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Warum ist Konsequenz so wichtig, Jutta Speidel?

Die Münchner Schauspielerin lebt in einer Fernbeziehung mit ihrem römischen Freund. Warum Sie aus der Serie "Um Himmels willen" ausgestiegen ist und ihr Sicherheitsdenken fern liegt


Schauspielerin Jutta Speidel als "Nonne Lotte"

Welche Frauentypen spielen Sie am liebsten? Eher starke Frauen?

Ich spiele sie gerne. Schwache Frauen bietet man mir nicht an. Schauspieler sind zwar wandlungsfähig, werden aber selten gegen den Typ besetzt.

Sind Sie auch im richtigen Leben eine starke Frau, die ihren Willen durchsetzt?

Ich halte nichts davon, „seinen Willen durchzusetzen“. Ich versuche für Dinge zu kämpfen, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und dann kann ich sehr hart dranbleiben und etwas zu Ende bringen, wenn ich davon absolut überzeugt bin.



Jutta Speidel weiß was sie will

Können Sie es genießen, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben?

Ich bin ein sehr kreativer Mensch; ein Ziel zu erreichen heißt nicht Ende der Fahnenstange. Ich suche mir dann etwas Neues, das ich erobern kann.

In der Erfolgsserie „Um Himmels willen“ hätten Sie alt werden können. Bereuen Sie Ihren Ausstieg?

Die Entscheidung aufzuhören war richtig. Die Serie geht ins elfte Produktionsjahr, ein Ende ist nicht abzusehen. Die Vorstellung, 20 Jahre in einer Serie zu spielen, ist ein Albtraum für mich.

Es gäbe aber Sicherheit. Liegt Ihnen Sicherheitsdenken völlig fern?

Ja, das kenne ich nicht. Ich habe mich immer am besten entwickelt, wenn ich mich von alten Dingen getrennt habe.

Sind Sie in allem so konsequent?

Ich denke schon.

Warum ist Konsequenz so wichtig?

Weil man sonst auf der Stelle tritt. Ich habe gelernt loszulassen. Das Leben ist so viel interessanter, wenn man sich in alle Richtungen aufmacht.

Sie haben einmal gesagt, Ihre Mutter sei Ihr großes Vorbild ...

Sie hat mir eine ganze Menge mitgegeben, das ich wichtig finde, an dem ich auch festhalte: Herzensbildung, zu sich stehen, sich selbst treu sein und auch für Irrtümer einstehen. Ehrlichkeit finde ich ganz wichtig.

Was bringt das Älterwerden mit sich?


Ich finde es schön, älter und reifer zu werden. Gelassener zu werden ist ein ganz großer Vorteil des Alters. Vieles, dem ich vor 20 Jahren hinterhergerannt wäre, interessiert mich heute nicht mehr so. Trotzdem habe ich ein sehr umtriebiges Leben. Ich höre oft ein staunendes „Was du alles an einem Tag schaffst …“. Mein Problem ist, Nein zu sagen, weil ich immer denke: Ach komm, irgendwie bekommst du das auch noch hin …

Sie sagen, Sie hätten heute einen viel fitteren und biegsameren Körper als vor 30 Jahren. Wie geht das?

Yoga ist mein Gesundbrunnen. Und ich bin sowieso ein sehr agiler Mensch, bewege mich fast permanent.

Sie wohnen in München, Ihr Lebensgefährte in Rom. Hält das die Liebe frisch?

Für uns ist es eine gute Lösung, weil jeder in seiner Stadt Familie hat. Außerdem ist Bruno ein absoluter Römer, für ihn wäre es ein Albtraum, seine Stadt zu verlassen. Das Gleiche wäre, wenn man mich zwingen würde, nach Rom zu ziehen – ich würde sicher Heimweh haben. Rom ist für ein paar Wochen wunderschön, aber ich könnte dort nicht auf Dauer leben.

Ihr Lebensgefährte ist sechs Jahre jünger.

Wir spüren diese sechs Jahre überhaupt nicht, machen uns auch keine Gedanken darüber. Weder fühle ich mich älter, noch fühlt er sich wesentlich jünger.

Ist Ihr Italienisch besser oder Brunos Deutsch?

