Warum sind Haustiere so wichtig, Frau Millowitsch?

Im Interview spricht die Schauspielerin Mariele Millowitsch über ihren Namen, ihrem prominenten Vater und ihre Liebe zu Tieren

Mariele Millowitsch mit Lieblingsdackel "Hans-Günther"

Sie sind seit so vielen Jahren hervorragend im Geschäft. Haben Sie sich von dem Namen Millowitsch inzwischen freigestrampelt? 


Mit dem Namen habe ich kein Problem, im Gegenteil: Ich finde ihn schön. Natürlich musste ich mich anstrengen, nicht in dem Begriff Millowitsch aufzugehen. Aber ich glaube, ich habe ganz gut klarmachen können, dass es eine eigenständige Schauspielerin namens Mariele Millowitsch gibt.

Ihr Vater war ein sehr tonangebender Mensch. Haben Sie später jemanden vermisst, der sagt, wo es langgeht?


Nein, ganz im Gegenteil. Das war so prägend, dass ich mir vorgenommen habe: In meinem Leben gibt keiner mehr den Ton an außer mir selbst.

Wann hatten Sie sich vom Einfluss des Vaters gelöst?


Als ich mit 17, 18 Jahren anfing, mit ihm wieder Theater zu spielen. Da stand ich bewusster auf der Bühne als damals, als ich ganz klein war. Da konnte ich mich ausprobieren, der Vater hat mich auch gelassen. Wenn ich mit innovativen Ideen kam, hieß es aber: Das haben wir noch nie gemacht, das haben wir immer so gespielt. Solchen „Argumenten“ musste ich mich mit der Faust in der Tasche weiterhin unterwerfen.

Worin sind Ihnen Ihre Eltern Vorbild?


In Toleranz und Disziplin. Wenn ich überlege, wer alles bei uns zu Besuch war, wie gastfreundlich meine Mutter war ... und es war völlig egal, welche Bildung, wie viel Geld oder welche Hautfarbe die Gäste hatten. Bei uns war immer was los, und das habe ich geliebt. Und was die Disziplin angeht: Die einzigen Entschuldigungen, nicht pünktlich auf der Bühne zu stehen, waren Tod, Koma und Sprachverlust. Sonst ließ mein Vater nichts gelten. Der ist auch noch mit 100 Grad Fieber raus.   

Sie sind das jüngste von vier Geschwistern. Wie war es denn als Nesthäkchen?


Einerseits hat man mich in Ruhe gelassen, andererseits war ich in der Rangfolge von oben nach unten die Letzte, die etwas abbekam, wenn etwas verteilt wurde. Aber das war okay. Ich war relativ unbekümmert am Ende der Schlange. Und relativ laut. Damit man nicht untergeht, muss man rumkrakeelen – das habe ich ganz gut geschafft.

Wenn Sie sich heute alle treffen, sprechen Sie da viel von früher?


Selten. Wenn, dann am liebsten über die jährlichen Ferien auf Elba. Mein Vater war wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde – einmal der Vater und einmal der Schauspieler. Auf Elba war er wirklich Vater. Und da war erganz gut, wir hatten einen Riesenspaß.

Im Alltag war er als Vater nicht präsent?


Es war normal, dass er nicht da war. Ich weiß noch, wie ich mit vier Jahren gedankenverloren auf dem Wohnzimmerteppich spielte und es plötzlich hieß: Auf zum Flughafen, der Boss kommt! Dann standen wir am Flughafen, ich sah meinen Vater und dachte: Für den habe ich jetzt aufgehört zu spielen? Und wenn er dann da war, wurden Kleidchen angezogen und öfter mal Fotografen eingeladen, Familie Millowitsch ablichten, das ging mir sehr auf die Nerven.


Waren eigene Kinder ein Thema für Sie?


Ganz früher wollte ich einen Stall voll. Mir wurde aber schnell klar, dass ich nicht aufhören wollte zu arbeiten undfür diesen Beruf meine Unabhängig-keit brauche. Ich fand mich als Mutter nicht geeignet. Aber ich bin eine Spitzen-Tante.

