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Warum gibt es keine Zufälle, Karel Gott?

Im Interview erzählt der Sänger von seiner Karriere und seiner Familie. Seine Stimme erklingt unter anderem in dem Lied für die Biene Maja in der Kinderserie


Karel Gott ist auch Hobbymaler. Hier präsentiert er eines seiner Kunstwerke

Sie sind in fast allen Ländern aufgetreten. Ihren größten Auslandserfolg haben Sie in Deutschland. Wie kommt das?

Da waren die Sympathien durch den Prager Frühling. Dann hatte ich mit dem Sudetendeutschen Otto Dehmler den richtigen Produzenten. Dann der Auftritt 1968 beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ – obwohl ich damals nur Platz 13 belegte, kam eine Anfrage vom Fernsehen nach der anderen.

Und selbst wenn es nach Eigenlob klingt, eine gewisse Ehrlichkeit, Charisma und die richtige Ansprache des Publikums hatten auch ihren Anteil. Nicht zuletzt bin ich mit meiner ausgebildeten Tenorstimme genau in eine Lücke gestoßen. Die Ausstrahlung des Heldentenors mit großer Leichtigkeit verbinden, das war immer mein Ziel.



Karel Gott hört auch auf den Spitznamen "Sinatra des Ostens"

Es sind also einige glückliche Zufälle zusammengekommen.

Ich glaube nicht an Zufälle.

Warum nicht?

Ich glaube an die Kraft der Gedanken. Als ich noch Elektriker war, sagte ich zu meinen Kollegen: Hört diese Platte – es war eine Live-Aufnahme aus Las Vegas –, da werde ich eines Tages singen. Sie hielten mich für einen Spinner. Acht Jahre später schickte ich eine Postkarte aus Las Vegas, auf die ich einen Pfeil gemalt hatte: „Hier singe ich.“ Und als ich 1977 Elvis’ letztes Konzert im Fernsehen sah, sagte ich sofort: Mit seinem Chor, den Jordanaires, werde ich singen. Zwei Jahre später wurde ich nach Nashville eingeladen, zu einem Country-Music-Wochenende. Und mit wem habe ich gesungen? Mit den Jordanaires!

Anfangs traten Sie in Las Vegas auf ...

Ich war dort der Exot, der von hinter dem Eisernen Vorhang. So wurde ich auch immer angesagt. „Du bist der erste Kommunist auf der Bühne in Las Vegas, in diesem Show-Mekka, dem Symbol amerikanischer Unterhaltung. Du bist eine Attraktion“, sagten die Veranstalter. Auf meinen Einwand „Ich bin kein Kommunist, ich habe mit der Partei überhaupt nichts zu tun“ hieß es nur: „Lass uns mal machen.“ Vor allem die Frauen standen Schlange, um mich zu sehen.

Wie hat sich das angefühlt?

Ich kam mir vor wie ein exotisches Tier. Aus Protest und um zu zeigen, dass ich kein Idiot aus dem Osten bin, habe ich mich so elegant gekleidet wie möglich. Ich war der Gegenentwurf zu den Hippies. Dass die so ungepflegt herumliefen, konnte ich nie verstehen. „Warum freuen die sich nicht, dass sie in einem freien Land leben?“, fragte ich mich.

Wovon haben Sie als kleiner Bub geträumt?

Ich wollte Lokführer werden. Wir lebten bis zum Kriegsende in Pilsen, nicht weit vom Bahnhof und den Skoda-Werken. Wenn sich diese riesigen Räder der Loks in Bewegung setzten … boah! Und der Schaffner war für mich der Superstar. Mit einem Pfiff und einer Armbewegung hat er diesen Koloss in Bewegung gesetzt.

Warum haben Sie dann Elektrotechniker gelernt?

Ich hatte in der Grundschule meine ganze Energie und Konzentration darin gesetzt, Maler zu werden. Aber ich wurde 1957 von der Kunstakademie abgelehnt. Also erfüllte ich Vaters Wunsch und lernte Elektrotechnik. Parallel startete ich die Gesangskarriere auf eigene Faust.