Wir verstehen uns in einer Mischung aus Italienisch, Deutsch und Englisch – und auch ohne Worte. Es hat sich so eingependelt, wir kommen da nicht mehr raus: Keiner lernt die Sprache des anderen richtig.

Was ist Glück für Sie?


Glück steckt in den kleinen Dingen. Ein innerer Friede kann einen glücklich machen. Ich bin sehr glücklich, wenn alles um mich herum gesund ist, mich selbst eingeschlossen. Wir haben keine finanziellen Sorgen, das ist ein wunderbarer Zustand. Ja, ich bin ein glücklicher Mensch.

Mit Ihrer Stiftung „Horizont“ verhelfen Sie auch obdachlosen Kindern und deren Müttern zum Glück. Eine große Aufgabe.

Die sich mittlerweile auf viele Schultern verteilt. Ich weiß, ich kann mich auf mein Team verlassen, und wir finden für jedes Problem eine Lösung. Tatsache ist, dass wir jeden Monat 50 000 Euro sammeln müssen, vor allem für den Unterhalt unseres Hauses mit 24 Wohnungen.

Wie vielen Menschen haben Sie aus der Obdachlosigkeit helfen können?

Das ist schwer zu sagen, einige Hundert waren es sicherlich. Im Haus wohnen durchschnittlich 65 Menschen, manche sind lange Zeit bei uns, manche gehen nach sechs Monaten.

Verfolgen Sie die Schicksale weiter?


Einige Frauen sind mit uns noch Jahre nach dem Auszug in Kontakt, andere wollen ihre Vergangenheit am liebsten vergessen.



Thriller um Organhandel: Speidel mit Herbert Herrmann in "Fleisch"

Der Film „Fleisch“, in dem es um Organhandel ging, war 1979 Ihr großer Durchbruch und seiner Zeit weit voraus.

Auf jeden Fall. Wir hatten damals einigen Gegenwind, Mildred Scheel, die Gattin des damaligen Bundespräsidenten, wollte die Ausstrahlung verhindern. Was für uns die größte Werbung schlechthin war.

Warum war sie so gegen den Film?


Sie fürchtete wohl, dass die Idee, lebenden Menschen Organe zu entnehmen, Schule machen könnte. Heute ist es ja gang und gäbe in vielen Ländern, dass Menschen eine Niere hergeben, um ihre Familie ernähren zu können.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit die Töchter aus dem Haus sind?

Die haben inzwischen ihr eigenes Leben, und das ist auch gut so. Ich bin keine Klett-Mami, die verlangt, dass die Töchter sie ständig umsorgen. Ich gebe aber zu: Meine Tochter in Detmold vermisse ich schon oft. Die andere Tochter studiert in München, da können wir uns einfacher mal sehen, wenn uns danach ist.

Sie haben mal gesagt: „Im Heiraten bin ich total ungeschickt.“ Warum?

Ich habe eine Ehe hinter mir, und ich bin froh, dass ich mit meinem Exmann so ein gutes, freundschaftliches Verhältnis habe. Heute brauche ich keinen Trauschein mehr, um glücklich zu sein.



Ein Glück, zwei Wohnsitze: Jutta Speidel und ihr Lebensgefährte aus Rom

Ein paar Zahlen aus dem Leben der Schauspielerin:

  • Jutta Speidel wurde am 26. März 1954 in München geboren.
  • Erste Filmrolle mit 15 Jahren. Verließ das Gymnasium nach der mittleren Reife, um an die Schauspielschule zu gehen. Durchbruch mit 25 Jahren in dem Thriller „Fleisch“. Zurzeit spielt sie vor allem bei deutschen Theater- und Fernsehproduktionen.
  • Speidel hat zwei Töchter (23 und 28) aus ihrer Ehe (1985–91). Seit 2003 ist sie mit dem Schauspieler Bruno Maccallini liiert, mit dem sie kürzlich das Buch „Zwei Esel auf Sardinien: Ein deutsch-italienisches Abenteuer“ schrieb.



Bildnachweis: DDP Images/Steffen Leiprecht, Thomas und Thomas/Dorothee Falke, Cinetext/Dorothee Falke, DDP/dfd

Thomas Röbke / Senioren Ratgeber; 03.11.2011
Bildnachweis: DDP Images/Steffen Leiprecht, Thomas und Thomas/Dorothee Falke, Cinetext/Dorothee Falke, DDP/dfd

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