Sie haben Tiermedizin studiert. Hatten Sie ernsthaft vor, in diesen Beruf zu gehen?


Anfangs schon, aber Theaterspielen ist ja auch eine Sucht. Irgendwann konnte ich mir nicht mehr vorstellen, in einer Tierarztpraxis zu verschwinden. Da waren die Gene stärker.

Ist von Ihrem Tiermedizin-Studium etwas übrig geblieben?


Hans-Günther, meinen Dackel, kann ich beispielsweise selbst behandeln. Der ist ja mit seinen 15 Jahren schon relativ alt und hat hier und da ein Problem. Da habe ich die entsprechenden Spritzen parat. Und wenn Freunde von mir ins Krankenhaus müssen, übersetze ich ihnen das Mediziner-Deutsch. Ich lese auch weiterhin, so viel ich kann, über Medizin.

Warum sind Sie so ein Dackel-Fan?


Weil die schwer erziehbar sind, weil sie aus der Mode gekommen sind und weil Dackel bei uns in der Familie liegen.

Hatten Sie immer schon Haustiere?


Immer. Ich brachte alles Mögliche nach Hause: Was hinkte oder humpelte oder nicht ganz fit aussah, wurde mitgeschleppt. Mutter hat es dann mit Fassung ertragen. Wir hatten eigentlich immer Hunde. Tiere gehörten immer zum Leben und spielten eine Rolle.

Warum sind Haustiere so wichtig für uns?


So ein Tier ist eine Konstante im Leben, wenigstens für ein paar Jahre. Das ist etwas für die Seele. Da ist jemand, der sich freut, mit dem man reden kann. Den kann man knuddeln, und wenn man Glück hat, wehrt er sich nicht. Das ist eine unkomplizierte Freundschaft – weil es keine Widerworte gibt. Obwohl, Hans-Günther hat mich durchaus schon mal gebissen ...

Warum haben Sie Ihren Dackel ausgerechnet Hans-Günther genannt?


Als ich ihn bekam, hieß er Jerry. Ich hatte zuerst an Horst gedacht, aber dafür ist er nicht kräftig genug. Mein Hans-Günther ist zu fein für einen Horst.

Eigentlich wären Sie doch die Ideal-besetzung für eine Tierärztinnen-Serie ...


Da hatte ich schon viele Angebote. Aber das ist mir zu dicht dran. Die Konzepte sind meist zu lieb. Ich würde auch gerne Konflikte aufgreifen wie die Massentierhaltung oder die Lage der Milchbauern. Ich mag das nicht, wenn alles so glatt gebügelt ist.

Frauen mit komischem Talent wie Sie sieht man selten im Fernsehen. Machen sich Männer lieber zum Affen?


Die Männer dürfen eher die Kinder und die Buben im Sandkasten bleiben. Von uns Frauen wird verlangt, erwachsen zu sein, nicht albern, nicht kindisch. Da beneide ich die Männer manchmal drum. Aber ich habe ja noch Glück, ich bekomme ja einen feinen Mix angeboten. Mal was Ernstes, mal was Komisches.

Sie sind aber immer die Sympathieträgerin. Keine Lust, die Böse zu spielen?


Ich glaube nicht, dass mir so eine Rolle angeboten wird. Das ist aber auch nicht tragisch. Ich kann gut damit leben, Sympathieträgerin zu sein.

Zur Person:

 

Mariele Millowitsch wurde am 23. November 1955 in Köln als Tochter von Gerda und Willy Millowitsch geboren. Mit neun Jahren stand sie das erste Mal auf der Bühne. Sie studierte Tiermedizin, promovierte 1991 über Bandscheibenvorfälle beim Dackel und schlug schließlich doch die Schauspielkarriere ein. Serienerfolge feierte sie im Fernsehen mit „Girl Friends“ und  als Krankenschwester „Nikola“ an der Seitevon Walter Sittler. In der Krimireihe „Marie Brand“ spielt sie derzeit eine Kölner Kommissarin. Mit ihrem Freund, einem Rechtsanwalt, lebt sie in Köln.