Ist „Gott“ Ihr Künstlername?

Das ist mein richtiger Name. Ein Produzent riet mir sogar mal, meinen Namen zu ändern: „Du kannst in Deutschland nicht Gott heißen, das werden viele Gläubige für anmaßend halten.“ Fast jeder siebte Tscheche hat einen deutschen Namen: Fischer, Schmidt … und ich heiße eben Gott.

Sie mussten Ihre West-Gagen an den Staat abtreten ...

Einen Teil konnte ich behalten, aber nicht in Westwährung. Davon hatte ich nur zu Repräsentationszwecken, damit ich mir auf Reisen Lackschuhe kaufen oder mein Essen bezahlen konnte. Schon für den Kauf einer Musikanlage brauchte ich eine Sondergenehmigung und viele Stempel: vom Finanzminister, vom Kultusminister, vom Außenminister ...

Inwieweit mussten Sie mit dem kommunistischen Regime zusammenarbeiten?

Selbst die hohen Funktionäre haben zu mir gesagt: Sie machen am meisten für uns, wenn Sie unser Land gut repräsentieren. Singen Sie einfach!

Sie wurden mit 67 und 69 noch einmal Vater. Warum ist es für Kinder nie zu spät? Sie können ja recht anstrengend sein …

Meine auch. Ich musste auf viele Freiheiten verzichten. Aber manches ist viel schöner, als ich dachte. Was ich mit meinen vier Töchtern erlebt habe, das ist so schön ... diese Augen, diese Neugier, diese Fragen. Ich bin ein Vater, der richtig am Boden liegt und etwas mit ihnen baut. Aber ich muss mir immer wieder etwas ausdenken, womit ich die beiden Kleinen unterhalten kann. Wenn sie sich langweilen, gibt es Tränen ...

Haben die Kinder Sie verändert?

Ich bin viel empfindlicher, sensibler als früher. Wenn ich Nachrichten schaue, mache ich mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder. Früher konnte man auswandern. Das macht heute keinen Sinn mehr, die großen Zukunftsfragen sind globale Probleme. Der Klimawandel, die Überbevölkerung, der Raubbau an der Natur …

Sie kamen vor ein paar Jahren mit dem Verdacht auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus. Leben Sie heute gesundheitsbewusster?

Alles drehte sich, mir war schlecht, und ich bin umgefallen. Die Ärzte haben nichts gefunden, und für mich ist die Sache erledigt. Der Rat der Ärzte war: jetzt nur nicht Angst haben und übervorsichtig sein. Denn gerade dann passiert etwas. Ich will meiner Psyche Schönes vermitteln, und das heißt auf der Bühne stehen.

Vermissen Sie auf Reisen Ihre Familie?

Meine Frau weiß, wen sie geheiratet hat, und freut sich, dass ich weiter Erfolg habe. Die Kinder sind stolz, wenn sie den Vater auf der Bühne sehen. Und ich freue mich umso mehr auf auf zu Hause.

Stimmt es, dass Ihre Frau Ihre Musik nicht besonders mag?

Das haben Sie gut formuliert. Das ist doch der beste Beweis, dass sie mich um meinetwillen liebt!



Der Sänger wurde 1939 in Tschechien geboren

Karel Gott wurde am 14. Juli 1939 in Pilsen (Tschechien) geboren.

  • Schlagersänger: Nach seiner Elektrotechniker-Ausbildung studierte er Gesang. Karel Gott singt in vielen Sprachen, auf Deutsch und Tschechisch sind seine rund 120 Alben jedoch am erfolgreichsten. Im Lauf seiner Karriere trat er in vielen Fernsehshows auf und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
  • Vater: Seine Frau Ivana heiratete er 2008. Mit ihr hat der Schlagersänger zwei Töchter (5 und 3 Jahre). Aus früheren Beziehungen hat er zwei ältere Töchter (37 und 23).


Thomas Röbke, Senioren Ratgeber; 06.10.2011
Bildnachweis: Hipp-Foto/Marianne Winkler, Action Press/Guido Ohlenbostel, People Picture/Andrea Moelzner

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