Treppenlift einbauen: Die wichtigsten Tipps

Ein Treppenlift kann dabei helfen, im Alter länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Was Sie vor dem Kauf beachten sollten
von Dagmar Fritz, 02.05.2016

Treppenlifte helfen, wenn Stufen zum Hindernis werden

Fotolia / Robert Kneschke

1. Wann sollte man sich einen Treppenlift anschaffen?

Wenn die Beine schwächer werden, können Treppenstufen in der Wohnung oder im Haus zu einer großen Gefahrenquelle werden. Ein Treppenlift kann in diesen Fällen gefährliche Stürze verhindern und die Selbstständigkeit erhalten. Für Menschen, die einen Rollstuhl oder einen Rollator benötigen, können Treppen sogar eine unüberwindbare Barriere sein. Eine barrierefreie Anpassung, wie der Einbau eines Treppenlifts, ist dann oft die einzige Lösung, um weiterhin in den eigenen vier Wänden leben zu können.

2. Lässt sich jede Treppe mit einem Treppenlift ausstatten?

Ob gewendelte, gerade oder u-förmige Treppen: Im Innenbereich lässt sich so gut wie jede Treppe mit einem Treppenlift ausstatten. Eine wichtige bauliche Voraussetzung muss die Treppe aber erfüllen: In einem Privathaus muss sie mindestens 80 Zentimeter breit sein. In Mietshäusern sollte die Treppe je nach Landesbauverordnung mindestens einen Meter oder sogar noch breiter sein. Denn auch nach dem Einbau des Treppenlifts muss für Fußgänger der Handlauf der Treppe gut erreichbar und diese gefahrlos begehbar sein.

Bevor Sie den Auftrag für den Einbau der Liftanlage erteilen, sollte schriftlich festgehalten werden, dass die amtlichen Baubestimmungen eingehalten werden. Außerdem muss der Treppenliftanbieter den Kunden über Prüf- und Zulassungsverfahren aufklären und – ­falls notwendig – sämtliche Genehmigungen einholen.

3. Welcher Treppenlift ist der passende?

Je nach Anbieter sind unterschiedliche Antriebssysteme und Steuerungen auf dem Markt – vergleichen lohnt sich! Grundsätzlich besteht ein Treppenlift aus einer oder mehreren Führungsschienen, einem Antrieb und einem Liftsessel mit Armlehnen und Fußstützen. Bedient wird der Lift über einen Hebel in der Armlehne oder per Funkfernbedienung.

Ein Treppenlift sollte auf die Bedürfnisse und die körperliche Verfassung des Benutzers abgestimmt sein: Für Menschen mit leichter Gehbehinderung, die selbstständig sitzen können oder für Rollstuhlfahrer, bei denen ein Wechsel vom Rollstuhl in den Sitz möglich ist, kommt ein Treppenlift mit Sessel infrage. In diesem Fall muss am oberen und unteren Ende der Treppe genug Platz vorhanden sein, damit ein Umsetzen in den Rollstuhl möglich ist. In manchen Fällen ist für Rollstuhlfahrer auch eine Plattformlösung geeignet. Der Lift ist dann mit Rollstuhl ohne fremde Hilfe nutzbar.

Auch bei der Montage gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Der Treppenlift kann an der Wand des Treppenhauses oder am Geländer angebracht werden. Bei einer Wendeltreppe sollte der Lift an der Innenseite der Treppe angebracht werden, damit für Fußgänger der äußere, also der breitere Bereich der Stufen begehbar bleibt. Das gleiche gilt, wenn der Lift über mehrere Etagen verläuft. Aus Sicherheitsgründen sollte der Lift mit Notfallalarm und selbst bedienbarer Notabsenkvorrichtung ausgerüstet werden.

4. Ist der Einbau auch in einem Mietshaus möglich?

Soll ein Treppenlift in ein Mehrfamilienhaus eingebaut werden, muss vor dem Einbau die Einwilligung des Hauseigentümers eingeholt werden. Wohnungsbaugesellschaften zeigen sich meist verständnisvoll und haben nichts gegen den Einbau. Jedoch muss bei Auszug der Mieter für einen sachgemäßen Rückbau sorgen.

Falls es mit dem Vermieter Probleme gibt, heißt dies nicht zwangsläufig, dass ein Einbau unmöglich ist: Das Landgericht Duisburg entschied vor einigen Jahren, dass ein Vermieter den Lifteinbau dulden muss, wenn der Mieter ohne Hilfe seine Wohnung nicht mehr verlassen kann (Az. 23 S 452/96).

5. Wo gibt es gute Beratung?

Je nach Treppenlänge und -form können die Kosten für den Einbau fünfstellig ausfallen. Deshalb sollten Sie sich vor der Anschaffung eines Treppenlifts ausführlich beraten lassen. Für eine neutrale Beratung können Sie sich an die Wohnberatungsstellen wenden, die es in praktisch allen Städten gibt und kostenlos über barrierefreien Umbau und mögliche Zuschüsse informieren. Außerdem kann ein Mitarbeiter der Wohnberatungsstelle vor Ort die Lage prüfen und gegebenenfalls Alternativen zum Treppenlift vorschlagen.

