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Psychologie:
Studium für den grünen Daumen

Der Garten als Heiler: Lange wurde dieses Thema in Hochschulen bestenfalls am Rande gelehrt. Das ändert sich nun

Garten

Alles im grünen Bereich: Beim Gärtnern kommt die Seele zur Ruhe, der Körper entspannt sich

Die Donau-Universität Krems in Österreich bietet seit Kurzem einen Studiengang „Gartentherapie“ an. Und an der Universität Saarbrücken können angehende Sozialarbeiter einen Kurs belegen mit der sperrigen Bezeichnung: „Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung im Alter/Gartentherapeutische Intervention“.

Alltägliche Sinnlichkeit

Warum Gesundheit im Grünen so populär ist, liegt auf der Hand: Im Garten zu arbeiten ermöglicht es Menschen, ein Teil ihrer Umwelt zu sein. Hier ist ein Ort des Handelns und Gestaltens – und darin liegt der besondere Zauber für viele Menschen. „Ehrgeiz und Eitelkeit, Missgunst und Unzufriedenheit – alles fällt von uns ab“, schwärmt die begeisterte Gärtnerin Charlotte Seeling, Autorin des Buchs „Frauen und ihre Gärten“ (Hildesheim 2005). Denn draußen sind all unsere Sinne beschäftigt. Wir riechen, sehen und spüren, wir schmecken und hören: wie eine Erdbeere auf der Zunge zergeht oder das Schilfgras raschelt, wie sich feuchtes Gras unter den Füßen anfühlt oder Hyazinthen duften. Ganz allein, versunken und eins mit der Welt arbeitet der Gärtner vor sich hin – egal, ob er einen Rosenbusch beschneidet, Walnüsse einsammelt oder das Gras mäht. Zu seinem Garten entwickelt derjenige, der darin arbeitet, ein ganz besonderes Verhältnis.


„Jeder Mensch braucht einen noch unbelegten, zu gestaltenden Ort“, ist auch Therapeut Niepel überzeugt. Das hat zwei Gründe: „In der Natur können wir zu unserer Erholung alle unsere Fähigkeiten einsetzen“, erklärt Rainer Brämer, Natur- und Wandersoziologe und Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Marburg. Der zweite Grund: Im Garten kann der Mensch gestalten, kann ein Fleckchen Erde in sein ganz persönliches Paradies verwandeln – und sei es noch so klein. Selbst aus einer großstädtischen Terrasse lässt sich so mit Gestaltungswillen und Phantasie gepflegte Wildnis formen.

Gärtnerische Spätpubertät

Die besten Gärtner, davon ist Therapeut Niepel überzeugt, finden sich dabei unter den älteren Zeitgenossen: „Um gut pflanzen und ernten zu können, muss man eine gewisse Reife haben“, sagt er. „Die gärtnerische Pubertät beginnt mit 40.“ Denn erst mit entsprechender Lebenserfahrung haben Menschen die Eigenschaften entwickelt, die den idealen Gärtner ausmachen: Erfahrung, Geduld, Gelassenheit – und das heitere Wissen, dass im Leben und erst recht nicht im Grünen alles so läuft, wie sich der Mensch das vorstellt. Vielleicht wird aus Andreas Niepel, dem Gemüseversager, eines Tages doch noch ein Experte für Essbares. Schließlich ist er erst 45.



Anne-Bärbel Köhle, Senioren Ratgeber / GesundheitPro; 13.08.2008, aktualisiert am 11.02.2010
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