Psychologie des Alters: Was ist Glück?

Glücklich sein ist keine Frage des Lebensalters. Trotzdem sind viele Senioren zufriedener mit ihrem Leben als so mancher junge Mensch


Glücklich? Ein positives Selbstbild hilft dabei

Was heißt schon Glück? Ist Glück ein flüchtiges Gefühl, das einen oft im Überschwang überfällt, nur um einen kurz darauf wieder zu verlassen? Die meisten verstehen unter Glück diese kurzfristigen Empfindungen. Doch Glück lässt sich auch anders definieren. Als ein länger andauerndes, durchgängiges Gefühl der Zufriedenheit – unabhängig von kürzeren Phasen, in denen es einem nicht so gut geht. Als ein nachhaltiges Glücksempfinden, sozusagen.

Legt man diesen Maßstab an, geht es Senioren besser als den meisten anderen Altersgruppen. Einer Studie zufolge haben Menschen ab 60 Jahren verstärkt das Gefühl, ihr Leben im Griff zu haben – eine wichtige Voraussetzung, um sich glücklich zu fühlen.


Alter: Zeit des Aufbruchs und der Gelassenheit

Dabei hat Alter in einer Zeit, die vom Jugendwahn geprägt ist, nicht den allerbesten Ruf. Doch die Zeit ab dem Ruhestand ist bei Weitem keine Zeit des Rückzugs, des Stillstands oder gar des Verlusts. Die Senioren von heute sind selbstbewusst und aktiv wie nie zuvor. Sie reisen um die ganze Welt, kümmern sich ehrenamtlich um Bedürftige, haben kreative Hobbys, passen auf die Enkel auf, sind neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen. Und sie sind fit: Wer heute 70 Jahre alt ist, hat etwa den Körper eines 60-Jährigen vor 30 Jahren.

Manches klappt in den späten Jahren sogar besser als früher. Ob es die sprichwörtliche Altersweisheit tatsächlich gibt, ist zwar umstritten. Bekannt ist allerdings, dass Senioren aufgrund ihrer langen Erfahrung ausgewogener urteilen, ein Problem erst von mehreren Seiten betrachten, bevor sie eine Entscheidung fällen. Bei zwischenmenschlichen Konflikten nehmen sie außerdem eher eine Vermittlerrolle ein.

Ein positives Selbstbild verschafft mehr Zufriedenheit

Wie man sich fühlt, hat viel mit dem Bild zu tun, das man sich selbst vom Alter macht. So haben Forscher herausgefunden, dass Senioren langsamer und gebeugter gehen, wenn man sie vorher mit negativen Altersbildern konfrontiert. Außerdem schneiden sie bei Gedächtnisübungen schlechter ab, wenn ihnen davor berichtet wurde, dass im Alter die geistige Leistungsfähigkeit abnimmt. Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es für Senioren ist, selbstbewusst und mit einer positiven Einstellung auf das eigene Lebensalter zu blicken. Nicht nur für das eigene Glücksempfinden, sondern auch für die Gesundheit.

Natürlich besteht das Gefühlsleben auch im Alter nicht nur aus eitel Sonnenschein. Viele erleben Einsamkeit und schmerzliche Verluste, etwa wenn der Partner stirbt. Etwa zehn bis 15 Prozent der über 65-Jährigen zeigen Hinweise auf eine Depression. Wichtig ist, diese Empfindungen nicht einfach als Schwermut abzuhandeln, sondern als das anzusehen, was sie sind: eine Krankheit, die heilbar ist.

Solche Schicksalsschläge sind ein Teil des Lebens. Kaum einer bleibt völlig von ihnen verschont. Sie zu verarbeiten kostet Kraft. Das ist nicht immer einfach. Manchmal ist Unterstützung von außen der einzige Ausweg. Trotz allem ist es in solchen Situationen hilfreich, positiv nach vorne zu schauen. Was ist Glück? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Tag für Tag aufs Neue. Glück mag flüchtig sein. Aber das bedeutet auch, dass es wiederkommen kann.




Bildnachweis: Shotshop/Danstar

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