Dass sie nicht aus der Showbranche kommt, mir aber trotzdem gute Ratschläge geben kann.
Dass ich weder eitel noch eifersüchtig bin – obwohl ich bei ihr nur noch die Nummer zwei bin, seit wir Großeltern sind.
Meine Eltern waren beliebt bei den Schülern, aber unfähig, die eigenen Kinder zu erziehen. Kommt ja in Lehrerhaushalten häufiger vor. Ich habe jedenfalls in keiner Weise funktioniert und war nicht erziehbar. „Der landet noch mal beim Zirkus, als Seemann oder im Bergwerk“, sagte man früher, wenn einer aus der Art schlug. Ich bin halt im Showgeschäft gelandet.
Kameramann oder Fotograf. Schon als 13-Jähriger habe ich begeistert fotografiert und die Filme in der eigenen Dunkelkammer entwickelt. Später besuchte ich einen Fotokurs in der Schule, bin da aber rausgeflogen, weil meine Leistungen in den anderen Fächern so schlecht waren. Das war richtig gemein. Mit der Fotografie hätte es was werden können.
Es war die letzte Chance, meinen Eltern weiteren Kummer zu ersparen und ihnen das Gefühl zu geben, dass ich einen ordentlichen Beruf lerne. Nebenbei ergatterte ich Komparsenrollen beim Film, bei denen ich an einem Tag so viel verdiente wie sonst im ganzen Monat. „Lieber ein paar dumme Sätze aufsagen als einen Monat arbeiten“, sagte ich mir. Ich ließ mich in der Druckerei krankschreiben, und mit der zweiten Lohnsteuerkarte machte ich die Filmjobs. Ich war nur so eitel, die Fotos in der Druckerei herumzuzeigen – die haben mich natürlich rausgeschmissen. Das war ein wenig doof von mir.
Das war eine finstere Zeit! Ich sang vor Berliner Supermärkten Bänkellieder über Joghurt und spielte dazu Leierkasten. Von dem Shampoo habe ich heute noch Flaschen im Keller. Ich musste es erst kaufen, um es dann an Haustüren weiterzuverkaufen. Das funktionierte überhaupt nicht.
Wenn mich wohlhabende Privatleute engagierten, an ihrem Geburtstag neben ihnen im Wohnzimmer zu sitzen. Die kauften sich mich als Promi-Freund für einen Abend, mit dem sie vor ihren Gästen glänzen konnten. So etwas ist schon sehr absurd.
Ich hätte nie gedacht, dass es so gut ankommt, wenn ich mich einfach an einen Tisch setze und mit irgendwelchen Leuten unterhalte...
Nein. Am Schluss waren es doch nur noch Alfred Biolek und ich, die mit über 60 Jahren noch TV-Shows gemacht haben. Gegen den Jugendwahn in den Medien kommst du nicht an. Ich mache sporadisch Gastauftritte in anderen Shows, so komme ich wenigstens mal raus. Und ab Oktober 2012 gehe ich mit einem Ein-Personen-Stück auf Tournee. Ich sitze auf der Bühne und räsoniere über mein Leben. In dem Stück habe ich drei Kinder, aber alles andere bleibt authentisch. Das wird sehr poetisch.
Das muss ich ja zwangsläufig. Altern ist nicht besonders charmant, man muss das Beste daraus machen.
Man sagt mir inzwischen eine gewisse Altersmilde nach. Mag sein, dass ich nicht mehr ganz so ungestüm irgendwelche Leute beleidige, die mir nichts getan haben. Aber der Biss ist noch da! Wenn mir einer blöd kommt, dann kriegt er was um die Ohren.
Man kann eigentlich keinen Humor machen, der nicht auf irgendwelche Leute mit dem Holzhammer draufhaut. Da muss man halt immer wieder in die Kiste greifen. Und für diese Dreckarbeit bin ich eben da.
Keine rassistischen Witze und keine Witze über Siechtum und Tod.
Manchmal beneide ich Menschen, die einfach nur total doof in der Sonne sitzen können. Ich bin ein unruhiger Geist, bei mir rotiert immer irgendwas. Bis mir eines Tages das Licht abgeschaltet wird.
Karl Dall ist am 1. Februar 1941 in Emden geboren. Er war Mitbegründer der Musik-Kabarett-Gruppe Insterburg & Co. Als sich die Gruppe 1979 auflöste, begann Dall eine Solokarriere als Komiker, trat regelmäßig bei "Verstehen Sie Spaß?" auf und moderierte diverse Talk- und Rateshows im Fernsehen, darunter "Dall-As" bis 1992. Seine Autobiografie "Auge zu und durch" erschien 2006. Der Titel spielt auf sein Markenzeichen an: ein hängendes Auge, Folge einer Lidmuskelschwäche. Mit seiner Frau Barbara ist Dall seit 1971 verheiratet, das Paar lebt in Hamburg.
Thomas Röbke / Senioren Ratgeber;
06.08.2012
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