6. Was muss man beim Kauf beachten?

  • Vor dem Kauf sollten Sie die unterschiedlichen Anbieter, die Antriebsysteme und die Preise vergleichen. Holen Sie sich am besten von mehreren Firmen Kostenvoranschläge ein. Erkundigen Sie sich auch nach den Garantieleistungen und den Wartungskosten.
  • Falls von der zuständigen Baubehörde gefordert, muss die Firma eine Baugenehmigung und eine Prüfbescheinigung vorlegen. Diese einzuholen, ist Sache der Firma.
  • Bezahlen Sie die Gesamtsumme erst, wenn alle Unterlagen vorhanden sind und beim Betrieb des Treppenlifts keine Mängel auftreten.
  • Produkt- und Montagemängel sollten vertraglich festgelegt mindestens zwei Jahre lang kostenfrei beseitigt werden.
  • Achten Sie darauf, dass der Einbau durch eine Fachfirma vorgenommen wird, dies spielt auch im Hinblick auf die Gewährung von Zuschüssen eine Rolle.

7. Wann gibt es Zuschüsse?

Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen Maßnahmen zur Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden. Falls eine Pflegestufe vorliegt, ist die Pflegekasse der richtige Ansprechpartner. Wichtig: Die Pflegestufe muss vor dem Einbau beantragt und genehmigt werden. "Ohne eine Pflegestufe kann die Pflegeversicherung keinen Zuschuss gewähren", sagt Ann Marini, Sprecherin des GKV-Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. "Auch eine zeitlich veränderte Reihenfolge – also erst der Zuschuss, dann die Pflegestufe – funktioniert nicht."

Gut zu wissen: Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, weitere Zuschüsse für den Einbau zu bekommen. Die Mitarbeiter der Wohnberatungsstelle können hierzu Auskunft geben.

Lassen Sie sich nach der Wohnberatung von den Firmen erste Kostenvoranschläge machen, denn dieser muss den Anträgen beiliegen. Außerdem sollte eine Fachfirma den Einbau ausführen – auch an diesen Punkt kann die Bewilligung des Zuschusses gekoppelt sein. Erst wenn der Zuschuss schriftlich bewilligt ist, kann der Einbau erfolgen.

8. Welche Kosten fallen an?

Ein Treppenlift wird immer der jeweiligen Treppe angepasst. Bei kurzen, geraden Treppen ist dies einfacher. Bei langen, gewendelten Treppen, die über mehrere Stockwerke führen, deutlich schwieriger. Daher können die Preise stark schwanken: Von circa 4000 Euro bis rund 14.000 Euro und mehr müssen Sie bei der Anschaffung rechnen. Besteht eine Pflegestufe, zahlen die gesetzlichen Kassen bis zu 4000 Euro Zuschuss pro Maßnahme. Leben mehrere pflegebedürftige Menschen in einem Haushalt, kann der Zuschuss bis zu 16.000 Euro betragen.

Auch beim Einbau eines gebrauchten Treppenlifts wird der Zuschuss gewährt. Für gebrauchte Anlagen muss die Firma ebenfalls zwei Jahre Gewährleistung einräumen. Jedoch muss auch hier der Einbau von einer Fachfirma erfolgen. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, einen Treppenlift zu mieten. Fragen Sie beim Händler danach. 

Ein weiterer Posten sind die Wartungskosten der Anlage. Da viele bewegliche Teile verbaut sind, kann eine jährliche Wartung sinnvoll sein. Auch hier gibt es zwischen den Anbietern Preisunterschiede – ein Vergleich lohnt sich. 

9. Woran erkennt man einen guten Anbieter?

Präzise Planung, eine gute technische Umsetzung und kundenfreundlicher Service sind beim Einbau eines Treppenlifts besonders wichtig. Geraten Sie an eine schlechte Firma, können sich technische Probleme und Sicherheitsmängel häufen. Damit es nach dem Einbau möglichst keine Probleme gibt, sollten Sie bei der Wahl des Anbieters nicht nur auf den Preis, sondern auch auf ein paar andere Rahmenbedingungen achten:

  • Bei einem persönlichen Gespräch gewinnt man einen ersten Eindruck: Wirkt der Mitarbeiter seriös und fachkundig? Geht er auf die räumliche Situation ein? Gibt es Referenzadressen und die Möglichkeit, einen Treppenlift auszuprobieren?
  • Achten Sie darauf, dass keine externen Montagefirmen den Einbau und die Wartung vornehmen. Wird die Arbeit unfachmännisch ausgeführt, kann es zu größeren technischen Problemen kommen. Lassen Sie sich deshalb vertraglich zusichern, dass auch die Firma den Einbau und die Wartung vornimmt, bei der Sie den Lift gekauft haben.
  • Es gibt immer wieder Fälle, bei denen sich Kunden von Treppenlift-Firmen unter Druck oder finanziell übervorteilt fühlen. Damit dies nicht der Fall ist, fragen Sie am besten bei einer Wohnberatungsstelle nach seriösen Anbietern vor Ort. 
  • Suchen Sie einen guten Anbieter in Wohnortnähe, damit bei einer Störung eine schnelle Reparatur möglich ist. 
  • Im Idealfall bietet die Firma einen 24-Stunden-Notdienst an, der auch am Wochenende und an Feiertagen erreichbar ist. Fragen Sie nach, wie schnell der Notdienst vor Ort ist. Dieser sollte vertraglich festgehalten sein, genauso wie der Wartungsservice.
  • Hören Sie sich im Bekanntenkreis um und tauschen Sie sich aus: Welche Erfahrung haben Bekannte mit Anbietern gesammelt?
  • Seriöse Firmen drängen ihre Kunden nicht zu einem schnellen Vertragsabschluss, sondern geben ihnen Zeit – schließlich handelt es sich bei einem Treppenlift um eine wichtige und teure Anschaffung.

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