turnt, schwitzt und scherzt sie in der Herzsportgruppe mit fremden Menschen, als sei das eine der leichtesten Übungen für sie. „Dabei war ich immer Einzelgängerin“, erzählt die 73-Jährige. Heute schätzt sie das Miteinander in der Maternus-Klinik in Bad Oeynhausen: „Nach meinem Infarkt ist es doch gut, mehr unter Leute zu kommen“, meint die Patientin.

Fachleute teilen diese Ansicht. Die Gefahr, dass sich Patienten nach einer schweren Krankheit zurückziehen, ist groß. „Gerade Ältere, die ihr Leben lang gesund waren, verkraften einen so massiven Einschnitt in ihr Leben schwer“, erklärt Dr. Horst Meruna von der Bad Oeynhausener Reha-Klinik. Eine kritische Phase, weiß der leitende Mediziner der kardiologischen Abteilung. Das Risiko, an Leib und Seele weiter Schaden zu nehmen, ist groß. „Deswegen ist Rehabilitation so wichtig“, betont Meruna. „Patienten bekommen dort viele Hilfen an die Hand, mit ihrer Erkrankung zu leben.“ Es lohnt sich in jedem Alter, die Weichen für die Gesundheit neu zu stellen. „Rehabilitation beugt auch Pflegebedürftigkeit vor“, macht der Arzt aus Bad Oeynhausen deutlich.


Rund 1,5 Millionen Deutsche nutzen jährlich dieses therapeutische Angebot. Wenn es medizinisch notwendig ist, genehmigen die Kassen oder Rentenversicherungsträger in der Regel bis zu drei Wochen. Frischoperierte üben dann, mit dem neuen Kniegelenk Treppen zu steigen. Herzpatienten erfahren, warum die Mittelmeerküche ihre Gefäße schützt. Krebskranke lernen, bei Musik zu entspannen. Mal stationär in einer Fachklinik, mal ambulant. Oft gehen Patienten direkt nach dem Krankenhausaufenthalt in die Reha, dann sprechen Experten von einer Anschlussheilbehandlung oder kurz AHB.

So wie Helga R. Ihre dreiwöchige Therapie in Bad Oeynhausen neigt sich dem Ende zu, in zwei Tagen geht’s nach Hause. „Ich habe viel gelernt“, findet die Herzkranke, „vor allem, dass ich mich mehr bewegen muss.“ Ihr Weg, sich auf Trab zu halten: ihre Enkel öfter besuchen, zu Fuß natürlich. „Außerdem gehe ich zu Hause in eine Herzsportgruppe.“

Gute Vorsätze. Doch setzen Reha-Patienten sie tatsächlich um, wenn sie wieder daheim sind? Dr. Helgo Herbst, Leiter der Bewegungstherapie in der Maternus-Klinik, kennt die Bedenken. „Deswegen schauen wir bei jedem Einzelnen, wo seine Defizite liegen, aber auch was er im Alltag kann und tun möchte. Danach richten wir unsere Ziele.“

Studien belegen: Rehabilitation, die den Patienten fordert, aber nicht überfordert, tut nachhaltig gut. Wer dagegen etwa nach einer Hüftoperation gleich voll durchstartet, riskiert viel: falsche Bewegungsabläufe, Schmerzen, und im schlimmsten Fall droht eine weitere Operation. Marianne E. war sich dieser Gefahren bewusst:  „Ich hätte das mit meiner neuen Hüfte zu Hause nie alleine geschafft.“

Die 73-Jährige hat daher im Reha-Zentrum der Schön Klinik Harthausen in Bad Aibling in den vergangenen drei Wochen Schritt für Schritt ihre Muskeln gestärkt. Sie hat gelernt, ihre Prothese richtig zu belasten. Und in der Gelenkschutzgruppe hat sie probiert, in ein Auto zu steigen, ohne die Hüfte zu strapazieren. „Ich mache alle Therapien mit“, erzählt Englbrecht. „Ich bin sehr diszipliniert.“

Gute Voraussetzungen, weiß Dr. Andreas Leidinger. „Solche Patienten trauen sich im Laufe der Therapie immer mehr zu“, berichtet der Chefarzt aus Bad Aibling. Zu Beginn der Reha scheuen sich viele Klinikgäste aus Angst vor Schmerzen, sich zu bewegen. Doch im Lauf der Behandlung probieren sie die verordneten Übungen sogar ohne festen Termin im Fitnessraum aus. Selbst nach ihrer Entlassung trifft Andreas Leidinger dort noch „Ehemalige“. Spezielle Reha-Nachsorgeprogramme ermöglichen das. „Ideal, wenn der Übergang von der Reha-Klinik in den Alltag so gut funktioniert“, sagt der Orthopäde. Sein Rat: Patienten sollten immer fragen, ob es vor Ort in der Klinik solche Kooperationen gibt.
Marianne E. will auch mobil bleiben. „Ich gehe in die Berge wandern“, hat sie sich vorgenommen. Grünes Licht von ihren Therapeuten hat sie. Die passionierte Wanderin steht wieder mit beiden Beinen im Leben.    

Der Weg zur Reha

1. Der Arzt bescheinigt, dass Sie eine Rehabilitation benötigen.

2. Sie stellen einen Antrag beim zuständigen Kostenträger (Rentner in der Regel bei ihrer Krankenkasse, dort erhalten Sie die notwendigen Formulare. Ansprechpartner für Erwerbstätige ist meist die Rentenversicherung). Fragen Sie Ihren Arzt, ob er Ihnen hilft. Bei einer Anschlussheilbehandlung (AHB) wenden Sie sich an den Sozialdienst im Krankenhaus. Fügen Sie am besten das ärztliche Gutachten bei.

3. Der Bescheid kommt Der Kostenträger teilt Ihnen schriftlich mit, ob er Ihnen eine Reha bewilligt und wo sie stattfinden soll.

4. Widerspruch einlegen können Sie, wenn die Reha abgelehnt wird oder Sie mit der Klinikwahl unzufrieden sind. Fristen beachten! Das gilt auch für die AHB: Sie muss innerhalb bestimmter Zeit erfolgen, sonst zahlen die Kostenträger nicht.




Bildnachweis: W&B/Bernhard Huber
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Raphaela Birkelbach / Senioren Ratgeber; 18.08.2011
Bildnachweis: W&B/Bernhard Huber

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